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Mainz und die Fastnacht Der Irrsinn hat Methode

 ·  Wie schafft es Mainz, das halbe Jahr über närrisch zu sein, ohne sich zum Narren zu machen? Das Geheimnis liegt tief verborgen im Seelengrund der Stadt.

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© Pilar, Daniel Vergrößern Selbst der Teufel ist in Mainz ein Narr und braucht manchmal eine Pause vom tollen Treiben.

Mainzer Dom, Mainzer Altstadt, Gutenberg und Mainz, Mainzelmännchen, Mainzer Fastnacht - nein, Määnzer Fassenacht, so heißt das. Määnz: schon der mundartliche Name klingt kurios. Er geht störrisch von der Zunge und klingt doch wie ein besitzanzeigendes Fürwort, das etwas zu heftig ans Herz gedrückt wurde. Ja, die Mainzer haben ein inniges Verhältnis zu ihrer Stadt, und es ist kein Zufall, dass der Autoaufkleber „Mainz ist meins“ das ganze Jahr über im Schwange ist und überhaupt nichts mit irgendeinem Fest oder gar einer Partei zu tun hat.

Dabei ist Mainz eine Alltagsfrau. Es lebt sich mit ihr recht problemlos. Sie ist nicht gerade aufregend, aber auch nicht besonders anstrengend. Sie fordert nicht andauernd heraus, sie will nicht ständig wissen, dass sie die Schönste und Begehrenswerteste ist und wie sehr man sie liebt. Das ist ihr nicht so wichtig, da macht sie nicht so große Worte, sie bleibt ziemlich selbstbewusst. Vielleicht spürt sie sogar, was man auch selbst ein bisschen zu wissen glaubt: Irgendwie fühle ich mich ganz wohl bei ihr.

Lokalpatriotismus als Lebenselixier

Drüben auf der anderen Rheinseite klingt das ganz anders. Wiesbaden, Wies-ba-den. Das tönt wie eine Dreiklanghupe und scheint andauernd zu rufen: Weißt du überhaupt, wen du vor dir hast? Schon die deutschen Kaiser und russischen Zaren haben mich besucht, mich, Kurstadt, Flaniermeile, Park- und Promenadendomizil. Mit mehr als zwanzig Thermalquellen habe ich den Geld- und den echten Adel Europas aufgepäppelt. Vergiss, wo du herkommst (vor allem, wenn du von der anderen Rheinseite stammst), und lass bloß nicht den schönen Respekt beiseite. Lokalpatriotismus ist den Wiesbadenern ein Fremdwort - den Mainzern ist es ein Lebenselixier, und der echte Mainzer fragt gelangweilt den Nachbarn von der andern Rheinseite, wo Wiesbaden sich eigentlich herumsuhlte, als Mainz schon das nach Wien bedeutendste Zentrum des Römischen Reiches Deutscher Nation war.

Was ihn nicht daran hindert, bei Gelegenheit auch etwas Spott über den Nachbarn auszugießen. Selbst ein schlechtgelaunter Mainzer, heißt es dann, kommt den essiggurkenhaften Wiesbadenern noch wie ein vergnügter Irrwisch vor. Stoßseufzend und mit dem Finger über den Fluss deutend wird mitgeteilt: Aus einer Seniorenresidenz kann mer keine Jugendherberge machen, auch wenn mer die Gesichter noch so liftet.

Frieden schließen mit seltsamen Blechstangen

Mainz gibt sich bei allem Patriotismus bescheiden und genügsam, und so ist es auch. Wo Wiesbaden seine eher schmalbrüstige Vergangenheit an jeder Ecke prächtig ausstellt, da gibt sich Mainz eher tumb und unbeholfen. Man bindet die beachtliche Tradition nicht jedem auf die Nase, und wo man es doch tut, da wirkt es eher komisch.

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08.02.2013, 07:40 Uhr

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