Spanien hat sich als viertes europäisches Land bereit erklärt, Teile des Raketenabwehrsystems zu beherbergen, das die Nato in Europa aufbaut. Ministerpräsident Zapatero teilte in Brüssel mit, dass in Rota vier amerikanische Zerstörer stationiert werden, die über das sogenannte Aegis-System zum Abfangen gegnerischer Raketen verfügen. Zapatero sagte, Spanien sei wegen seiner geostrategischen Lage ausgewählt worden, insbesondere wegen des Zugangs zum Mittelmeer.
Die andalusische Hafenstadt Rota liegt am Atlantik, ist aber zugleich nicht weit von der Straße nach Gibraltar entfernt, die ins Mittelmeer führt. Damit biete der Stationierungsort einen schnellen Zugang zu beiden Meeren, sagten Diplomaten. Die amerikanische Marine betreibt in Rota bereits einen Stützpunkt. Die Nato hatte im vergangenen Jahr beschlossen, eine Raketenabwehr zum Schutz des Bündnisgebietes aufzubauen. Sie wird aus see- und landgestützten Abfangsystemen bestehen und soll bis 2018 fertig sein. Eine erste Einsatzfähigkeit will das Bündnis bis zu einem Gipfeltreffen im Mai nächsten Jahres in Chicago erreichen.
Zuvor hatten schon Polen, Rumänien und die Türkei ihre Beteiligung an dem System bekanntgemacht. In Polen und Rumänien werden landgestützte amerikanische Abfangraketen stationiert, in der Türkei ein Radargerät. Die Raketenabwehr der Nato richtet sich primär gegen potentielle Bedrohungen aus Nahost, insbesondere Iran. Die Allianz hat Russland eine Zusammenarbeit angeboten, die bisher aber noch nicht zustandegekommen ist. Moskau fürchtet, dass das System seine nukleare Schlagfähigkeit vermindern könnte.
Der amerikanische Verteidigungsminister Panetta sagte, die vier Zerstörer würden sich auch an anderen maritimen Einsätzen der Nato beteiligen. Ihre Entsendung zeige, dass Amerika trotz wachsender Haushaltsnöte weiter in das Bündnis investiere und dem Ziel verpflichtet bleibe, allen europäischen Völkern Schutz vor ballistischen Raketen zu bieten. Zapatero sagte, durch die nötigen Umbauten in Rota entstünden etwa tausend neue Arbeitsplätze; außerdem könne eine nahegelegene Werft profitieren, weil die Amerikaner daran dächten, die Schiffe dort warten zu lassen.
