Home
http://www.faz.net/-gpc-794h7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Panama Zutritt für Folterknechte und Menschenschinder verboten

Eine ehemalige Militärakademie, in der Südamerikas Diktatoren ausgebildet wurden, ist nun ein Hotel - und ein Symbol für Panamas Zukunft.

© Sven Weniger Vergrößern Daiquiris statt Diktatoren: Mit den Militärschülern verschwand die kriegerische Aura, aber nicht die Erinnerung im heutigen Luxushotel.

Die Palmen über den Rasenflächen tuscheln im Wind. Der Park dahinter läuft flach zum See hinab. Es gibt einen romantischen Pavillon beim Bootsanleger und exotische Vögel, die unsichtbar irgendwo hoch oben in den Kronen der Tropenbäume keckern. Die Sonnenschirme am Pool sind noch blauer als der makellose Himmel. Ein Kellner serviert lautlos Cocktails. Hinter den Mauern in weichen Ockertönen entführen lange Gänge die Gäste des Hotels aus der Mittagshitze in die dämmrige Stille kolonialer Siesta. Das dunkle Mobiliar duftet nach Öl. Kann man einem Ort seine Vergangenheit ansehen? Und gibt es so etwas wie einen Hort des Bösen?

Sollte man diese Frage mit Ja beantworten, hätte der verschlafen wirkende Gebäudekomplex nahe Panamas Karibikküste gute Chancen, zu den Top Ten der Welt zu gehören. Denn das Meliá Panamá Canal, das heute von einer spanischen Hotelkette vermarktet wird, hatte einst eine ganz andere Bestimmung und auch einen ganz anderen Namen. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war es ein Krankenhaus, in dem Tausende Arbeiter wegen Malaria und schwerer Unfälle behandelt wurden, die während der Bauzeit des Kanals an der Tagesordnung waren.

Die Schule der Killer

Ab 1946 stand es dann als Fort Gulick unter Kontrolle der Vereinigten Staaten. Doch erst als Escuela de las Américas, „Schule der Amerikas“, erlangte die Militärakademie ihren zweifelhaften Ruf. Escuela de Asesinos, „Killerschule“, nannte die panamaische Tageszeitung „Prensa“ einmal die weitläufige Anlage nahe der Stadt Colón. Hier wurde das Drehbuch für die jüngere lateinamerikanische Geschichte geschrieben. Hier, in der von der Außenwelt abgeriegelten Sicherheitszone des Panamakanals, bildeten die Vereinigten Staaten Generäle, Geheimdienstler und Agenten aus, die den Hinterhof Amerikas nach dem Zweiten Weltkrieg vom Weltkommunismus freihalten sollten. Hier drückte fast vierzig Jahre lang die gesamte Elite mittel- und südamerikanischer Diktatoren und Folterer die Schulbank - von Argentiniens Machthaber Galtieri über Chiles Pinochet bis Panamas Drogenpräsident Noriega.

Damián Barceló war von Anfang an fasziniert von der abgeschiedenen Lage, der Grandezza des wie ein Landsitz wirkenden Areals, der Dekadenz des seit über zehn Jahren leerstehenden Haupthauses mit den rostroten Dachziegeln. „Nach der Militärinvasion der Vereinigsten Staaten 1989 wurde die Armee Panamas abgeschafft“, erklärt der 84 Jahre alte Mallorquiner, der sein halbes Leben in Panama verbracht hat. „Als ich die Anlage im Jahr 2000 übernahm, wusste niemand etwas mit ihr anzufangen.“

Ein Ort der Besinnung und des Friedens

Zu lange hatte das Land am Dollartropf der Amerikaner gehangen, die den Isthmus zwischen den beiden Amerikas kontrollierten. Unternehmerische Eigeninitiative der Einheimischen gab es kaum. Barceló kannte auch, im Gegensatz zu den meisten Menschen in der Region, die Geschichte der Militärschule. Einen Gegenentwurf zu ihrem früheren Zweck wollte das Mitglied einer spanischen Hoteliersdynastie aus der Escuela de las Américas machen. „Ich sah hier sofort die Chance, aus einem Trainingscamp für Unterdrücker einen Ort der Besinnung, der Entspannung, des Friedens zu schaffen“, sagt Barceló. Sicher erkannte er auch das touristische Potential, denn das Meliá Panamá Canal liegt einzigartig.

Der Lago Gatún, in den die Halbinsel mit der Hotelanlage hineinragt, ist die Quelle des Panamakanals. Ein Stausee eigentlich, angelegt von den Amerikanern, die das Projekt des Franzosen Ferdinand de Lesseps übernommen hatten. Der Lago Gatún nimmt die starken Regenfälle in Panamas Binnenland über den Río Chagres auf und spült sie dann in beide Weltmeere. Kuriosum und ökologischer Segen gleichermaßen; denn obwohl der Panamakanal zwei Ozeane verbindet, fließt in ihm nur das Süßwasser aus dem Gatún-See. Eine Vermischung der seit Jahrmillionen getrennten Meeresbiotope von Pazifik und Atlantik über Wasser und Schiffsverkehr des Kanals, das verheerende Folgen für beide Ökosysteme haben könnte, wird so vermieden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Ferne Parlamentsarmee

Von Berthold Kohler

Im Bundestag soll es eine Sondersitzung zu den Waffenlieferungen an die Kurden im Irak geben. Den Parteien geht es dabei auch um ihren eigenen Frieden. Ein Kommentar. Mehr 25 23

Gin-Verkostung „Es geht alles, solange es niemanden umbringt“

Gin ist gerade sehr populär, ob mit Zitrone oder Gurke, Tonic oder Ginger Ale. Zuletzt hat der Wacholderschnaps eine regelrechte Geschmacksrevolution erlebt, sagt Hendrick’s-Brennmeisterin Lesley Gracie. Eine Verkostung. Mehr Von Peter Badenhop 6