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„Maskenmann“-Prozess : Lebenslange Haft für Kindermörder Martin N.

Martin N. muss lebenslang ins Gefängnis Bild: dpa

Der Kindermörder Martin N. ist knapp 20 Jahre nach seiner ersten Tat in Stade zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ob er jemals wieder freikommt, ist ungewiss.

          Das Landgericht Stade hat am Montag Martin N. wegen Mordes an drei Jungen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Es handele sich um besonders verwerfliche Taten, sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp. So stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Auch ordnete es die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haft an. So ist es nicht möglich, die Reststrafe nach fünfzehn Jahren auf Bewährung auszusetzen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ein Gutachter hatte dem 41 Jahre alten Martin N. anhaltende Gefährlichkeit attestiert. Er sei wegen einer pädophilen Störung stark rückfallgefährdet. Die meisten der ihm zur Last gelegten Taten hatte Martin N. während des Prozesses gestanden. Den ersten Jungen, den dreizehnjährigen Stefan J., hatte der Pädagoge 1992 aus einem Internat nahe Scheeßel in Niedersachsen entführt, missbraucht und erwürgt. 1995 entführte er aus einem Zeltlager am Selker Noor nahe Schleswig den neunjährigen Dennis R. Er fuhr mit dem Kind nach Dänemark in ein zuvor gemietetes Ferienhaus. Nach ein paar Tagen brachte er ihn um. Sechs Jahre später, im September 2001, drang N. nachts durch ein Fenster in das Schullandheim Wulsbüttel nahe Bremen ein. In einem Mehrbettzimmer holte er den neunjährigen Dennis K. aus seinem Bett und zwang ihn, mit ihm in den Aufenthaltsraum zu gehen. Als der Junge sagte, er wolle seiner Lehrerin alles erzählen, erwürgte er ihn noch in dem Raum. Der Leichnam des Kindes wurde später von Pilzesammlern in einem Waldstück gefunden.

          Mord aus Angst vor Entdeckung

          Er habe die Jungen aus Angst vor Entdeckung getötet, hieß es in der Urteilsbegründung. Er habe gefürchtet, dass seine Neigungen auffliegen würden. „Insbesondere fürchtete er die Ächtung von seiner Mutter“, sagte der Vorsitzende Richter. „Diese Aufdeckung wollte er mit allen Mitteln verhindern.“ Über die Morde hinaus hatte die Staatsanwaltschaft Martin N. Dutzende Missbrauchstaten zur Last gelegt. N. war in den vergangenen zwanzig Jahren im Umkreis von Bremen immer wieder - oft mit einer Sturmhaube über dem Kopf und schwarz gekleidet - nachts in Schullandheime, Zeltlager, Jugendherbergen und Wohnhäuser gestiegen, um dort kleine Jungen zu missbrauchen. Auch am helllichten Tage hatte er an Haustüren geklingelt und auf Zufallsopfer gehofft.

          Der Täter soll drei Jungen ermordet und zahlreiche sexuell missbraucht haben

          Etwa 40 dieser Taten hatte er nach seiner Festnahme im April 2011 gestanden, 20 der Taten kamen zur Anklage. N. arbeitete als Betreuer auf Jugend- und Sportfreizeiten. Seit dem Mord von 2001 suchte die Polizei nach einem Serientäter. Die Fallanalytiker der Polizei vermuteten, dass N. sich mit Jugendeinrichtungen sehr gut auskennen musste, da er dort so oft ohne Spuren zu hinterlassen seine Taten verüben konnte. So war es auch ein ehemaliges Missbrauchsopfer, dass die Polizei schließlich im vergangenen Jahr auf sein Spur brachte. Als im Februar 2011 neue Details zu einem der Mordfälle bekannt wurden, meldete sich ein junger Mann, der sich daran erinnerte, vor sechzehn Jahren in seinem Elternhaus Opfer geworden zu sein. Er erinnerte sich auch an einen Betreuer einer Jugendfreizeit, der ihn genau nach seiner Adresse gefragt hatte - Martin N.

          Chronolgie des Prozesses

          Der Kindermörder Martin N. stieg nachts in Häuser, Zeltlager und Ferienheime ein, um Jungen zu missbrauchen. In drei Fällen tötete er seine Opfer: 1992 entführte er den 13-jährigen Stefan aus einem Internat im Kreis Rotenburg (Niedersachsen). 1995 holte er den achtjährigen Dennis R. aus einem Zeltlager in Schleswig-Holstein. Den neunjährigen Dennis K. brachte er 2001 nachts aus einem Schullandheim im Kreis Cuxhaven fort. Im April vergangenen Jahres konnten die Fahnder den Serientäter schließlich schnappen. Eine Chronologie des Prozesses:

          - 10. Februar 2011: Fast zehn Jahre nach dem Tod von Dennis gibt es neue Hinweise zu den drei Morden. Die Polizei wendet sich bei einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit.
          - 13. April: In Hamburg nehmen Ermittler einen Verdächtigen fest.
          - 14. April: Der aus Bremen stammende Pädagoge Martin N. gesteht die drei Morde.
          - 15. Juli: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Martin N. wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs in 20 Fällen.
          - 10. Oktober: Der Prozess vor dem Landgericht Stade beginnt.
          - 26. Oktober: Martin N. gesteht vor Gericht drei Morde und einige Missbrauchsfälle.
          - 9. Januar 2012: Ein psychiatrischer Gutachter stuft Martin N. als rückfallgefährdet ein.
          - 25. Januar: Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe sowie Sicherungsverwahrung für den Angeklagten.
          - 13. Februar: Auch die Nebenkläger plädieren für lebenslange Haft und bis auf eine Anwältin für Sicherungsverwahrung.
          - 15. Februar: Die Verteidigung fordert ebenfalls lebenslange Haft, hält Sicherungsverwahrung aber nicht für nötig.
          - 27. Februar: Die Richter verurteilen Martin N. wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs zu lebenslanger Haft. Außerdem muss er im Anschluss in Sicherungsverwahrung bleiben. (dpa)

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