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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Hunderttausend Texte weniger

27.05.2009 ·  Der Online-Auftritt des ZDF schrumpft um rund achtzig Prozent. Mit dem Löschen von exakt 93.500 Dokumenten reagiert der öffentlich-rechtliche Sender auf die Regelungen des neuen Rundfunkstaatsvertrag. Bei der ARD dürfte es wohl um ein Vielfaches mehr sein.

Von Michael Hanfeld
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Am 1. Juni tritt der neue Rundfunkstaatsvertrag in Kraft, er beschreibt unter anderem, was ARD und ZDF im Internet anbieten dürfen. Dass die Online-Datenbanken nicht uferlos seien, darauf hatten unter anderem die Verlegerverbände gedrungen. Die öffentlich-rechtlichen Sender reagieren nun zum Stichtag 1. Juni.

Die ARD tut dies auf zweierlei Weise: Die Rundfunkräte des SR und des HR haben schnell noch das Online-Angebot des Kinderkanals durchgewunken, gleichzeitig reduziert die ARD ihr Gesamtangebot. Der Umfang der geplanten Reduzierung, sagte der ARD-Sprecher Harald Dietz auf Anfrage, solle den Rundfunkräten noch vor Pfingsten mitgeteilt werden. Beim ZDF gibt es dazu schon offizielle Zahlen: Um exakt 93.500 Dokumente oder rund achtzig Prozent schrumpft der Online-Auftritt einem internen Vermerk zufolge, aus dem der Fachdienst epd Medien zitiert. Das meiste davon sind Texte. So verschwinden in den kommenden Monaten bei heute.de 28.000 Text-Dokumente, bei zdf.de sind es 46.800 Dokumente, in dem Portal sport.zdf.de 18.700 Text-Dokumente.

Dreistufentest nach Vorbild der BBC

Damit, sagte der ZDF-Sprecher Alexander Stock, trage man den Bestimmungen des neuen Rundfunkstaatsvertrages Rechnung, und zwar schon im Vorgriff. Dem Gesetz zufolge könne der Online-Bestand bis Ende 2010 bleiben - so lange haben die Fernsehräte des ZDF Zeit, das Bestehende wie auch neue Angebote dem Dreistufentest zu unterziehen, mit dem die Zulässigkeit der Angebote vom 1. Juni an bestimmt wird. Der Test folgt einem Vorbild der BBC, mit dem Unterschied, dass ein unabhängiges Gremium die britische Anstalt prüft, bei den deutschen Sendern machen das die eigenen Gremien - die ARD-Rundfunkräte, der Fernsehrat des ZDF.

Die ARD-Sender haben dafür einen umfangreichen Apparat aufgebaut. Im Augenblick werden Gutachter gesucht - da gibt es reichlich Gebührengeld zu verdienen. Dabei wird es vornehmlich darum gehen, den publizistischen Wert der Online-Dienste zu beschreiben, weniger um die Frage des Wettbewerbs. Erste Probeläufe haben gezeigt, dass das Argument, ein öffentlich-rechtliches Angebot könne ein unabhängiges Portal verdrängen, nicht viel zählt. Dass es ARD und ZDF versagt sein soll, im Internet „elektronische Presse“ anzubieten, mit diesem Ansinnen sind die Verleger bei der Gesetzesberatung der Länder gescheitert.

Künftig kürzerer Verbleib von Videos

Darauf wirft die Reduzierungsliste des ZDF nun ein Schlaglicht, denn bei den 93.500 Dokumenten, die wegfallen, handelt es sich meist um Texte. Dazu zählen allein 4000 Kochrezepte, die Hubert Burda, Präsident des Verbandes der deutschen Zeitschriftenverleger, beispielhaft kritisiert hatte, um darzulegen, wie weit die Öffentlich-Rechtlichen auf das Terrain der Verlage vorgedrungen sind. Von 4000 Rezepten will das ZDF drei Viertel streichen, tausend bleiben im Netz.

Damit sind die Filme, die das ZDF in seiner Mediathek vorhält, noch nicht genannt. Dort sollen rund 4000 Videos aus dem Angebot entfallen, das sind 8,5 Prozent des Bestands, 6500 Bilderserien (71 Prozent des Bestands) und 450 „interaktive Module“. Bislang haben Filme und Filmbeiträge im Internet, wie das ZDF auf Anfrage sagte, eine Verweildauer von im Schnitt dreizehn Monaten, diese soll auf drei Monate reduziert werden. Künftig sollen - neue - Angebote in der Regel für sieben Tage im Netz stehen, doch sind Ausnahmen möglich. Sein sogenanntes „Telemedienkonzept“, in dem all diese Punkte beschrieben werden, will das ZDF in der kommenden Woche online stellen. Die ARD legt ihren Rundfunkräten elf verschiedene Konzepte zum Online-Bestand vor, unter anderem zu ARD.de, tagesschau.de, börse.de und kika.de. Erscheint der Text-Bestand des ZDF schon als durchaus umfangreich, dürfte er bei der ARD noch um ein Vielfaches größer sein.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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