Home
http://www.faz.net/-gpc-7525r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Lindsey Vonn „Wie ein Zombie“

Mutige Offenbarung: Die Skirennfahrerin Lindsey Vonn spricht erstmals über Depressionen. Wegen einer längeren Erkrankung wurde immer wieder über ihr seelisches Befinden spekuliert.

© dapd Vergrößern Grenzfahrerin: Lindsey Vonn spricht über ihre psychischen Probleme

Ihr strahlendes Siegerlächeln war für Lindsey Vonn lange Zeit nur Fassade. Erstmals hat der US-Skistar im Interview mit dem amerikanischen Magazin „People“ eine psychische Erkrankung offenbart, deren Symptome auf eine Depression hindeuten. Nach einer Diagnose im Jahr 2008 sei die Krankheit mit Medikamenten behandelt worden, heißt es in dem Bericht. „Ich kam nicht mehr aus dem Bett. Ich fühlte mich hoffnungslos, leer, wie ein Zombie“, sagte die amerikanische Abfahrts-Olympiasiegerin über diese Zeit in dem Gespräch, das offenbar vor der Weltcup-Saison geführt wurde. „Ich konnte noch nicht einmal mehr weinen.“

Aufgetreten seien die Symptome erstmals nach ihren ersten Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City und nach Spannungen mit ihrem Vater, der ihr erster Trainer war. „Wegen meiner Dickköpfigkeit oder Scham oder weil ich nicht zugeben wollte, dass etwas falsch ist, habe ich nichts deswegen gemacht.“

Mehr zum Thema

Zunächst habe sie sich in ihre Leidenschaft für den Sport geflüchtet, berichtete die 28 Jahre alte viermalige Gesamtweltcupsiegerin dem Magazin. „Als sich meine Eltern scheiden ließen, habe ich zu mir selbst gesagt: Geh schlafen und morgen kannst du Skifahren. Ich habe mich in den Schlaf geweint und morgens war ich auf dem Berg und es ging mir gut. Wenn ich Ski fahre, bin ich glücklich.“

Vor vier Jahren verschlimmert

Dies sei eine Erklärung dafür, dass sich Vonn „so wahnsinnig über den Erfolg“ definiere, sagte ihre befreundete Konkurrentin Maria Höfl-Riesch am Freitag in Val d’Isère. Im Sommer habe sie mit Vonn über ihre Erkrankung gesprochen. „Wenn sie Rennen gewinnt, ist der ganze Tag super und dementsprechend ist es nicht so, wenn es ein bisschen schlechter läuft. Da sind die Depressionen sicher ein bisschen eine Erklärung.“

Bei der Weltcup-Abfahrt in den französischen Alpen rutschte Vonn von der Piste, wurde erst vom dritten Fangzaun aufgehalten, blieb dem ersten Augenschein nach aber unverletzt.

22511841 © AFP Vergrößern Erfolge als Ablenkung: Vonn ist extrem erfolgsbesessen

Vor vier Jahren seien die Probleme schwerer geworden, berichtete sie, auf Drängen ihres damaligen Ehemann Thomas habe sie einen Arzt aufgesucht. Einen Monat, nachdem sie mit der Einnahme von Medikamenten begonnen habe, sei sie „wie ein anderer Mensch“ gewesen. „Es war verrückt. Ich war begeistert, wieder rauszugehen. Ich hatte Glück, sofort die richtige Behandlung zu finden“, sagte Vonn, die wegen einer rätselhaften Darmerkrankung diese Saison für mehrere Tage ins Krankenhaus musste.

Trennung vom Ehemann

Von der Diagnose habe sie nur wenigen Menschen erzählt, auch weil sie ein „großes Stigma“ gefürchtet habe. „Jeder sah mich am Fernsehen oder konnte die Artikel lesen und es ging um meine großartige Ehe, den weißen Lattenzaun, den ganzen Erfolg und mein perfektes Leben. Aber hinter den Kulissen war es ein Kampf.“ Als die Beziehung mit ihrem Mann zerbrach - die Trennung gab sie im Herbst 2011 bekannt - habe sie ebenfalls eine schwere Zeit gehabt. „Jeder weiß, dass eine Ehe hart ist. Aber es hat nicht funktioniert, und das machte mich unglücklich.“

Die Trennung habe Vonn schwer zugesetzt, schätzte Höfl-Riesch ein, „die Situation war nicht einfach für sie, umso beeindruckender war es, was sie auf der Piste fabriziert hat, mit welcher Souveränität sie da immer runtergefahren ist.“ Inzwischen hat Vonn auch den Kontakt zu ihrem Vater, Alan Kildow, wieder aufgenommen. „Es war hart, sehr hart, aber wir haben alles besprochen. Ich habe ihn sehr vermisst.“

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kopfschmerzen bei Schülern Das unsichtbare Übel

Immer mehr Schüler leiden unter Kopfschmerzen. Aber ernst nimmt das kaum jemand. Ein Arzt und eine Lehrerin wollen das jetzt ändern. Mehr

24.08.2014, 10:40 Uhr | Gesellschaft
Cartoonist Jules Feiffer Auf Nummer sicher gehen? Nicht mit mir!

Eine amerikanische Legende, die zum Kritiker ihres Landes wird: Der Cartoonist Jules Feiffer wagt immer noch Neues. Gespräch mit einem Mann, der 85 Jahre alt werden musste, um seine erste Graphic Novel zu zeichnen. Mehr

25.08.2014, 16:53 Uhr | Feuilleton
Drei Schwimm-Weltrekorde Katinka Hosszu als Eiserne Lady im Becken

Die ungarische Schwimmerin Katinka Hosszu nennt sich „Eiserne Lady“. Nach drei Weltrekorden beim Kurzbahn-Weltcup strebt sie eine Olympia-Medaille an. Nur mit dem Freiwasserschwimmen hat sie ihre Probleme. Mehr

29.08.2014, 14:27 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.12.2012, 12:31 Uhr

Moskauer Protektion

Von Christoph Ruhkamp

Staatschef Putin setzt abermals auf die Abwrackprämie. Geld bekommt, wer ein Auto kauft, das in Russland gebaut worden ist - zum Nachteil deutscher Premium-Hersteller. Mehr 6

Neue Häuser Von der Scheune zum Wohnhaus

Eigentlich wollten Ute und Johann Henrich Delius einen Bungalow. Der gilt schließlich als perfekter Gebäudetyp, wenn man älter wird. Doch dann ist es anders gekommen. Mehr Von Birgit Ochs 1 1

Anforderungen an den Arbeitsplatz Sie sucht Sinn, er mehr Gehalt

Frauen wollen mit ihrer Arbeit etwas Gutes tun. Das wollen Männer auch. Am wichtigsten ist ihnen aber etwas anderes. Was sich beide Geschlechter wünschen: Mehr Zeit für Familie und Freunde. Mehr 1 1

Nach einem Jahr Beziehung Britney Spears ist wieder Single

Britney Speras trennt sich von ihrem Freund, Brad Pitt und Angelina Jolie heiraten heimlich und Miley Cyrus sucht sich den falschen Begleiter für eine Preisverleihung – der Smalltalk. Mehr 17