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Veröffentlicht: 04.06.2014, 15:29 Uhr

Machtkampf in Libyen General Haftar überlebt Anschlag

Mitten im blutigen Machtkampf in Libyen hat der abtrünnige General Chalifa Haftar nahe Benghasi ein Attentat überlebt. Drei seiner Milizionäre wurden getötet. Haftars Einheiten kämpfen in der ostlibyschen Stadt gegen islamistische Milizen.

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© REUTERS Der abtrünnige libysche General Chalifa Haftar: Kampf gegen Islamisten

Der abtrünnige libysche General Chalifa Haftar hat am Mittwoch ein Attentat überlebt. Ein Selbstmordattentäter brachte einen mit Sprengstoff beladenen Wagen in der Nähe eines Hauses zur Explosion, in dem sich der Führer der Libyschen Nationalen Armee aufgehalten haben soll. Drei seiner Milizionäre wurden bei dem Anschlag am Stadtrand von Benghasi getötet. Die „Operation Würde“ seiner Einheiten gegen islamistische Milizen in der  ostlibyschen Stadt gerät damit ins Stocken.

Auch der Versuch des lange von den Vereinigten Staaten unterstützten Militärs, von Anschlägen und Instabilität frustrierte Libyer hinter sich zu scharen, erleidet mit dem Anschlag einen Rückschlag.  Der nach Jahrzehnten im amerikanischen Exil 2011 nach Libyen zurückgekehrte Haftar hatte vor drei Wochen in Benghasi Stützpunkte der revolutionären 17.-Februar-Brigaden und der Dschihadistengruppe Ansar al Scharia angegriffen.

Umstritten wegen CIA-Kontakten

Einflussreiche Stammesführer, Armeeeinheiten und Offiziere aus Luftwaffe und Marine schlossen sich dem Kampf des wegen seiner mutmaßlichen  Kontakte zum amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA umstrittenen Offiziers an. In Tripolis unterstützten Brigaden aus dem südöstlich der Hauptstadt  gelegenem Ort Zintan Haftar Mitte Mai beim Angriff auf das Übergangsparlament, den Allgemeinen Nationalrat (GNC). GNC-Abgeordnete werfen dem 71 Jahren alten Militär und seinen Verbündeten einen  Putsch gegen die wichtigste gewählte Institution des Landes vor. Der abtrünnige  General hingegen gibt vor, Libyen von der Muslimbruderschaft säubern zu wollen.

Kämpfe nahe Benghasi © REUTERS Vergrößern Seit Wochen liefern sich Matigs Truppen und militante Islamisten heftige Kämpfe nahe Benghasi

Islamisten dominieren das Übergangsparlament in Tripolis, könnten bei  der Wahl in drei Wochen ihre Mehrheit aber an antiislamistische Kräfte  verlieren. Der Konflikt zwischen Haftar und dem GNC verläuft jedoch nicht  entlang religiöser Linien: Regional verankerte Gruppen und alte  Armeeangehörige, die nach der Revolution gegen Muammar al Gaddafi an Einfluss  verloren haben, versprechen sich von seinem Aufstand gegen das Parlament in Tripolis eine Aufhebung des politischen Isolationsgesetzes.

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Dieses verwehrt Funktionsträgern des alten Regimes Verwaltungsposten. Erschwert wird eine friedliche Lösung des von Haftar angezettelten Machtkampfes  durch die Selbstblockade der schwachen staatlichen Institutionen.

So erkennt  der Interimsregierungschef Abdullah al Thinni die Wahl seines Nachfolgers Ahmad Maitig durch das Parlament im Mai nicht an. Unter dem Schutz von Kämpfern des  mächtigen Zentralen Libyen-Schildes hielt Maitig - ein Geschäftsmann aus der  Rebellenhochburg Misrata - Anfang der Woche seine erste Kabinettssitzung ab.

Gefolgsleute Maitigs machen al Thinni für die Kämpfe in Benghasi  verantwortlich, wo seit Beginn von Haftars „Operation Würde“ mehr als neunzig  Menschen getötet wurden. Al Thinni warnte am Dienstag, dass das Beharren auf  einer Parallelregierung eine „Spirale der Gewalt“ auslösen könne. Eine am  Donnerstag erwartete Entscheidung des Verfassungsgerichts über die Rechtmäßigkeit der Wahl Maitigs dürfte die Krise weiter verschärfen.

Ministerpräsidenten-Büro mit Panzerfaust beschossen

Unterdessen haben Unbekannte das Büro Maitigs mit einer Panzerfaust beschossen. Dieser sei zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in seinem Amtssitz gewesen, sagte einer seiner Berater am Mittwoch. Es sei niemand verletzt worden. Das Geschoss sei in einer Küche der Etage eingeschlagen, wo sich auch das Büro Maitigs befinde.

Maitig war im vergangenen Monat in einer chaotischen Abstimmung vom Parlament zum Regierungschef gewählt worden. Einige Abgeordnete stellen die Rechtmäßigkeit der Wahl aber infrage. Maitiks Vorgänger Abdullah al-Thinni weigerte sich, die Macht abzugeben, bis die Legitimität der Wahl bestätigt sei. Am Montagabend rückte Maitik mit einer Polizei-Eskorte in das Büro des Ministerpräsidenten ein.

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