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Veröffentlicht: 14.06.2016, 16:04 Uhr

Nach dem Anschlag Wieso das Massaker von Orlando so tödlich verlief

Orlando war das schlimmste Massaker eines einzelnen Täters in der amerikanischen Geschichte. Wieso die Tat so viele Opfer forderte, erklären zwei Fachleute im Gespräch mit FAZ.NET.

von Aziza Kasumov
© Reuters 49 Tote, 53 Verletzte: Es ist das schlimmste Massaker in der amerikanischen Geschichte. Nicht nur in Orlando trauerten die Menschen am Montag.

Für Omar Mateen war es die Nacht seines Lebens. Er kürte sich selbst zum Herren über Leben und Tod, er informierte während der Tat die Polizei eigens über seine Greueltaten, er redete dann ganz „cool und ruhig“ mit den Beamten aus der Toilette des Schwulenclubs „Pulse“ heraus, in der er sich mit einigen Geiseln verschanzt hatte.

Sein Name wird in die Geschichte eingehen, als derjenige, der in einer Nacht in der amerikanischen Disneyland-Stadt Orlando auf mehr als 100 fröhlich tanzende Menschen schießt. Als jemand, der wie die IS-Mörder von Paris und Brüssel die Welt in Schock versetzt.

Die Nachrichtensendungen und Zeitungen sind voller Fotos, auf denen er selbstverliebt das Handy in der Hand hält und sich im Badezimmerspiegel fotografiert. Er ist derjenige, der für das tödlichste Massaker mit Schusswaffen in der amerikanischen Geschichte verantwortlich ist. Er ist mit einem Schlag berühmt.

„Attentäter, die für sich selbst oder ihre Sache Aufmerksamkeit gewinnen wollen, töten in der Regel mehr Menschen“, sagt Adam Lankford, Professor an der Universität von Alabama. Lankford hat „mass shootings“ über Jahre studiert und ein Buch darüber geschrieben. „Mass shootings“, das sind laut Definition der amerikanischen Bundespolizei FBI Schießereien, bei denen vier oder mehr Menschen getroffen – nicht unbedingt getötet – werden.

Das dritt-schlimmste Massaker der Welt

Das Massaker von Orlando fällt mit seinen 49 Todesopfern und 53 Verletzten nicht nur in diese Kategorie, es führt die Liste der mit Schusswaffen verübten Massaker in Amerika an. Weltweit sei es laut Lankford das dritt-tödlichste „mass shooting“ gewesen. Davor kommen nur das Massaker 2011 in Norwegen, bei dem der rechtsextreme Anders Breivik 69 zumeist junge Menschen in einem Sommercamp tötete, und die Tat eines Polizisten, der 1982 in Südkorea 56 Menschen erschoss.

Der Attentäter von Orlando, Omar Mateen, fällt laut Lankford damit klar in die Kategorie des aufmerksamkeitsbesessenen Schützen.

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Ein Nachtclub, in dem laut Zeugenberichten etwa 350 Leute auf engem Raum dicht aneinander zu lauter Musik tanzen, ist für einen Schützen mit dem Ziel, so viel Schaden wie möglich anzurichten, ein gefundenes Fressen. „Er wählte einen Club an einem Wochenende, und setzte dann sogar den Notruf ab, um soviel Aufmerksamkeit wie möglich zu bekommen“, sagt Lankford. „Das sind nicht die Handlungen von jemandem, der sich umbringen möchte. Das sind die Handlungen von jemandem, der eine Nachricht übermitteln möchte.“ Die hat Mateen auch: Gegen Toleranz und für die Terrormiliz „Islamischer Staat“, zu deren Führer al-Bagdadi er sich am Telefon während der Tat bekannte.

Der Täter: Produkt seiner Eltern

„Er ist in einem Haushalt aufgewachsen, in dem sein Vater Aufmerksamkeit klar priorisiert hat“, sagt Lankford. In der Tat scheut Seddique Mateen, der Vater des Todesschützen, die Öffentlichkeit nicht. Er hat eine eigene TV-Sendung, die auf einem afghanisch-amerikanischen Sender ausgestrahlt wird und die er dazu noch auf YouTube hochlädt. Darin macht er wirren Polit-Talk auf Dari, einer Sprache, die in Afghanistan gesprochen wird, dem Herkunftsland der Eltern des Täters.

Auch nachdem die Taten seinen Sohnes bekannt wurden, erklärte der Mateen Senior noch am selben Tag im Fernsehen, dass ihm das Massaker leid tue. Auf Facebook äußert er sich in Videos vor der afghanischen Flagge zu den Gerüchten um die sexuelle Orientierung Omars. „Bis zu einem gewissen Grad ist jeder Produkt seiner Eltern,“ sagt Lankford.

Aber ein Massaker ist kein rein psychologisches Gedankenspiel, bei dem man von dem Wunsch nach Aufmerksamkeit direkt auf die Zahl der Opfer schließen kann. Andere Faktoren kommen hinzu, wie die isolierte Planung des Täters, die Verfügbarkeit von Waffen und letztendlich auch die Reaktion der Polizei.

„Minuten machen den Unterschied aus“

Die Polizisten hatten im Fall von Orlando drei Stunden gebraucht, um das Gebäude vollständig zu stürmen und den Schützen zu erschießen. „Es ist nicht unüblich, dass sich Geiselsituationen über lange Zeit ausdehnen,“ sagt Lankford. Das Problem: Je länger die Polizei wartet, desto mehr der Menschen, die noch im Gebäude sind und dringend medizinische Versorgung brauchen, sterben. Bei dem Amoklauf an der Colombine High School im Jahr 1999 seien genau aus diesem Grund mehrere Menschen ums Leben gekommen. „Minuten machen hier den Unterschied aus“, sagt Lankford. Dazu hat der Schütze Zeit, weitere Menschen zu töten.

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