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Mit Kindern in Cornwall Gartenlust und Geisterhorden

Vom Glück in Gummistiefeln: Cornwall besitzt einige der schönsten Gärten Europas. Doch erfreuen die auch Kinder? Ein Selbstversuch mit ungewissem Ausgang.

© Stefanie Bisping Vergrößern Ist der echt? Das Kind wundert sich über den schlafenden Riesen im Heligan-Garten.

Unbarmherzig schüttet es vom Himmel. Ob der Regen wohl irgendwann aufhört? „Nicht heute“, sagt die Dame im Besucherzentrum. Doch es sei gar nicht so schlimm, wie es sich auf dem flachen Dach des Gebäudes anhöre, tröstet sie. Also stapfen wir los. Schnell sind wir durchweicht. Das Kind geht klaglos weiter. Die Wildnis aus umgestürzten Bäumen und Fluten wilder Glockenblumen, durch die der alte Kutschweg der Familie Tremayne führt, entfaltet gerade bei diesem Wetter ihren Zauber. Denn kein Mensch ist zu sehen, dabei zählen die „Lost Gardens of Heligan“ zu den meistgeliebten Grünflächen Englands. Am Wegrand entdecken wir überdimensionierte Skulpturen, die das cornische Bildhauer-Paar Sue und Pete Hill aus der Natur gestaltet hat: Ein riesiger Kopf mit Haaren aus grünen Blättern, moosbewachsener Nase und lustigen Augen wächst aus dem Boden, „the mud maid“, die Jungfrau im Morast, liegt friedlich auf der Seite. Und dann die „graue Dame“. Lange stehen wir vor ihr, ohne sie zu erkennen, weil ihre filigrane, mehrere Meter hohe Silhouette sich geisterhaft im Grün der Umgebung auflöst. Schließlich entdeckt sie unser sechsjähriger Sohn mit kindlichem Scharfblick. Inspiriert wurde sie durch zahlreiche Berichte über eine mysteriöse graue Gestalt, die gelegentlich das Herrenhaus verlassen soll und dann im Park verschwindet.

In der Wildnis solchen Erscheinungen zu begegnen, findet das Kind so faszinierend, dass es aus Versehen viel weiter läuft, als es jemals vorhatte. Und die Geschichte vom Garten, der überwuchert und fast vergessen war, bevor er mir detektivischen Mitteln wieder zum Leben erweckt wurde, ist so spannend, dass es sie in den nächsten Tagen immer wieder hören möchte. Vielleicht liegt es an dem geheimnisvollen Bild der Holztür, die in einen überwucherten Garten führt und die Tim Smit, der Entdecker Heligans, einem Ritter gleich mit morastverschmiertem Gummistiefelfuß eintrat. Dieses Bild ziert den Flyer, der für den Garten wirbt und den wir schon am Vortag bei unserem Besuch des Eden Project gesehen haben. In einer fünfzig Meter tiefen, stillgelegten Kaolingrube vereint es bei St. Austell unter einer Reihe riesiger Kuppeln die Pflanzen mehrerer Klimazonen und den größten Regenwald der Welt - in Gefangenschaft. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Rauschen des Regens und das Blöken von Schafen sich hier mühelos mit dem Murmeln von Geistern aus vergangener Zeit mischt.

Ein riesiger Abenteuerspielplatz

Cornwall ist verzaubertes Land, verwunschen, weltenfern, zeitlos. Bis heute ist es nicht leicht zu erreichen: Flugverbindungen sind rar, die Anreise per Fähre ist mühsam, Eisenbahn und Auto brauchen gute fünf Stunden von der Hauptstadt bis in die südwestlichste Ecke der Insel. Moorlandschaft, sandige Buchten, Küstenpfade und alte Burgen machen Cornwall zu einem Abenteuerspielplatz, der schon für die Schriftstellerin Virginia Woolf Kulisse prägender Kindheitsferien war. Die prachtvollen Gärten, die sich dem milden, feuchten Klima und mineralreichen Böden verdanken, zählen zu den Hauptattraktionen des Inselwestens. Dass sie von generationenübergreifendem Interesse sind, bezweifelt hier, wo schon die Kleinsten in Gummistiefel gesteckt werden, um Parks und Gärten zu erkunden, niemand.

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