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Pharrell Williams : Er kennt den Rhythmus des Glücks

  • -Aktualisiert am

Pharrell Williams beim Auftritt in Paris Bild: AP

Pharrell Williams, ein Jeff Koons der Musik, feiert die Macht seiner Lieder und wirft einen Prinzenblick auf die Kunst – eine Begegnung mit dem Sänger und Produzenten, der ewig jung bleiben möchte.

          Pharrell Williams, 41 Jahre alt, 1,75 Meter groß, Musiker, Produzent, Mode- und Möbeldesigner, durchtrainiert, trotzdem schmal, polierte braune Haut, glitzernde Stecker im Ohr, überall hängen Ketten, tritt immer mit einem leichten Lächeln auf. Wenn er singt, erinnert er an Michael Jackson, aber er kommt von der hedonistischen Fraktion des HipHop.

          An diesem Tag ist er in der Pariser Galerie Perrotin, um sein neues Soloalbum „Girl“ vorzusingen, und hat dazu gleich eine Kunstausstellung zum Thema kuratiert. Es sind erstaunliche Werke darunter: die Hypnotiseurin Marina Abramovic, die große Auftritte im MoMA liebt und zuletzt ihre Umarmungen verkaufte, aber auch Cindy Sherman, die mit ihren Rollenbildern seit Jahrzehnten Anerkennung erntet, und Sophie Calle, die sich mit der Größe ihrer Brüste beschäftigt.

          Pharrell Williams’ Aufritt vor geladenem Publikum ist ein Intro zur großen Europatournee, die ihn auch nach Deutschland führt. Im September ist er in Berlin, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt. Und es ist ein Anlass, um ihn aus der Nähe zu beobachten, wie dieser Jeff Koons der Musik eigentlich tickt.

          Der Weltmusikführer interessiert sich offensichtlich gar nicht für die „Girls“ in der Schau, sondern mehr für sich selbst. Heute trägt er einen schwarzen, glänzenden Hut mit weiter Krempe, nicht den hohen „Mountain Head“ von Vivienne Westwood, der durch ihn berühmt wurde. Auf seinem grau-weiß geringelten T-Shirt prangt ein gelber, lächelnder Smiley. Seine Turnschuhe hat er selbst bemalt, mit Gänseblümchen. „Infantil“ nennt er selbst seinen Stil. Er lobt ein Ikea-Kunst-Sofa von Rob Pruitt mit dem Titel „Studio Loveseat (Pharrell)“, bemalt mit seinen Liebsten, Scotty von Star Trek, der Zeichentrickfigur Sponge-Bob – und ihm selbst natürlich. Er möchte ewig jung bleiben, sagt er.

          Geschickter Songwriter

          In seine Welt gerät man wie Candide bei Voltaire nach Eldorado: In Eldorado sind die Straßen mit Gold gepflastert und Wohlstand und Frieden perfekt verwirklicht. In der Hosentasche von Pharrell Williams steckt ein absurdes Accessoire: ein Chanel-Taschentuch, das wie von Zauberhand gehoben heraussteht. Es sagt: Greif zu, nimm dir ein Stück von meiner Welt. Und behauptet: Jeder kann Künstler sein, jeder kann reich werden – und glücklich wie ich.

          Was bietet Pharrell Williams an, dass er diesen Kindergeburtstag zum Dauerzustand erheben kann? Er und sein Schulfreund Chad Hugo aus Virginia sind die Gruppe N.E.R.D., „no one ever really dies“, eine Mischung aus Soul, HipHop, Funk, Bossa Nova, Rock im Dauerwechsel. Als Produktionsfirma heißen sie „The Neptunes“ und dichteten in den vergangenen fünfzehn Jahren einen Großteil der Ohrwürmer, die uns durch den Sommer trugen. Sie belebten die Karrieren von Justin Timberlake, Snoop Dogg, No Doubt, Lenny Kravitz, den Rolling Stones, Madonna und vielen anderen.

          Es ist ein wiederkehrendes Aha-Erlebnis: Ach, das Lied ist auch von ihm. Pharrell Williams kennt das Rezept für Gute- und Schlechte-Laune-Massenprodukte, für deren Erfindung und Verkauf Google & Co jeden Tag Millionen Daten sammeln, um herauszufinden, wie Mensch tickt. Zuletzt bewies er sein Geschick mit „Get lucky“ von Daft Punk: „We’re up all night to get lucky.“

          Glück ist harte Arbeit

          Mit seinem 24-Stunden-Video „Happy“, in dem Prominente und Unbekannte glücklich die Straßen der Welt entlangtänzeln und dabei jeder und jede für sich ihren Individualismus preisen, ist er in 175 Ländern auf Platz eins der Single-Charts. In der Sendung von Oprah Winfrey weinte er vor Glück über diese Reichweite. In Teheran wurden zuletzt sechs Jugendliche festgenommen, die ihr eigenes „Happy“-Video ins Netz gestellt hatten (mittlerweile sind sie wieder frei). Sie tanzten ohne Kopftuch. Ist die Happy-Botschaft ein Weltverbesserungswerkzeug und Pharrell Williams der neue Michael Jackson, der mit „We are the world“ von 1985 Sehnsüchte schürte? Politik?

          Unterdrückung kommentiert er mit sichtlichem Unbehagen: Er kenne die Gesetze und Gepflogenheiten der iranischen Gesellschaft nicht, dazu könne er nichts sagen, aber er wünsche doch jedem „Girl“, dass es „happy“ sei. Und schnell wird klar: Pharrell Williams steuert mit seinem Auftritt, mit seinem neuen Album und der Schau bewusst gegen die Rolle des Verkünders des Guten an, wie sie etwa Sting und Bono lieben. Es geht in seinen neuen Liedern um sein eigenes Verhältnis zu Mädchen, zu Frauen. Er hat sich bei diesem Thema zuletzt missverstanden gefühlt – als „böser Sexist“. Pharrell Williams’ Stärke aber ist Pop ohne moralische Appelle: die schlichte Ablehnung von Armut, ohne Kritik an irgendetwas.

          Williams neues Album „Girl“ ist die Vereinigung vieler Pop-Sekten.

          Bei ihm klingt alles nach Selbstbestimmung. Sein Sohn, 5, wird Rocket Man genannt. Wer nicht glücklich damit ist, wie eine Journalistin vom „Guardian“, die die lasziven Aktbilder von Terry Richardson in seiner Ausstellung fragwürdig findet, wird von ihm mit missionarischer Freundlichkeit in die Zange genommen – im Vieraugengespräch: „Ich habe den kritischen Ton in ihrer Stimme gehört“, sagt er. Sein Glücksversprechen hat nichts wacker Aufmunterndes wie bei Bobby McFerrins „Don’t worry be happy“, es hat vielmehr mit harter Arbeit zu tun. Wer da nicht mitmacht, muss mit Glücksentzug rechnen.

          Die Aufmerksamkeit bekommen die, die sowieso schon mitmachen: Der „beste Künstler der Welt“ sei Takashi Murakami, sagt Williams. Der Japaner hat in der Schau Fotos von, ja: von wem? – Pharrell Williams und seiner Frau Helen Lasichanh auf seine charakteristische Tapeten-Manga-Ornamentik projiziert, beim Kuss, beim Tanz, im Glück. Die Fotos hat Terry Richardson gemacht.

          Immer dasselbe, immer anders

          Mit Takashi Murakami und Pharrell Williams haben sich zwei gefunden, die alle wichtigen Eigenschaften des kommerziellen Erfolgs erfüllen: Sie haben Talent als Feel-Good-Künstler wie als Unternehmer, sind Kenner ihrer Kundendaten mit der ganzen Reichweite des globalen Googleblicks – und Netzwerker. Das Album „Girl“ wirkt wie die Vereinigung vieler Pop-Sekten auf höchstem Niveau – mitgewirkt haben Justin Timberlake, Miley Cyrus oder Alicia Keys. Das Lied „Marilyn Monroe“ macht auf dem Album den Anfang, das R’n’B-Stück beginnt mit einem Streichakkord-Intro von der Violinistin Anne Marie Calhoun. Und Kelly Osbourne singt mit: „This one goes out to all the lovers / What can we do? / We’re helpless romantics / We can not help who we’re attracted to / So let’s all dance, and elevate each other.“

          Die Künstler schließen sich bei solchen Großereignissen wie Konzerne bei Fusionen zu immer mächtigeren Gruppen zusammen, verbinden ihre medienwirksamen Namen miteinander, um den möglichst größten Effekt zu erzielen. Die Vernetzung zählt. Auch das bedeutet Selbstbestimmung für ihn.

          Pharrell Williams glaubt von sich selbst, Feminist zu sein. Irgendwie zumindest, sagt er. Eigentlich gehe es ja nicht, er sei ja ein Mann. Wenn er am späten Abend mit Falsettstimme über die Bühne hüpft und seinen tanzenden Frauen in Jacken mit Damien-Hirst-Punkten bei ihrer Schüttelperformance „I am a hunter“ zuruft, taucht man am tiefsten in die Welt des kleinen Jungens mit Zaubertuch ein, der die Frauen bestaunt und gerne ein kleines bisschen so wäre wie sie: „Mädchen denken auch böse Dinge“, wispert er, als wäre das die Erklärung für alles, was er macht.

          Ein Musikblog hat sich die Mühe gemacht, Intros von Pharrell Williams zu vergleichen, und hat herausgefunden, dass sie stets mit dem identischen Trick beginnen, einem schnellen Vier-Schläge-Loop vom ersten Beat. Immer dasselbe, immer anders, immer happy.

          Tourneedaten im deutschsprachigen Raum

          16.09. Berlin, Max-Schmeling-Halle
          18.09. Wien, Marx Halle
          21.09. Zürich, Hallenstadion
          26.09. Frankfurt, Festhalle
          27.09. Düsseldorf, ISS Dome
          28.09. Stuttgart, Schleyer-Halle

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