Fünf Politiker aus fünf Parteien. Keiner von ihnen hat schon den dreißigsten Geburtstag gefeiert, aber alle wollen (wieder) in den Bundestag. Die Chancen von Katherina Reiche (CDU), Hubertus Heil (SPD), Daniel Bahr (FDP), Grietje Bettin (Bündnis 90/Die Grünen), Sandra Brunner (PDS) stehen gut. Zwanzigmal schreiben sie im Tagebuch von Wahlkampf, Visionen, Argumenten: 20 unter 30.
Von Katherina Reiche, zuständig für Familie im „Kompetenzteam“ von CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber
Familie ist Zukunft - und daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Familie geht uns alle an, weil wir alle aus einer Familie kommen, jeder eine Familie hat.Und weil Familie alle Politikbereiche betrifft und gleichzeitig von allen betroffen ist. Grundlage für die Solidarität in unserer Gesellschaft ist der Zusammenhalt in der Familie. Aus der familiären Lebensform ergeben sich Geborgenheit, Glück und Lebensfreude. Damit ist die Familie auch im 21. Jahrhundert die attraktivste Lebensform, denn sie vermittelt die Kraft, um die Herausforderungen der Moderne bestehen zu können.
Doch das familiäre Zusammenleben und die persönlichen Lebensentwürfe sind in steten Wandlungsprozessen begriffen. Heute beobachten wir eine Pluralisierung der Lebensstile und eine immer weiter steigende Vielfalt familiärer Lebensweisen.
Verändertes Familienbild
Die familiären Gemeinschaften werden kleiner. Die Heiratsneigung sinkt, es gibt insgesamt weniger Eheschließungen. Ledige Männer sind bei ihrer ersten Eheschließung mittlerweile 30,3 Jahre, Frauen 27,8 Jahre alt. Ehescheidungen häufen sich. Immer mehr Frauen entscheiden sich erst nach dem 30. Lebensjahr für ein Kind. Die Zahl der nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften hat sich seit 1972 verzehnfacht. In 20 Prozent dieser Verbindungen wachsen Kinder auf. Zwischen 1991 und 1997 hat sich die Zahl der Alleinerziehenden um 24 Prozent erhöht. Jedes fünfte Kind wird von nur einem Elternteil erzogen.
Ehe an erster Stelle
CDU und CSU betonen als einzige Parteien die unverzichtbare Funktion der Institution „Ehe“. Auch für mich persönlich steht die Ehe als schützenswertes Lebensmuster immer an erster Stelle. Sie zählt trotz hoher Scheidungsraten zu den wirksamsten, verbindenden Grundlagen der Lebensgemeinschaft Familie. Nach einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts erleben 80 Prozent aller Kinder, die in Ehen aufgewachsen sind, den 18. Geburtstag mit ihren verheirateten Eltern, aber 80 Prozent aller Kinder in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften haben bis dahin die Trennung ihrer Eltern erfahren und verkraften müssen. Die Ehe sorgt also offenkundig für Geborgenheit und Vertrauen im zwischenmenschlichen Miteinander.
Was ist eine Familie?
Trotz dieses normativen Bildes des Zusammenlebens von Menschen in unserer Gesellschaft nimmt die Union die sich wandelnden Lebensweisen zur Kenntnis. Aus diesem Grund steht für uns fest, dass Familie überall dort ist, wo Eltern für Kinder und Kinder für Eltern Verantwortung tragen. Dazu gehören Ehepaare mit ehelichen und auch mit nicht-ehelichen Kindern ebenso wie Alleinerziehende, nicht-eheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern und auch Menschen, die ihre Eltern oder Verwandte pflegen.
Aufgabe Familienpolitik
Wir müssen uns heute fragen, wie unsere Gesellschaft im Zukunft aussehen soll. Im Mittelpunkt dieser Frage steht das Nachdenken über die Rolle der Kinder innerhalb des gesellschaftlichen Miteinanders. Wollen wir, dass 30 bis 40 Prozent eines Altersjahrgangs kinderlos bleiben, oder wollen wir eine Gesellschaft, in der Kinder selbstverständlich dazugehören? Da wir letzteres für erstrebenswert betrachten, führt kein Weg an einer starken ideellen und finanziellen Familienförderung vorbei. Für die Union ist und bleibt die Familienpolitik in Deutschland eine wichtige Querschnittsaufgabe. Das von der Union entwickelte familienpolitische Maßnahmenpaket soll die Situation von Familien umfassend verbessern.
Eingebettet in eine neu ausgerichtete Finanz- und Sozialpolitik sollen drei Bereiche reformiert werden, denen aus unserer Sicht eine ganz besondere Bedeutung zukommt:
Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Die CDU versteht Familienpolitik als Familienvorrangpolitik, die den Blick für das Notwendige öffnen muss. Falsch ist ein ausschließliches Denken in Adressatengruppen, denn die Überbetonung einzelner Bereiche - seien es nun Alleinerziehende oder berufstätige Mütter - führt unweigerlich zur Dominanz von Einzel- oder Gruppeninteressen.
Es kommt darauf an, die Vereinbarkeit von Familienarbeit mit dem Beruf oder einer Ausbildung sowie den Wiedereinstieg in den Beruf zu verbessern. Eltern brauchen ein flexibles und qualitativ hochwertiges Angebot von Kinderbetreuungseinrichtungen. Durch die Stärkung familien-nächster Einrichtungen, wie Tagesmütter und Eltern- Kind-Gruppen, aber auch Horten, erhalten junge Eltern zusätzlich individuelle Wahlfreiheit.
Finanzielle Gerechtigkeit für Familien
Besonders in der Sozial- und Familienpolitik gilt: Wer für morgen sorgt, muss heute entlastet werden. Deshalb werden wir alle Familien mit Kindern weitaus stärker fördern als das bisher der Fall ist. Wir wollen das bisherige Kinder- und Erziehungsgeld stufenweise durch ein neues „Familiengeld“ ersetzen und so Familien materiell stärken. Damit tritt eine einheitliche Leistung an die Stelle des inzwischen unübersichtlichen Systems der Familienförderung.
Stärkung von Erziehungskompetenz und Erziehungskraft von Eltern
Kindererziehung ist den vergangenen Jahren eine immer anspruchsvollere Aufgabe geworden. Nicht selten entstehen Verunsicherung oder Enttäuschung, wenn Eltern sich mit ihrer Erziehungsaufgabe überfordert fühlen. Kinder und Jugendliche brauchen ein sicheres Wertefundament als Orientierungspunkt in ihrer eigenen Lebensgestaltung. Hier tragen Eltern eine herausgehobene Verantwortung. Um die Erziehungskraft der Eltern mit Rat und Tat zu unterstützen, Überforderungen bei Erwachsenen und Kindern abzubauen sowie Konflikte in Familien zu entschärfen, machen wir uns für eine Offensive stark, die Familienberatung und Erziehungspartnerschaften verbessert und weiter ausbaut.