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100 Jahre Panama-Kanal : Amerikas Triumph, Frankreichs Blamage

Premiere: Als erstes Schiff durchquert am 15. August 1914 der amerikanische Dampfer „SS Ancón“ den Panama-Kanal. Bild: Getty

Pariser Zukunftsfuror kostete Tausende das Leben und die Grande Nation ihren Ruf. Erst Washington gelang vor hundert Jahren das Jahrhundertbauwerk: der Panama-Kanal.

          Dieser Friedhof „im Paradies“ ist in einem beklagenswerten Zustand. Die kleinen weißen Kreuze sind hüfthoch mit Gras überwachsen. Wer zu den beiden umzäunten Grabsteinen gelangen will, auf denen die Namen zweier französischer Ingenieure stehen, muss quer durch das grüne Gestrüpp stapfen. Es sind die einzigen beiden Namen, die hier auf dem Friedhof zu finden sind. Auf den unzähligen weißen Kreuzen stehen allenfalls Zahlen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der französische Friedhof von Paraíso - auf Deutsch: Paradies - ist ein emblematischer Ort. Er erzählt die Geschichte des katastrophalen Scheiterns der „Grande Nation“ Frankreich - und indirekt des epochalen Triumphes der seinerzeit aufstrebenden Vereinigten Staaten in Panama. „Die Gesamtzahl der Toten wird auf mehr als 22 000 geschätzt“ steht - auf Französisch, Spanisch und Englisch - auf einer Hinweistafel am Eingang des Friedhofs, die die französische Botschaft und das Panama-Kanal-Museum haben aufstellen lassen. Demnach stünde jedes der kleinen weißen Kreuze auf dem Friedhof von Paraíso für vielleicht hundert Namenlose, die beim Kanalbau im Dschungel von Panama elendig ums Leben gekommen sind. Sie symbolisieren das Scheitern, doch die meisten Touristen lassen den Friedhof an der Straße von Panama-Stadt nach Colón, wo der Kanal auf der Atlantikseite endet, links liegen. Der Blick auf den Kanal wird hier von einem Hügel verdeckt, der mit undurchdringlichem Dschungel bewachsen ist.

          Bilderstrecke

          Der Triumph der Vereinigten Staaten wird hingegen schon seit Jahresbeginn in Panama gefeiert, und die Feiern erreichen an diesem Freitag ihren Höhepunkt: Am 15. August 1914 durchquerte der amerikanische Dampfer „SS Ancón“ als erstes Schiff den gut 80 Kilometer langen Panama-Kanal. Es war die Erfüllung des jahrhundertealten Menschheitstraums von einer Wasserstraße durch den zentralamerikanischen Isthmus zwischen dem Pazifischen und dem Atlantischen Ozean. Und während vor hundert Jahren die alten Mächte Europas in die epochale Finsternis des Ersten Weltkrieges marschierten, ging über einem Kanal in dem kleinen mittelamerikanischen Staat Panama der Stern einer neuen Weltmacht auf, deren Strahlkraft sich bis heute nicht verbraucht hat.

          Doch zunächst soll von den Träumen europäischer Idealisten berichtet werden, die schon viel früher eine Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik herbeisehnten. Natürlich gehörte auch der deutsche Universalgelehrte Alexander von Humboldt zu ihnen: In seinen umfassenden Berichten über seine Expedition nach Süd- und Zentralamerika von 1799 bis 1804 spekulierte er über mögliche Durchstiche durch die mittelamerikanische Landenge. Humboldt schlug gleich fünf mögliche Routen für einen Kanal vor, von Mexiko über Nicaragua und Panama bis nach Kolumbien. Keine der fünf Routen suchten Humboldt und sein französischer Reisegefährte Aimé Bonpland je auf, und Humboldts Messungen waren voller Fehler. Die Höhe der kontinentalen Wasserscheide in Panama etwa veranschlagte er dreimal so hoch, wie sie in Wirklichkeit war.

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