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Lutz Hachmeister : Aus dem Tod heraus erklärt sich nichts

Bild: C.H. Beck

Für seine Fernsehdokumentation "Schleyer - Eine deutsche Geschichte" soll Lutz Hachmeister den diesjährigen Grimme-Preis in Gold erhalten wird. Seine Schleyer-Biographie ist dort am stärksten, wo sie sich von Schleyer löst .

          Vergangene Woche wurde bekanntgegeben, daß Lutz Hachmeister für seine ARD-Fernsehdokumentation "Schleyer - Eine deutsche Geschichte" den diesjährigen Grimme-Preis in Gold erhalten wird. Die Jury zeichnet damit eine zeitgeschichtliche Arbeit aus, die statt einer These eine Darstellung in den Mittelpunkt setzt, die aus der Vielzahl der dokumentierten Stimmen und Quellen ein Panorama deutscher Geschichte geschaffen hat, das seinen Mittelpunkt in der Person von Hanns Martin Schleyer findet, sich aber nicht in dessen Biographie erschöpft. Hachmeister hatte das Ziel, um Schleyer ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte zu erzählen, die mit der politischen Sozialisation des 1915 Geborenen ihren Anfang nahm und mit der Zäsur seiner Ermordung durch die "Rote-Armee-Fraktion" am 18. Oktober 1977 endete. Danach war Deutschland nicht mehr wie zuvor. Die im Zuge des "Deutschen Herbstes" erlassenen Sicherheitsgesetze gelten bis heute, und das Beharren der sozialliberalen Regierung auf der Staatsraison ließ den deutschen Linksterrorismus scheitern - auch wenn seitdem weitere bittere Opfer zu beklagen waren.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Aus der Fülle des Materials, das Hachmeisters unter Mithilfe von Mathias von der Heyde, Stefan Krings und Christian Wagner seit 2002 durchgeführte Recherche erbracht hat, ist nun auch ein Buch entstanden, das den gleichen Titel trägt wie die Fernsehsendung, aber umfassender geraten ist und eine andere Gewichtung vornimmt. Denn wo die Filmdokumentation in der Entgegenstellung des Schleyer-Bildes von Verwandten, Freunden und beruflichen Weggefährten und dem seiner Entführer, Mörder und von deren Sympathisanten das Porträt eines für seine Zeit exemplarischen Deutschen zu zeichnen bemüht war, ist diese Einschätzung im Buch bereits vorausgesetzt. Wenn dies tatsächlich dem "Standard moderner Zeitgeschichtsschreibung" - so die ehrgeizige selbstgesteckte Zielsetzung Hachmeisters für sein Buch - entspricht, liegt etwas im argen.

          Hachmeister betont von Beginn des Buches an, daß die Biographie eines Menschen nicht allein unter dem Eindruck von dessen Ermordung geschrieben werden sollte: "Es kommt schnell der Verdacht auf, biographische Recherchen über Schleyer besorgten das Geschäft der Terroristen, indem postum Ermittlungen gegen einen Mann angestellt würden, der in herausgehobenen Funktionen für die deutsche Herrschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert stand." Aber dieses Bedenken hat den Autor nicht gehindert, gerade die heiklen Gesichtspunkte in Schleyers Biographie - und das sind natürlich sein Engagement für den Nationalsozialismus und seine herausgehobene Position in den aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar ideologisch geprägten Arbeitskämpfen der sechziger Jahre - in den Mittelpunkt seiner Erörterungen zu stellen. Um es vorwegzunehmen: Das Dämonisieren ist nicht Hachmeisters Sache (mit einer Ausnahme). Sein Schleyer ist ein bisweilen erschreckend normaler Mensch, den sein Geschick oder sein Schicksal auf Posten verschlagen haben, denen er persönlich nicht gewachsen war.

          Das ist eine Erkenntnis, die bei Hachmeister indes nur angedeutet wird - und auch das nur ganz am Schluß, wenn das Buch darüber berichtet, wie unglücklich Schleyer mit seiner erst zum 1. Januar 1977, also im Jahr seiner Ermordung, errungenen Position als Doppelpräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Bundesverbands der Deutschen Industrie gewesen ist. Den Rückzug hatte er in einem seiner letzten Interviews schon angekündigt, und Hachmeister wurde von ungenannter Seite zugetragen, daß Schleyer damals geklagt hätte: "Leute, hätte ich das bloß nicht gemacht. Irgendwann muß das wieder auseinandergehen." Die Verhandlungsenergie Schleyers, der, wie Hachmeister nicht müde wird, zu erwähnen, mit Vorliebe nächtelang bei reichlich Zigarren und Alkohol debattierte, hatte in den beiden so gegensätzlich strukturierten Zentralorganisationen des Arbeitgeberlagers seine Grenzen gefunden. Es war nicht das erste Mal.

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