Home
http://www.faz.net/-gpc-78wnj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Luxuswohnungen Höchstpreis für das Beste vom Besten

Luxuswohnungen sind begehrt. Die Furcht vor der Inflation treibt die Nachfrage. Für Liebhaberobjekte zahlen Käufer Spitzenpreise.

© Archiv Vergrößern Ausreißer: Für die im Frankfurter Ensemble Maintor geplanten Wohnungen haben Käufer bis zu 11.000 Euro je Quadratmeter gezahlt.

Schon gehört? Neulich in Berlin. Der Freund eines Bekannten hatte eine Wohnung in einem ehemaligen Industriegebäude. Die Wohnung war nicht luxuriös, das Objekt aber durchaus besonders und die Lage angesagt. Ein Russe soll von der Idee so angetan gewesen sein, sich genau dort einzukaufen, dass er dem Eigentümer einen irren Preis bot. Nur so. Aus Liebhaberei.

Birgit Ochs Folgen:      

Seit gut drei Jahren kursieren ständig Geschichten dieser Art. Meistens spielen sie in Berlin. Mal erzählen sie von reichen Russen, Kasachen oder Arabern. Mal sind es polyglotte New Yorker, coole Israelis oder hippe Dänen, etwas seltener spießige Schwaben, die sich auf dem ohnehin heißen deutschen Wohnungsmarkt in Düsseldorf, Hamburg, München oder Frankfurt, vor allem aber in der Hauptstadt mit dem sprichwörtlichen Koffer voller Geld auf die Jagd nach ganz besonderen Wohnimmobilien machen - und dabei die allgemeine Preisralley antreiben.

Kein Beitrag zur Entspannung am Wohnungsmarkt

Gleich drei Botschaften stecken in Erzählungen dieser Art: Erstens ist das Interesse an hiesigen Wohnungen und Villen in den Top-Großstädten ungebrochen. Zweitens führt die hohe Nachfrage vermögender Klientel aus dem In- und Ausland zum Bau immer neuer Luxuswohnungen, beziehungsweise zur Umwandlung von Altbauten in solche. Und drittens findet sich scheinbar immer ein Käufer, der bereit ist, jeden Preis zu zahlen. Entsprechend reagieren die Zuhörer. Bei den einen mischt sich Wut mit Verzweiflung, weil in vielen Stadtteilen auch für Normalverdiener bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist, und Luxuswohnungen zur Entspannung der Lage kaum beitragen. Bei anderen meint man die Eurozeichen in den Augen blitzen zu sehen bei der Vorstellung, ihre Immobilie zu einem Traumpreis zu veräußern.

Infografik / Edel behaust © F.A.Z. Vergrößern Verkäufe im Luxussegment

Björn Dahler mag solche Geschichten nicht. „Man sollte den Leuten nicht einreden, dass sich hier alles zu jedem Preis verkaufen lässt“, sagt der Hamburger, der als Deutschlands Luxusimmobilien-Makler Nummer Eins gilt. Von seinem Büro in der fünften Etage eines Neubaus in der Hafencity blickt er gen Süden auf den Marco Polo Tower. Als der extravagante Wohnturm am Elbufer vor drei Jahren fertig gestellt war, begeisterte er nicht nur Architekturkritiker, sondern auch Käufer und Verkäufer. Denn ein Teil der Wohnungen, die als Rohbauten verkauft wurden, damit die vermögende Kundschaft sie nach ihren Vorstellungen ausbauen lassen konnte, erzielte damals Quadratmeterpreise bis zu 11 000 Euro. Gen Westen hat Dahler die Elbphilharmonie im Blick, deren Wohnungen, wenn der Bau denn eines schönen Tages mal vollendet sein sollte, aller Wahrscheinlichkeit nach in einer noch ganz anderen Preisklasse liegen werden. Da gerät man nicht so leicht aus der Ruhe, wenn irgendwer irgendwo irgendwelche tollen Preise zahlt. „Ach ja, Russen und Scheichs, dass sie den deutschen Immobilienmarkt mit Angeboten bombardieren würden, kann ich nicht bestätigen“, sagt er.

Dass ausländische Käufer am hiesigen Wohnimmobilienmarkt aktiv sind, und da eher in Berlin und München als in Düsseldorf oder Hamburg, bestreitet er nicht. „Aber wir sind hier nicht in New York oder London, wo unglaublich viele sehr reiche Menschen leben, die Jagd auf Trophy-Immobilien machen.“

Blankenese ist nicht Kensington

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ferienimmobilien Traumhaus oder Mogelpackung?

Immobilien in der Türkei scheinen günstig, sind aber dennoch ihr Geld nicht immer wert. Und Vorsicht: Mancher Verkauf ist am Ende gar keiner. Mehr Von Sabine Hildebrandt-Woeckel

30.09.2014, 12:14 Uhr | Wirtschaft
Regierung bringt Mietpreisbremse auf den Weg

Bei einem Mieterwechsel darf die Wohnungsmiete ab 2015 nur noch soviel steigen, dass sie höchstens zehn Prozent teurer ist als eine vergleichbare Wohnung derselben Größe und Lage. Allerdings sind Ausnahmen von dieser Bremse vorgesehen. Mehr

01.10.2014, 17:35 Uhr | Wirtschaft
Mietpreisbremse Für die Makler wird es eng

Die Mietpreisbremse soll dafür sorgen, dass der Makler in Zukunft vom Vermieter bezahlt wird. Doch viele Eigentümer dürften dann ganz auf einen Wohnungsvermittler verzichten. Mehr Von Anne-Christin Sievers

01.10.2014, 13:55 Uhr | Finanzen
Seerosen-Bild von Monet für rund 39 Millionen Euro versteigert

Monets Ölgemälde war vom Auktionshaus Sotheby’s in London auf umgerechnet 25 bis 37 Millionen Euro geschätzt worden und hat die Erwartungen noch übertroffen. Es ist der zweithöchste Preis, der jemals für ein Gemälde des französischen Impressionisten gezahlt wurde. Mehr

24.06.2014, 16:55 Uhr | Feuilleton
Gegen Besteller-Prinzip Makler wollen vor Verfassungsgericht ziehen

Die Regierung will das Mietrecht ändern. Künftig soll derjenige den Makler zahlen, der ihn bestellt. Den Maklern passt das nicht - sie wollen dagegen in Karlsruhe klagen. Mehr

28.09.2014, 17:39 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.05.2013, 09:18 Uhr

Peking hat Angst

Von Petra Kolonko, Hongkong

Aller Zensur zum Trotz verbreitet sich die Kunde von der Demokratiebewegung in Hongkong auch im chinesischen Binnenland. Doch Peking hat größere Sorgen als ein Übergreifen der Proteste – und Präsident Xi Jinping größere Pläne. Mehr 2 2

Prêt-à-porter Sensationen vom Boulevard

Die Pariser Modemacher denken sich ein leichtes Frühjahr aus. Manche Kollektionen der letzten Prêt-à-porter-Tage sind aber auch einfach nur leichtgewichtig. Mehr Von Alfons Kaiser, Paris und Helmut Fricke (Fotos) 2