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An Lüneburger Schule : NDR hält an Geschichte über verschobenes Weihnachtsfest fest

Der Lüneburger Weihnachtsmarkt an der St. Johanniskirche Bild: dpa

Hat eine Schule wegen der Kritik einer muslimischen Schülerin die verpflichtende Weihnachtsfeier abgesagt? Der NDR bleibt bei dieser Version. Spannender findet die Journalistin einen anderen Aspekt der Geschichte.

          Die Leiterin des NDR-Studios Lüneburg, Regine Schramm, steht zu der Darstellung ihrer Redaktion, dass die verpflichtende Weihnachtsfeier am Gymnasium Johanneum in Lüneburg in diesem Jahr wegen der Kritik einer muslimischen Schülerin gestrichen wurde. Schulleiter Friedrich Suhr hatte zu diesem Bericht am Dienstag eine Richtigstellung verschickt, in der es hieß, dass die Feier für die Mittelstufe in diesem Jahr aufgrund eines Personalwechsels im Kollegium ausgefallen sei. Der NDR stellt es dagegen nach wie vor so dar: Im vergangenen Jahr habe sich eine muslimische Schülerin beschwert, weil die im Unterricht gesungenen christlichen Lieder nicht mit ihrem Glauben vereinbar seien. Daraufhin habe die Schulleitung das Kollegium gebeten, mit dem Thema sensibel umzugehen. In der Religionsfachkonferenz sei als Reaktion darauf entschieden worden, statt der verpflichtenden Feier während des Unterrichts eine freiwillige Feier am Nachmittag anzubieten.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          „Der Direktor hatte uns diesen Sachverhalt in einem kurzen Telefonat am Freitag bestätigt“, sagte Schramm im Gespräch mit FAZ.NET. Von einem Personalwechsel als Grund für die Absage der Feier während des Unterrichts sei keine Rede gewesen. „Leider hat Herr Suhr uns einen Interviewtermin am Montag abgesagt.“ Sie sei aus allen Wolken gefallen, als er dann am Dienstag die Richtigstellung verschickt habe, ohne vorher mit dem NDR zu sprechen. In der Mitteilung hieß es: „Die Behauptung, eine verpflichtende Weihnachtsfeier des Johanneums sei abgesagt bzw. auf den Nachmittag verlegt worden, weil sich eine muslimische Schülerin beschwert habe, ist unzutreffend.“ Schramm sagte dazu: „Wir haben dann sofort angerufen und gefragt, wann der Direktor vor die Kamera treten will. Wir hätten noch einige Fragen gehabt. Leider wollte er bis jetzt kein Interview geben.“ Auf eine Anfrage von FAZ.NET schickte der Direktor die Pressemitteilung und verwies für weitere Fragen an die Niedersächsische Landesschulbehörde.

          Dort heißt es, dass es im Ermessen der Schulen liege, ob eine Weihnachtsfeier verpflichtend während der Unterrichtszeit oder freiwillig außerhalb der Unterrichtszeit stattfinde. „Der Charakter einer Weihnachtsfeier sollte einem maßvollen Umgang mit glaubensbezogenen Inhalten entsprechen, sofern sie verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler stattfinden soll“, teilte eine Sprecherin mit. Schulen seien gehalten, religiöse Inhalte zu vermitteln, ohne sie zu bewerten. „Zu einer gelingenden Integration gehört auch das Kennenlernen der Kultur des Gast- oder aufnehmenden Landes. Dazu bietet die Vorweihnachtszeit mit ihren Bräuchen (und ihrem Liedgut) eine gute Gelegenheit.“

          Für die NDR-Journalistin war das Verschieben der Feier auch gar nicht das interessante Thema – „das fand ich eher umsichtig“. Sie habe die große Empörung über diesen Vorgang stutzig gemacht. Nachdem die Lokalzeitung in Lüneburg über die Absage der Weihnachtsfeier im Unterricht berichtet habe, seien viele wütende Leserbriefe veröffentlicht worden. Unter anderem Schülervertreter hätten sich darüber beschwert, dass hier eine jahrhundertealte Tradition aufgegeben werde. „Und das haben uns die Schüler dann auch in die Kamera gesagt und uns den Vorgang so bestätigt.“ Mittlerweile seien die Schülervertreter aber selbst schockiert darüber, dass AfD-Chef Alexander Gauland den Vorgang als „freiwillige Unterwerfung gegenüber dem Islam“ bezeichnet hat.

          Laut „Focus Online“ wurden Elternvertreter, die eine Weihnachtsfeier auf freiwilliger Basis am Nachmittag eine „gangbare Lösung“ genannt hatten, massiv angefeindet. „Seit die lokalen Medien erstmals vor zwei Wochen darüber berichtet haben, stehen unsere Telefone nicht mehr still. Wir werden von einer Welle von Hassmails und wütenden Leserbriefen regelrecht zugeschüttet. Darunter befinden sich auch massive Drohungen gegen Schulleitung und Elternrat“, sagte ein Mitglied des Schulelternrats anonym. Alle persönlichen Angaben über die Mitglieder des Schulelternrats seien von der Internetseite der Schule genommen worden.

          Die Schülervertreter waren am Nachmittag nicht zu erreichen. Auf ihre Initiative hin findet am Mittwoch erstmalig ein Weihnachtsmarkt vor dem Weihnachtskonzert am Nachmittag statt. Die Teilnahme ist freiwillig.

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