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Phänomen „Shareconomy“ : Geteiltes Glück als gutes Geschäft

Teile deine Träume, fordert ein Slogan am Stand der Firma SAP: Auf der CeBIT 2013 war „Shareconomy“ ein großes Thema Bild: dapd

Im Netz ist das Teilen von Kleidern, Büchern und Wohnungen leicht geworden. „Shareconomy“ boomt und ruft allseits große Begeisterung hervor. Doch es geht auch um Profit.

          Es gibt Phänomene, die irgendwann offenbar jeder bejubelt. Die „Shareconomy“ ist so ein Phänomen. Evgeny Morozov stellte dazu unlängst in der „Financial Times“ ein interessantes Gedankenexperiment an: Er forderte seine Leser auf, sich vorzustellen, dass ihre kleine Buchhandlung gerade bankrottgegangen sei, weil sie gegen Amazon einfach keine Chance hatte. Doch es bestehe, so Morozov zynisch, kein Grund zur Sorge, das Silicon Valley sei Zerstörer und Tröster in einem - indem es dem Buchhändler gleich ein Anschlussgeschäft biete: „Sie können Ihre Wohnung vermieten, über Airbnb. Jeff Bezos, Amazon-Chef gewinnt so oder so: Er ist ein Investor von Airbnb.“

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Airbnb ist ein Zimmervermittlungsservice, der mehr als 350 000 Gästezimmer in 192 Ländern anbietet. Von Privatpersonen selbstverständlich, die die eingenommene Miete wohl nur in den seltensten Fällen versteuern und außerdem keine Sicherheitsauflagen erfüllen müssen, wie etwa Hotels. Konkurrenz machen sie diesen trotzdem. Damit greifen sie gravierend in den Wirtschaftskreislauf ein.

          Am Ende gewinnt immer Jeff Bezos: Website von Airbnb

          Ähnliche Beispiele gibt es unzählige, und jeden Tag kommen neue hinzu. In der Regel rufen sie unreflektierte Begeisterung hervor, als wären die Tauscherei und Teilerei weitere Geschenke des Internetzeitalters, als hätte die Secondhandidee von Ebay tatsächlich gegen das Neuwarengeschäft gesiegt. Nur: Das ist Unsinn. Der einfache Vorgang des Verleihens und Teilens galt einmal als Freundschaftsbeweis. Man vertraute einer anderen Person etwas an, das einem selbst am Herzen lag, ein Buch, ein Kleidungsstück, eine Schallplatte, was auch immer. Man freute sich über die Freude des anderen, erwartete aber, den verliehenen Gegenstand auch unbeschadet zurückzuerhalten.

          In einer Welt ständiger Verfügbarkeitsversprechungen sind Teilen und Tauschen in erster Linie ökonomisch motivierte Vorgänge, auch wenn davon selten die Rede ist, wenn es ums Sharing geht. Dessen Befürworter verschanzen sich lieber hinter dem umweltschonenden, weil ressourcenschützenden und sozialen Pseudoaspekt der Tausch- und Teilbewegung. Menschen vernetzen sich, rücken zusammen, teilen, anstatt zu besitzen, da sich teilen moralisch viel besser anfühlt. In diesem Jahr stand die Cebit passenderweise unter dem Leitgedanken „Shareconomy“.

          Das gute Gefühl

          Unbestritten bringt die Sharing-Kultur, an die wir uns durch das Internet gewöhnt haben, auf den ersten Blick ein paar Annehmlichkeiten mit sich. Nehmen wir zum Beispiel das sogenannte Carsharing. Das amerikanische Carsharing-Unternehmen Zipcar kam bei einer Umfrage im Februar dieses Jahres zu dem Ergebnis, dass eine Mehrheit der unter Fünfunddreißigjährigen lieber auf das Auto als auf das Smartphone verzichten würde. Auch hierzulande schauen einen Jugendliche irritiert an, wenn man ihnen erzählt, dass ein Auto einst als Statussymbol galt, für dessen Besitz viele Menschen bereit waren, auf vieles zu verzichten.

          Carsharing ist selbstverständlich nicht neu. Es ist nichts anderes als die kleinere, günstigere und smartphonefreundlichere Variante von Firmen wie Sixt oder Avis. Auch bei den großen Autovermietungsunternehmen teilen sich Menschen ein Auto mit anderen Menschen und bezahlen dafür. Bislang kam nur noch niemand auf die Idee, dieses Geschäftsmodell umweltfreundlich zu nennen.

          Wirft einen nüchternen Blick auf die Sharing-Kultur: Evgeny Morozov

          Betrachtet man die Sharing-Kultur also einmal fernab von dem Ressourcenschongerede und der ganzen „Wohlfühl-Utopie“, wie Morozov das nennt, dann kommt man ziemlich schnell zu dem Ergebnis, dass es sich um eine gigantische Bedürfnisbefriedigungsmaschine handelt. Der Einzelne ist innerhalb dieses Systems erst einmal auf seinen eigenen Vorteil bedacht, wogegen gar nichts einzuwenden ist. Er will Geld sparen oder Zeit oder beides. Manchmal will er sich auch einfach einen Wunsch erfüllen, der innerhalb seines finanziellen Spielraums bislang nicht vorgesehen war. So hat zum Beispiel das sogenannte „Gastfreundschaftsnetzwerk“ couchsurfing, mit dessen Hilfe sich Reisende auf der Couch fremder Leute niederlassen können, den Erlebnisradius vieler Menschen beträchtlich erweitert.

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