01.05.2006 · In der Hauptstadt herrscht Erleichterung über die ruhigste Walpurgisnacht seit Jahren. Die üblichen Krawalle blieben bisher weitgehend aus. Nun besteht die Hoffnung, daß die Maiveranstaltungen am Abend ebenfalls ruhig verlaufen.
Erstmals seit Jahren ist die Walpurgisnacht in Berlin weitgehend friedlich verlaufen. „Es gab keine Verletzten, und abgesehen von vereinzelten Stein- und Flaschenwürfe war der Verlauf der Veranstaltung störungsfrei“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. 48 Menschen seien festgenommen worden, die meisten schon bei Vorkontrollen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz.
Jahrelang war es in der Nacht zum 1. Mai und am Tag der Arbeit selbst in Berlin immer wieder zu schweren Krawallen gekommen. Die Polizei ist an den beiden Tagen mit 5500 Beamten im Einsatz, das sind rund 650 weniger als im letzten Jahr. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Walpurgisnacht“, sagte der Sprecher. Das mache Mut für den Abend, wo bei den Maiveranstaltungen wieder Ausschreitungen zu befürchten seien. Das Prinzip der „ausgestreckten Hand“ sei bislang wieder aufgegangen.
„Myfest“ sorgt für Deeskalation
Auch in diesem Jahr wird es in Kreuzberg wieder das sogenannte Myfest geben. Zudem ist eine „Mayday Parade“ nach Neukölln geplant, die „soziale Rechte weltweit“ einfordert. Schon im vergangenen Jahr waren die Maifeiern trotz einiger Ausschreitungen so friedlich wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr verlaufen. Insgesamt wurden 20 Polizisten leicht verletzt, 193 Randalierer wurden festgenommen.
Mit dem von Anwohnern und Bezirksamt Kreuzberg organisierten Myfest war es gelungen, die Krawalle einzudämmen. In den Straßen, durch die sonst die „Revolutionäre 1. Mai Demonstration“ zog, wurde gefeiert. Auch eine Spontandemonstration von Autonomen durch das Festgebiet richtete keine größeren Schäden an.
Angefangen hatten die Krawalle 1987 im Anschluß an eine Demonstration in Kreuzberg: Es kam zu Straßenschlachten, und ein Supermarkt brannte ab. Das war die Initialzündung für die jährlichen Krawallrituale.