Fünf Politiker aus fünf Parteien. Keiner von ihnen hat schon den dreißigsten Geburtstag gefeiert, aber alle wollen (wieder) in den Bundestag. Die Chancen von Katherina Reiche (CDU), Hubertus Heil (SPD), Daniel Bahr (FDP), Grietje Bettin (Bündnis 90/Die Grünen), Sandra Brunner (PDS) stehen gut. Zwanzigmal schreiben sie im Tagebuch über Wahlkampf, Visionen, Argumenten: 20 unter 30.
Von Grietje Bettin, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen in Schlewsig-Holstein
Die vergangene Woche begann ausnahmsweise in Berlin. Bei einem Treffen meiner Partei sind alle Kandidaten anwesend, die bei dem angestrebten Wahlergebnis von acht Prozent im Bundestag wären. Für uns Frauen gibt es nachmittags ein spezielles Damenprogramm: Eine Schifffahrt „Berlin aus frauenpolitischer Sicht“.
Im Doppel mit der SPD
Abends wieder zurück in meinem Wahlkreis nach Schleswig-Holstein. Am Dienstag habe ich mit dem Direktkandidaten der SPD in Flensburg, Wolfgang Wodarg, dort einen gemeinsamen Termin: Wir spielen ein Tischtennis-Doppel gegen Passanten in der Einkaufsstraße. Damit wollen wir deutlich machen, dass Rot-Grün weiterregieren, die begonnenen Reformen fortgesetzt werden müssen. Erststimme SPD, Zweitstimme Grün, damit die soziale und ökologische Erneuerung nicht auf der Strecke bleibt.
Unterbrochen wird dieser Straßenwahlkampf nur durch ein Gespräch beim Bürgermeister der Stadt. Es geht natürlich nur um das Eine: Wie alle Kommunen hat auch Flensburg finanzielle Probleme. Mit einem grünen Mitglied der Ratsfraktion sprechen wir gemeinsam über die Gemeindefinanzreform. Der Tag endet mit einer Diskussion aller Bundestagskandidaten aus Flensburg im Rathaus der Stadt.
„Gehungen“ statt Sitzungen
Der Mittwoch: Fast ein bisschen unheimlich. Ich habe vormittags frei und kann mal wieder joggen. Das ist mir als Ausgleich sehr wichtig. Mit meiner Wahlkreis-Mitarbeiterin laufe ich dann in Kiel am Hindenburgufer und bespreche die nächsten Tage. Sehr entspannend und effektiv. Überhaupt sollten Sitzungen viel öfter durch „Gehungen“ oder Läufe ersetzt werden. Frische Luft macht kreativ und setzt viel Potential frei. Dann kann ich Bäume ausreißen! Nein, so etwas macht eine Grüne natürlich nicht.
Danach im Wahlkreisbüro: Pressegespräche vorbereiten, Informationen verschicken, Terminkoordination. Was alles so ansteht. Abends bin ich auf einer Veranstaltung in Ostholstein. Fritz Kuhn hat kurzfristig abgesagt und mit ein bisschen Terminschieberei kann ich als Ersatz einspringen.
Parlamentarier in Unterwäsche
Donnerstag ist ein Tag, der mit Sicherheit im Gedächtnis bleibt: Das Schleswig-Holstein-Magazin hat drei Kandidaten jeder Partei zu einem Outdoor-Eventmacher an die Schlei eingeladen, ein fördenähnliches Gewässer in Schleswig-Holstein. Vier Parteien, vier Häufchen Material: Tonnen, Bretter und Seile. Wir sollen innerhalb einer Stunde daraus ein Floß bauen und damit auf der Schlei eine Runde drehen. Es ist sehr lustig. Und sehr nass. Denn alle Parteien gehen baden. Wann sieht man die Mitbewerber schon mal in Unterwäsche. Mit deutlich spürbaren Armschmerzen vom Paddeln nehme ich abends an einer Diskussion der Landfrauen in Rendsburg teil.
Noch zwei Wochen...
Freitag. Zur Abwechslung mal wieder Diskussionen der Spitzenkandidaten. Morgens in Neumünster, abends in Kiel. Der Schlaf vor Mitternacht ist ja angeblich der gesündeste! Ich gehe um 23 Uhr ins Bett und teste das mal.
Wochenende! Wochenende? Wahlkampfstände, unter anderem in der Kieler Innenstadt. Ich verteile Prospekte, spreche mit Menschen, freue mich über die Sonne. Wahlkampf im Sommer ist schön. Und ich freue mich auf den Sonntag: Da lasse ich mich von meiner Familie in Eutin verwöhnen. Noch zwei Wochen bis zur Wahl.