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Pier Luigi Bersani Ein ernsthafter Zauderer

Pier Luigi Bersani möchte der nächste italienische Ministerpräsident werden. Der Sohn eines Tankstellenpächters hat keinen Sinn für Prunk und Pracht. Ein Berlusconi-Stil liegt dem Sozialdemokraten fern.

© dpa Konservativer Sozialdemokrat: Pier Luigi Bersani

Pier Luigi Bersani, der 61 Jahre alte Sozialdemokrat aus Bettola in der Emilia Romagna, möchte der nächste italienische Ministerpräsident werden. Doch der Chef des Partito Democratico (PD) möchte im Team regieren. Nichts liege ihm ferner als der charismatische Einmannstil eines Politikers wie Silvio Berlusconi, sagte Bersani kürzlich der F.A.Z.. „Ich will auch nicht abgehoben irgendwo Politik machen. Es geht um das Wohl der Menschen in jedem Ort, in jeder Stadt; um Italien in Europa.“ Der Sohn eines Tankstellenpächters hat keinen Sinn für Prunk und Pracht. Vielen Italienern, die den Glamour lieben, erscheint er denn auch arg langweilig. In Deutschland würde er als konservativer Sozialdemokrat bezeichnet werden.

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Bersani ist Berufspolitiker. Nach wenigen Jahren als Lehrer diente er vom Stadtrat bis zum erfolgreichen Wirtschaftsminister unter Romano Prodi stets im politischen Apparat, der sich nur langsam von seiner kommunistischen Herkunft befreite. In den Streitereien der Organisation mag ihm der Hang zum Einzelkämpfer ausgetrieben worden sein. Andererseits ist Bersani stets ein Zauderer gewesen. Zwischen seinem großen Kinn und der hohen Stirn scheint sein Mund wie eingedrückt; jede Äußerung wird sorgsam abgewogen. Wenn Bersani in den vergangenen Tagen auf Kundgebungen seine Widersacher bekämpfte, klang das aufgesetzt. Seine Ziele fasste er gegenüber dieser Zeitung in einem Satz zusammen: Politik gegen jeden Populismus und für ein starkes Italien in Europa.

Der Wahlkampf des PD passte nicht zu Bersani

Zu Beginn des Wahlkampfes hatten die Demoskopen kaum Zweifel, dass Bersanis PD im Bündnis mit der Partei „Linke-Ökologie-Freiheit“ (SEL) des apulischen Regionalpräsidenten Nichi Vendola siegen würde, ohne eine Koalition eingehen zu müssen. Bersani zog sein Siegesbewusstsein daraus, dass seine Partei als einzige ihre Kandidaten bis zur Spitze über demokratische Vorwahlen bestimmt und nicht von oben herab ernannt hatte. Dabei konnte Bersani viele Politiker, die sich in der Vergangenheit Verdienste erworben hatten, aber keine Zukunftsvision zu verkörpern schienen, an die Seite drängen. Er setzte sich in der Vorwahl gegen den jungen Bürgermeister von Florenz Matteo Renzi durch, dem es vermutlich besser gelungen wäre, enttäuschte Wähler aus dem Lager des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi für den PD zu gewinnen. Doch Renzi und Bersani traten nach ihrem Zweikampf als Team auf.

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Doch der Wahlkampf passte nicht zu Bersani. Berlusconi und Beppe Grillo von der „Bewegung fünf Sterne“ drängten Bersani fast täglich in die Defensive. Bersani wollte über Sachthemen reden, aber alle Versuche, Berlusconi oder Grillo mit Sachfragen zu stellen, liefen ins Leere. Bersani musste dem Klamauk hinterherlaufen. „Man hörte Krach, aber keine Argumente“, sagte Vendola dieser Tage. Zum Ende des Wahlkampfes bekannte Bersani so müde wie erleichtert: „Ich hatte mir vorgenommen, nicht in die Demagogie zu verfallen, und wollte den Italienern auch dumme Märchen ersparen.“ Er sei stolz, das geschafft zu haben.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 25.02.2013, 18:12 Uhr

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