Home
http://www.faz.net/-gpc-78d5z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Magnizkij-Affäre Russland verhängt Sanktionen gegen Amerikaner

Unmittelbar nach den erweiterten amerikanischen Sanktionen gegen russische Funktionäre zieht Moskau in der Magnizkij-Affäre nach. Russland legt eine „Schwarze Liste“ mit Einreiseverboten für 18 Amerikaner vor.

Der Tod eines russischen Anwalts in einem Moskauer Untersuchungsgefängnis hat zu einem „Krieg der Listen“ und einer Verstimmung in den russisch-amerikanischen Beziehungen geführt. Russland verhängte am Samstag Einreiseverbote gegen 18 amerikanische Bürger, nachdem die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen 18 russische Beamte erlassen hatten.

Die „schwarze Liste“ mit russischen Funktionären, die am Tod des Anwalts Sergej Magnitskij schuld sein sollen, sei eine „Einmischung in innere Angelegenheiten“, teilte das Außenamt in Moskau mit. „Der Krieg der Listen ist nicht unsere Wahl, aber offene Erpressung können wir nicht ignorieren“, sagte Sprecher Alexander Lukaschewitsch.

Russland verhänge Sanktionen unter anderem gegen amerikanische Bürger, die „am Foltern von Häftlingen“ im Gefangenenlager Guantánamo beteiligt seien oder die Rechte von Russen verletzt hätten, betonte er. Man bedaure das „absurde“ amerikanische Gesetz, das „unter dem Druck russophober amerikanischer Kongressabgeordneter“ zustande gekommen sei, sagte Lukaschewitsch.

Umstrittenes Adoptionsverbot

Heftige Kritik kam auch vom Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Alexej Puschkow. Der unter Präsident Barack Obama begonnene „Neustart“ in den russisch-amerikanischen Beziehungen sei nun „begraben“, teilte Puschkow per Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Wir wollen keinen politischen Krieg, aber wir werden reagieren“, unterstrich der Abgeordnete.

Als Antwort auf den „Magnitsky Act“ hatte Moskau bereits unter anderem ein umstrittenes Adoptionsverbot für amerikanische Familien beschlossen. An diesem Montag wird Obamas Nationaler Sicherheitsberater Thomas Donilon in Moskau erwartet. Ob er wie gewünscht Kremlchef Wladimir Putin einen persönlichen Brief des amerikanische Präsidenten übergeben kann, war offen. Das hänge „von Putins Zeitplan ab“, hieß es im Kreml.

Die vom Finanzministerium in Washington am Vortag veröffentlichte Liste führt russische Amtsträger auf, die unter den sogenannten „Magnitsky Act“ fallen. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, das Obama im Dezember unterschrieben hatte. Es geht zurück auf den 2009 in einem Gefängnis angeblich zu Tode geprügelten Anwalt Magnitskij. Die Vereinigten Staaten werfen Russland in dem Fall grobe Menschenrechtsverstöße vor.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktion des Westens Reichen Sanktionen noch aus?

Russische Truppen sind nach Angaben der Nato in die Ostukraine eingedrungen. Wie kann Putin gestoppt werden? Der deutsche Russlandbeauftragte Erler zweifelt am Sinn weiterer Sanktionen. Mehr

29.08.2014, 05:30 Uhr | Politik
Neue Sanktionen Russland erwägt Importverbot für Autos

Der Sanktions-Wettlauf zwischen dem Westen und Russland geht weiter: Nun denkt der Kreml über ein Einfuhrverbot für Autos aus westlichen Ländern nach. Mehr

18.08.2014, 08:53 Uhr | Wirtschaft
Ukraine-Konflikt Putins maßlose Drohung

„Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen“ soll der russische Präsident gesagt haben. Das Vorhaben, das er mit diesen Worten verfolgte, könnte nach hinten losgehen.  Mehr

01.09.2014, 17:46 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.04.2013, 11:43 Uhr

Die Geister von 1939

Von Berthold Kohler

Danzig ist zu einem weiteren Symbol für die Erfolge des europäischen Einigungsprozesses in Frieden und Freiheit geworden. Seit Gaucks Rede steht die Westerplatte aber auch für die Wehrhaftigkeit des freien Europas. Mehr 18

Schönheitschirurg Ivo Pitanguy Der Meister und die Schönen

Nirgends legen sich mehr Menschen fürs Aussehen unters Messer als in Brasilien. Und keiner hat mehr Erfahrung als Schönheitschirurg Ivo Pitanguy. Annäherung an eine Legende in Zahlen, Namen und Geschichten. Mehr Von David Klaubert, Rio de Janeiro 2 8

Deutsche Großtädte Wo es sich gut arbeiten lässt

Wo lässt es sich nicht nur gut leben, sondern auch Karriere machen? Eine Jobbörse hat das untersucht. Das Ergebnis: Ostdeutsche Städte holen auf, mancher Klassiker büßt an Beliebtheit ein. Mehr 2

Hondas neue Prototypen Ein Roboter will Butler werden

Asimo hat er noch einen weiten Weg vor sich. Dennoch hat der Roboter seit der ersten Konstruktion einiges dazugelernt. Honda zeigt nun neue Prototypen, darunter auch einen rollenden Hocker. Mehr Von Lukas Will 3

Alec Baldwin Das ging zu weit

Alec Baldwin ruft die Polizei auf den Plan, Hollywoodstar George Clooney lässt seine Rückenschmerzen in der Klinik in Solingen behandeln und Brangelina heiraten heimlich – der Smalltalk. Mehr 18