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Türkei-Referendum : OSZE kritisiert Erdogans Umgang mit Manipulationsvorwürfen

  • Aktualisiert am

Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Istanbul Bild: AFP

Die türkische Regierung zeigt sich laut OSZE bei der Aufklärung möglicher Manipulationen des Verfassungsreferendums nicht kooperativ. Luxemburgs Außenminister hält einen EU-Beitritt der Türkei mit der neuen Verfassung für unmöglich.

          Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisiert eine fehlende Bereitschaft der türkischen Regierung zur Klärung von Manipulationsvorwürfen beim Verfassungsreferendum. „Von einer Kooperation kann leider keine Rede sein“, sagte Michael Georg Link, Direktor des OSZE-Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

          Das von Präsident Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem hatte nach vorläufigen Ergebnissen der Volksabstimmung vom Sonntag mit 51,4 Prozent nur eine knappe Zustimmung erhalten. Die Opposition kritisiert vor allem die Entscheidung der Wahlkommission, auch nicht von ihr gestempelte und verifizierte Stimmzettel als gültig zu werten. „Fest steht, dass die kurzfristige Entscheidung der Wahlkommission, falsch oder gar nicht gestempelte Wahlzettel als gültig zu werten, ein Verstoß gegen türkisches Recht darstellt“, sagte Link dazu. Der oberste Wahlbeobachter der OSZE wies Anschuldigungen aus Ankara zurück, Vertreter seiner Behörde seien bei der Beobachtung der Abstimmung voreingenommen gewesen.

          Türkei : Erdogan von Kritik der Wahlbeobachter unbeeindruckt

          Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sprach sich für ein selbstbewusstes Auftreten der EU gegenüber Erdogan aus. „Ein Beitritt der Türkei zur EU ist mit der neuen Verfassung und diesem Autokraten nicht möglich“, sagte Asselborn der „Süddeutschen Zeitung“ vom Mittwoch. Allerdings liege der Erweiterungsprozess derzeit ohnehin faktisch auf Eis. Der Moment, ihn offiziell auszusetzen oder zu beenden, sei aber noch nicht gekommen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel bot der Regierung in Ankara Gespräche über die weitere Zusammenarbeit an. „Unsere Hoffnung ist, dass wir nach diesem schwierigen Wahlkampf und nach den großen Auseinandersetzungen auch neue Gesprächskanäle zur Türkei eröffnen können“, sagte er bei einem Besuch im Golfemirat Kuwait.

          Gabriel wies die Forderung der deutschen Opposition nach einem Abzug der Bundeswehr aus der Türkei zurück. „Ich glaube auch nicht, dass das irgendeinen Eindruck in der Türkei macht“, sagte der SPD-Politiker. Die Bundeswehr beteiligt sich vom türkischen Incirlik aus mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen und einem Tankflugzeug an den Luftangriffen gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und im Irak. Auf der Luftwaffenbasis Incirlik sind etwa 260 deutsche Soldaten stationiert.

          Die Spitzenkandidaten der Linkspartei und der Grünen, Sahra Wagenknecht und Cem Özdemir, hatten nach dem Sieg des türkischen Präsidenten Erdogan beim Verfassungsreferendum einen Abzug der Bundeswehr gefordert. Gabriel sagte dazu: „Das Abziehen der Bundeswehr dort würde erstmal unseren eigenen Sicherheitsinteressen widersprechen.“ Es gebe daher auch keine Debatte in der Bundesregierung darüber.

          In mehreren Städten der Türkei protestierten am Dienstagabend abermals Tausende gegen den Ausgang des Referendums. Die Demonstranten versammelten sich unter anderem in der Metropole Istanbul, der Hauptstadt Ankara, dem westtürkischen Izmir und dem zentraltürkischen Eskisehir. Im Istanbuler Stadtteil Besiktas skandierten die Demonstranten unter anderem „Dieb, Mörder, Erdogan“. Das mit dem Referendum angenommene neue Präsidialsystem verleiht dem Staatsoberhaupt deutlich mehr Macht, die Umsetzung erfolgt allerdings schrittweise. Vorerst bleiben der Ministerpräsident und die Regierung im Amt. Erst nach Wahlen, die für November 2019 geplant sind, wird der Präsident sowohl Staats- als auch Regierungschef. Die Opposition befürchtet eine Ein-Mann-Herrschaft.

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          Quelle: dpa

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          Der Fußballer, der bei einem kurdischen Fußballverein unter Vertrag steht, hatte sich in der Vergangenheit kritisch über den türkischen Präsidenten Erdogan geäußert. Mögliche Tatmotive sind noch nicht bekannt.

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