Von Thomas Schmitt
Hans-Jürgen Straub redete am Mittwoch lange über seine X-Fab. Als "eine Ehre und Verpflichtung" empfinde er es, dieses Jahr als erster in Deutschland den Gang an die Börse zu wagen. "Das war nicht unser Ziel", sagte er vor rund 100 Finanzprofis im Hause der Frankfurter Börse. "Das hat sich so ergeben."
Ob Straub ahnte, was er sich damit aufgeladen hat? Die Investoren wünschten sich einen blitzsauberen Musterkandidaten. Doch den konnte Straub nicht präsentieren. Er verwirrte seine Zuhörer mehr, als daß er sie aufklärte. Er legte weder einen Verkaufsprospekt vor noch die Bilanz für 2003. Er vernebelte die vielfältigen Beziehungen zwischen seinem Hauptaktionär Elex, seinem Hauptkunden Melexis und X-Fab. Wie er den Emissionserlös investieren will, blieb unklar. Wohin sich Umsatz und Gewinn entwickeln könnten, ebenfalls. Die versammelte Frankfurter Finanzgemeinde war so enttäuscht, daß der Börsengang von X-Fab anschließend fast überall zerrissen wurde. Das böse Wort vom "X-Flop" machte die Runde.
Besonders wenig sagte Straub über jene Zahl, die Anleger in erster Linie interessiert: den Preis. Zwischen 10 bis 14 Euro werden die Aktien von X-Fab Anlegern angeboten. Der endgültige Ausgabekurs wird sich dabei nach Angebot und Nachfrage richten. Doch was nach Mitsprache der Anleger aussieht, ist es tatsächlich nicht. Denn die Spanne haben die beteiligten Banken vorab festgelegt. Nach Ansicht vieler Finanzprofis ist diese aber viel zu hoch. Warum?
Da X-Fab in den vergangenen drei Jahren keinen Gewinn gemacht hat, bleibt als Orientierungsgröße für die Aktien nur der Umsatz. Die Erfurter setzten 2001 und 2002 etwa 104 Millionen Euro um, 2003 waren es knapp 112 Millionen Euro. Ein vorsichtiger Anleger würde mit einer ähnlich hohen Summe als Börsenwert kalkulieren. Er könnte dabei beispielsweise auf das wesentlich größere Unternehmen Epcos verweisen, das an der Börse so bewertet wird. Andere Finanzprofis halten das Anderthalbfache bis Zweifache des Umsatzes noch für angemessen. Auch dafür finden sich im Tec-Dax, dem Index für Technologieaktien, zahlreiche Beispiele wie Singulus oder Elmos Semiconductor. Nur wenige Technologieaktien notieren mit dem Vierfachen des Umsatzes oder mehr. Web.de, Aixtron und T-Online gehören dazu.
Genau in diesen Regionen siedeln die Konsortialbanken den Wert von X-Fab an. Nach dem Börsengang sollen 30,625 Millionen Aktien umlaufen. Multipliziert mit der Angebotsspanne von 10 bis 14 Euro, bedeutete dies einen Börsenwert zwischen 306 und 428 Millionen Euro. Gemessen an der Bewertung von Epcos, sollten die Aktien dagegen besser für 3,5 Euro ausgegeben werden, verglichen mit dem Schnitt im Tec-Dax, wären fünf bis sieben Euro fair, wenn auch nicht günstig aus Anlegersicht. Angesichts dessen verwundert es nicht, wenn immer mehr Profis privaten Anlegern empfehlen: bloß nicht zeichnen.
