http://www.faz.net/-gpc-78bb3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.04.2013, 12:45 Uhr

Missgunst in Regierungskreisen Madonna muss Kritik aus Malawi einstecken

Die Sängerin Madonna setzt sich seit Jahren für Kinder in Malawi ein und hat dort zwei Kinder adoptiert. Die Regierung des afrikanischen Landes wirft ihr vor, „ewige Dankbarkeit“ zu erwarten.

© AP Die Sängerin Madonna bei ihrem jüngsten Besuch in Malawi.

Ungeachtet ihres Engagements in Malawi ist Madonna im Heimatland ihrer Adoptivkinder nicht mehr hochwillkommen. Erstmals entzog die Regierung von Präsidentin Joyce Banda der 54 Jahre alten Popsängerin den Prominenten-Status. Nur weil Madonna zwei Kinder aus Malawi adoptiert habe und dort in Schulen investiere, erwarte sie „ewige Dankbarkeit“, kritisierte Bandas Regierung am Mittwoch. Vertraute der Sängerin vermuten hinter den Angriffen Rache von Frau Bandas Schwester Anjimile Oponyo: Die heutige Staatssekretärin im Bildungsministerium war vor zwei Jahren von Madonna als Leiterin eines Schulprojekts gefeuert worden.

Madonna war Anfang April in Begleitung ihrer beiden Adoptivkinder David Banda und Mercy James in das südostafrikanische Land gereist, um von ihr finanzierte Schulen zu besuchen. Erstmals durften sie und ihre Entourage nicht in den gesonderten Flughafen-Bereich für Prominente, sondern wurden wie normale Passagiere behandelt. Schon vorher musste Madonna Kritik von Bildungsministerin Eunice Kazembe einstecken, die ihr vorwarf, ihre Rolle als Wohltäterin zu übertreiben.

Madonna: Die Vorwürfe seien „lächerlich“

Die Sängerin engagiert sich seit längerem in Malawi, unter anderem spendete sie über ihre Stiftung „Raising Malawi“ mehrere Millionen Dollar für die Betreuung von Waisenkindern. Im Dezember teilte sie mit, dass ihre Stiftung zehn Schulen in Malawi gebaut habe und mit ihrer Hilfe 4871 Kinder unterrichtet werden könnten. Frau Kazembe dementierte umgehend: „Raising Malawi“ habe lediglich zehn bereits bestehenden Schulen jeweils ein weiteres Klassenzimmer hinzugefügt. In der Erklärung der Regierung wurde die Kritik nun bekräftigt: Madonna solle wenigstens „soviel Anstand haben, die Wahrheit zu sagen“.

Der amerikanische Popstar widersprach den Vorwürfen heftig und nannte sie „lächerlich“. „Ich bin betrübt, das Malawis Präsidentin sich entschieden hat, Lügen darüber zu verbreiten, was wir erreicht haben, über meine Absichten und wie ich mich persönlich während meines Besuchs in Malawi verhalten habe“, zitierte die britische Nachrichtenagentur PA eine Stellungnahme Madonnas. Sie werde an ihrem Engagement für die Kinder in Malawi festhalten.

Die Regierung weist Vorwürfe zurück

Madonnas Umfeld vermutet Anjimile Oponyo, die Schwester der seit einem Jahr amtierenden Präsidentin, hinter der Kampagne. Sie war Leiterin eines Schulprojekts der Sängerin, das vor zwei Jahren wegen Missmanagements komplett eingestellt wurde. Ursprünglich wollte Madonna für 15 Millionen Dollar eine Schule für 500 Mädchen bauen, 2010 legte ihre Stiftung dafür den Grundstein in dem kleinen Dorf Chinkhota. Rund ein Jahr später wurde das Projekt nach Klagen von insgesamt acht gefeuerten Angestellten gegen Madonnas Stiftung wieder abgeblasen; 3,8 Millionen Dollar waren da bereits in den Sand gesetzt.

Zu den Entlassenen gehörte auch Frau Oponyo, sie hat ebenfalls Klage gegen die Stiftung eingereicht. „Madonna ist Malawis größte Wohltäterin, und es erstaunt uns etwas, dass die Präsidentin ihr Amt für die finanziellen Interessen ihrer Schwester einsetzt“, erklärte Madonnas Manager Trevor Neilson. Er bekräftigte, die Stiftung werde ihre Arbeit fortsetzen. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück.

Malawi gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Von den 13 Millionen Einwohnern leben knapp 40 Prozent von weniger als einem Dollar pro Tag.

Quelle: AFP/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Stiftung Warentest Zwei von 26 Autokindersitzen fallen durch

Eltern müssen sich keine Sorgen machen: Die meisten Kindersitze sind laut einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest sicher. Nur zwei konnten die Tester nicht überzeugen. Mehr

24.05.2016, 11:11 Uhr | Finanzen
Pjöngjang Bizarrer Fabrikbesuch in Nordkorea

Am Rande des siebten Kongresses der Arbeiterpartei hat Nordkoreas Regierung eine Tour für ausländische Journalisten in eine Vorzeige-Seidenfabrik in Pjöngjang organisiert. Dort gibt es dankbare Arbeiter und fröhliche Kinder im fabrikeigenen Kindergarten zu sehen – und einen Aschenbecher, in den einst Kim Jong-il geascht hatte. Mehr

11.05.2016, 16:11 Uhr | Politik
Hessen 158 Kinder zwischen Kassel und Odenwald vermisst

Erst im April hat der Fall eines in Nordhessen vermissten Flüchtlingskinds für Schlagzeilen gesorgt. Mehr als 150 andere Kinder gelten derzeit in Hessen auch als vermisst. Mehr

25.05.2016, 11:52 Uhr | Rhein-Main
Aids-Gala Ferien mit Leonardo DiCaprio in Cannes versteigert

Am Rande des Filmfestivals von Cannes findet alljährlich die Aids-Gala einer amerikanischen Hilfsorganisation statt - ein Magnet für die schönen und reichen Stars der Branche. Denn um die Kassen der Aids-Stiftung AmfAR zu füllen, werden unter anderem Ferien mit Leonardo DiCaprio, eine Skulptur von Damien Hirst, Fotos von Andy Warhol und ein Ferrari versteigert. Mehr

20.05.2016, 17:29 Uhr | Feuilleton
Weitere Nachrichten Amerikas Börsenaufsicht prüft Hypothekengeschäfte der Deutschen Bank

Die Börsenaufsicht SEC prüft Hypothekengeschäfte der Deutschen Bank. Zudem werden die Libor-Klagen gegen diese und andere Banken abermals verhandelt. Mehr

24.05.2016, 06:41 Uhr | Wirtschaft

Integration als Pflicht, Einwanderung als Wunsch

Von Markus Wehner

Das Integrationsgesetz ist für Menschen gedacht, die wir aufgenommen, aber die wir uns nicht ausgesucht haben. Das ist auch der Unterschied zu einem Einwanderungsgesetz. Mehr 10

Mobiler Alleskönner Ein Radio mit Nebenjobs

Der Alleskönner Multiplay 8 verspricht viel: Radio, Videoplayer, Wecker und Smarthome-Steuerzentrale. Doch kann das multimediale Taschenmesser auch in sämtlichen Bereichen wirklich überzeugen? Mehr Von Wolfgang Tunze 0

Masterplan fürs Älterwerden Herbert Grönemeyer will 96 Jahre alt werden

Herbert Grönemeyer glaubt, man entscheidet selbst, wie alt man wird, Paul McCartney bekennt, wer ihn vor vielen Jahren rettete, und Bill Cosby muss am Dienstag vor Gericht erscheinen – der Smalltalk. Mehr 13

Hochbetten für Kinder Schlafen, toben, Höhlen bauen

Das Hochbett hat die deutschen Kinderzimmer erobert. Manche Schlafstätten avancieren zum Abenteuerspielplatz. Doch ungefährlich ist das nicht. Mehr Von Anne-Christin Sievers 1