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Mali Islamisten und Tuareg kesseln Timbuktu ein

Im Norden Malis haben Aufständische Timbuktu angegriffen. Timbuktu ist einer der letzten Orte im Norden, die noch von Regierungstruppen kontrolliert werden. Die Ecowas versetzte eine 2000 Soldaten umfassende Eingreiftruppe in Alarmbereitschaft.

© dpa Vergrößern Vor dem Sturm: Tuareg-Kämpfer nahe der Stadt Kidal am 21. Oktober 2011

Im westafrikanischen Mali sind rund zehn Tage nach dem Militärputsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré Tuareg-Rebellen und Islamisten auf dem Vormarsch. Trotz verschiedener Appelle der Putschisten, einem Waffenstillstand zuzustimmen, hat die Tuareg-Rebellengruppe „Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad“ (MNLA) ihre Angriffe in Norden Malis verstärkt und zusammen mit den Islamisten einer Gruppe namens „Ançar Dine“ (Verteidiger des Islam) nach der Stadt Kidal, die am Donnerstag erobert worden war, am Samstag auch Gao eingenommen. Gao ist der Sitz des Oberkommandos der malischen Streitkräfte für die gesamte Nordregion. Am Sonntag waren die Tuareg und die Islamisten auf dem Vormarsch auf Timbuktu, der letzten von der malischen Armee gehaltenen Stadt im Norden.

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Am Nachmittag wurde gemeldet, Timbuktu sei eingekesselt und der Stützpunkt der Armee liege unter schwerem Feuer. Augenzeugen berichteten dieser Zeitung telefonisch aus Timbuktu, die regulären Soldaten seien geflohen. Von den der Junta ergebenen arabischen Milizen der Bérabish, die Timbuktu verteidigen sollen, sei auch nichts mehr zu sehen. Der Führer der Putschisten, Hauptmann Amadou Sanogo, kündigte angesichts der dramatischen Entwicklungen am Sonntag an, die Verfassung sowie alle Institutionen wiedereinzusetzen. Ein konkretes Datum nannte er aber nicht.

Mit dem Fall Timbuktus droht eine Zweiteilung Malis. Die MNLA gibt vor, für ein „freies“ Azawad zu kämpfen. Diese Region umfasst das Dreieck zwischen Timbuktu und Gao im Süden, der Grenze Nigers im Osten, der Algeriens im Norden und der Mauretaniens im Westen. Die Rolle von Ançar Dine ist weniger klar. Mutmaßlich aber steht diese Gruppe unter der Kontrolle von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim). Die Dschihadisten haben im Norden Malis ihre Rückzugsgebiete und arbeiten seit geraumer Zeit punktuell mit verschiedenen Tuareg-Sippen zusammen, unter anderem beim Transport von südamerikanischem Kokain durch die Sahara. Der Putsch gegen Touré am 22. Februar war mit dessen lascher Haltung gegenüber dem islamischen Terror im Norden begründet worden.

Seit dem Putsch aber scheint der Widerstand der malischen Armee komplett zusammengebrochen zu sein. Viele Generäle waren von den Putschisten festgesetzt worden. Andere wollen sich nicht mit dem Umsturz gemein machen und haben aus Protest ihre Posten verlassen.

Infografik / Karte / Tuaregs stoppen ihren Vormarsch in Mali © F.A.Z. Vergrößern Tuaregs stoppen ihren Vormarsch in Mali

Die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) hat eigenen Angaben zufolge eine 2000 Soldaten umfassende schnelle Eingreiftruppe in Alarmbereitschaft gesetzt. „Wir werden alles tun, um die territoriale Integrität Malis zu verteidigen“, sagte der ivorische Präsident Alassane Ouattara, der gegenwärtig den Vorsitz der Ecowas innehat. Obwohl die Junta in den vergangenen Tagen mehrfach um ausländische Militärhilfe gebeten hatte, war am Sonntag noch unklar, ob die Putschisten einer Entsendung ausländischer Truppen bereits zugestimmt haben. Diese westafrikanische Eingreiftruppe mit Nigeria als größtem Truppensteller ist allerdings für den Lufttransport auf französische beziehungsweise amerikanische Militärflugzeuge angewiesen. Insbesondere die Präsenz französischer Soldaten ist in Mali indes nicht gerne gesehen. Frankreich unterhält in Abidjan im Nachbarland Elfenbeinküste einen Militärstützpunkt mir knapp tausend Soldaten. Hinzu kommt eine Staffel Kampfflugzeuge in Tschad.

Gespräche in Burkina Faso

Die Ankündigung von Putschführer Sanogo, die Verfassung wiedereinzusetzen, muss als Kapitulation der Militärs gewertet werden. Nachdem Ecowas am vergangenen Donnerstag mit der Schließung aller Landgrenzen nach Mali gedroht hatte, sollte die verfassungsmäßige Ordnung nicht wiederhergestellt werden, war am Samstag eine Delegation der Militärjunta zu Verhandlungen mit dem burkinischen Präsidenten Blaise Compaoré nach Ouagadougou gereist. Dabei hatten die Malier abermals betont, die Macht „so schnell wie möglich“ an eine zivile Regierung zurückgeben zu wollen. Nach Worten des burkinischen Außenministers Djibrill Bassolé wäre den Forderungen der Ecowas schon Genüge getan, wenn die Putschisten bis zu Neuwahlen den malischen Parlamentspräsidenten Dioncounda Traoré als Interimspräsidenten einsetzen würden. Ursprünglich sollten am 29. April Wahlen in Mali abgehalten werden.

Die großen Geländegewinne der Tuareg-Rebellen und der Islamisten sind indes nicht nur der unorganisierten malischen Armee, sondern vor allem der ungewöhnlich umfangreichen Bewaffnung der Rebellen geschuldet. Der harte Kern dieser Rebellengruppe setzt sich aus Söldnern zusammen, die einst in der regulären libyschen Armee Dienst versahen. Ihr Anführer, Mohamed Ag Najem, bekleidete den Rang eines Obersts. Nach Gaddafis Tod setzte sich diese Tuareg unter Mitnahme beeindruckender Waffenarsenale bis hin zu Kampfpanzern, die aus dem Militärstützpunkt von Bani Walid in Libyen stammen, in ihr Herkunftsland Mali ab, wo sie mit den Terroristen von Aqim eine taktische Zusammenarbeit vereinbarten. Mehr als 200.000 Menschen sind inzwischen vor den Kämpfen geflohen. Über die Zahl der Todesopfer liegen keine verlässlichen Angaben vor, weil das umkämpfte Gebiet nicht mehr zugänglich ist. Insbesondere Ançar Dine verweigert internationalen Hilfsorganisationen jeden Zugang zu den von der Gruppe kontrollierten Regionen, in denen die Scharia eingeführt werden soll. Dem Norden Malis drohen Zustände wie in Stammesgebieten Wasiristans, die Rückzugsorte radikaler Islamisten sind.

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Quelle: F.A.Z.

 
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