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Plagiate „Die Korrekten sind am Ende die Dummen“

 ·  An Hochschulen gebe es eine „Mogel-Seuche“, sagt Uwe Kamenz. Er hat eine Idee, wie sie bekämpft werden kann. Der BWL-Professor aus Münster lässt Plagiate auffliegen.

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Herr Kamenz, Sie wollen wissenschaftlichen Plagiaten an deutschen Hochschulen flächendeckend einen Riegel vorschieben. Gehört das Abschreiben nicht zum Alltag von Studierenden dazu?

Klar, es wurde immer schon gemogelt. Die Frage ist nur, wie viel. In Zeiten des Internet liegt das Potential, beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten zu plagiieren, laut einer aktuellen Studie bei 90 Prozent. Wir sprechen also von einer regelrechten Mogel-Seuche, die abgeschafft werden muss. Es darf nicht akzeptiert sein, dass diejenigen, die korrekt vorgehen, am Ende die Dummen sind.

Warum ist es bislang niemandem gelungen, Plagiaten im wissenschaftlichen Betrieb den Garaus zu machen?

 Weder die Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan noch die Landesminister haben die notwendigen Schritte gegen den massenhaften Betrug durch „copy and paste“ unternommen. Mit diesem Thema kann man in der Politik eben nicht punkten. Der Schwarze Peter wurde an die Professoren an den Hochschulen weitergeschoben. Doch die können den zeitlichen Mehraufwand, den das Aufdecken von Plagiaten mitbringt, nicht leisten.

Bringt die Plagiate-Software, die viele Hochschulen angeschafft haben, nichts?

Gewerbliche Anbieter wollen Plagiate aufdecken, aber nicht abschaffen, um sich ihre geschäftliche Grundlage zu erhalten. Unser Ziel ist die Untersuchung aller wissenschaftlichen Prüfungsarbeiten, wodurch sofort die Plagiatbereitschaft der Studierenden sinken würde.

Was macht der von Ihnen entwickelte Profnet-Plagiat-Service anders?

Wir suchen nicht nur nach Originalquellen, sondern laden diese auch herunter und stellen jeden Fund auf einer eigenen Seite dem Text der wissenschaftlichen Arbeit gegenüber. Dabei steht eine Wahrscheinlichkeitszahl, ob es sich um ein Plagiat handeln könnte.

Ist das nicht aufwendig?

Das ist natürlich aufwendig. Die Überprüfung einer Arbeit kann bei uns zwei Tage bis eine Woche dauern. Um sämtliche in Deutschland eingereichten Arbeiten zu überprüfen, bräuchten wir ein Budget von 100 000 Euro und zwei Mitarbeiter. Frau Schavan hat dies abgelehnt. Nun versuchen wir, den Weg über die Studierenden zu gehen. Jeder kann kostenlos durch Einreichung der Prüfungsarbeit dokumentieren, dass in seiner Arbeit kein Täuschungsversuch enthalten ist.

Erwarten Sie, dass die Studierendenschaft darauf anspringt?

Die Studierenden haben die Kontrolle, denn sie entscheiden dann selbst, ob ihr Prüfer die Ergebnisse erfährt oder nicht. Ich sehe die Chance, dass wir damit erfolgreich sind, denn das Internet verfügt über eine kritische Masse, die unser Angebot zum Selbstläufer machen kann.

Wie wollen Sie das finanzieren?

Über Patenschaften. Aktuell starten wir mit fünf Partnern, die einen Sponsorenbeitrag leisten und damit die Beteiligung für Studierende an einer ausgewählten Hochschule ermöglichen. Dazu zählt unter anderem die Medizinische Hochschule Hannover.

Wer sind diese Paten?

Menschen, die Interesse an den Studierenden und an einer Verbesserung des Hochschulsystems haben. Für die Polizeihochschule Münster ist unser Pate zum Beispiel ein Rechtsanwalt. Das können aber auch Fördervereine sein. Studierende, die uns unterstützen wollen, könnten Paten für ihre eigene Hochschule suchen.

Die Fragen stellte Florian Vollmers.

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11.01.2013, 13:02 Uhr

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