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Mandelas Gefängnisaufseher „Ich habe ihn nie wirklich verzweifelt erlebt“

Christo Brand war zwölf Jahre lang der Gefängnisaufseher Nelson Mandelas - und wurde so zum engsten Vertrauten von Südafrikas späterem Präsidenten. Ein Gespräch über Vertrauen, Wanzen in der Zelle und einen Mann, der die Hoffnung nie aufgegeben hat.

© AFP Nelson Mandela und Bill Clinton in Mandelas ehemaliger Gefängniszelle auf Robben Island im Jahr 1998

Erinnern Sie sich noch an den Tag, an dem Sie Nelson Mandela das erste Mal begegnet sind?

Das war der erste reguläre Arbeitstag in meinem Leben. Es war 1978 und ich war gerade mal 18 Jahre alt, als ich meinen Dienst auf Robben Island antrat. Die kleine Insel liegt unweit von Kapstadt in einer kleinen Bucht im Atlantik, so dass es für die Häftlinge, die damals auf der Gefängnisinsel inhaftiert waren, unmöglich war zu fliehen.

Als ich gemeinsam mit anderen jungen Kollegen von der Fähre stieg, empfing uns der kommandierende Anstaltsleiter und klärte uns auf, dass wir es hier mit den größten Verbrechern und Staatsfeinden in der Geschichte Südafrikas zu tun hätten. Er sagte, die meisten von ihnen würden nichts anderes als die Todesstrafe verdienen. Als ich dann Mandela und einigen seiner Mithäftlinge das erste Mal gegenüberstand, hatte ich Mühe, mir vorzustellen, dass diese Männer wirklich so gefährlich sein sollten.

Welchen Eindruck hat Mandela bei dieser ersten Begegnung auf Sie gemacht?

Den gleichen, den die Leute auch später, nach seiner Freilassung, von ihm bekommen haben. Er wirkte vor allem sehr besonnen. Und er war höflich. Im Zellentrakt B, wo die politischen Schwerverbrecher saßen, führte uns der Anstaltsleiter von Zelle zu Zelle, um uns die einzelnen Insassen vorzustellen. Keiner der Häftlinge reagierte, die meisten blieben einfach auf ihren Pritschen liegen. Nur einer kam an die Gitterstäbe, stellte sich vor und fragte auf Afrikaans: „Wie ist Ihr Name?“ Das war Mandela.

War Ihnen umgekehrt der Name Mandela zu diesem Zeitpunkt schon ein Begriff?

Nein. Ich kam aus einer einfachen Bauernfamilie, in unserer Gemeinde wurde nie viel über Politik gesprochen. Von Mandela hatte ich bis dahin noch nie gehört.

Wie haben Sie auf dessen Zugewandtheit reagiert?

Zunächst einmal gar nicht. Es war die Zeit der Apartheid und dort, wo ich als weißer Landarbeitersohn aufgewachsen bin, galten die schwarzen Anhänger des Nationalen Widerstands, zu denen ja auch Mandela gehörte und die das System umstürzen wollten, als Feinde. Mandela wurde als Terrorist verurteilt, und so haben wir ihn anfangs auch behandelt.

Können Sie seine Zelle noch beschreiben?

Die Zelle war nicht mehr als ein kleines Loch, vielleicht vier Quadratmeter groß. In den ersten zwei Jahren meiner Dienstzeit war das Fenster zugemauert. Es war sehr dunkel in der Zelle, und persönliche Gegenstände waren verboten. Was ich noch gut vor Augen habe, ist, wie Mandelas Füße immer ein Stück weit über seine Pritsche auf den Steinboden hinausragten, weil er ja ziemlich groß war.

Nelson Mandela © dpa Vergrößern Die undatierte Aufnahme zeigt Nelson Mandela vor seiner Verhaftung im Jahr 1962

Wie sah der Haftalltag für ihn aus?

Die Führer und Anhänger der ANC-Bewegung sollten in den ersten Jahren so weit wie möglich von den anderen Häftlingen im Gefängnis isoliert werden. Das bedeutete, dass sie nur selten ihre Zelle verlassen durften. Jeden Morgen um sieben habe ich Mandelas Zelle aufgeschlossen und ihm das Essen gebracht. Danach musste er, wie alle anderen Insassen auch, selbst seine Zelle säubern und die Wasch- und Toilettenkanister leeren.

Danach stand meist schwere Arbeit im Steinbruch auf dem Programm. Gegen Mittag und später am Nachmittag hatte er immer je eine Stunde Hofgang. Die meisten Häftlinge spielten in dieser Zeit Tischtennis miteinander, aber Mandela hatte eher wenig Interesse daran. Er verbrachte jede Minute seines Freigangs in dem kleinen Gefängnisgarten, wo er Gemüse anbaute. Immer, wenn er in dem Garten sein konnte, war er zufrieden. Manchmal sprach er sogar mit ihm.

Hatten Sie jemals den Eindruck, er könnte an der Haft zerbrechen?

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