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Leitglosse Gordon Brown

27.06.2007 ·  K.F. Eine der unglaublichsten politischen Beziehungen ist zum Schluss gekommen: Tony Blair ist als britischer Premierminister zurückgetreten, Gordon Brown, sein Finanzminister seit Labours Rückkehr an die Macht am 1.

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K.F. Eine der unglaublichsten politischen Beziehungen ist zum Schluss gekommen: Tony Blair ist als britischer Premierminister zurückgetreten, Gordon Brown, sein Finanzminister seit Labours Rückkehr an die Macht am 1. Mai 1997, ist ihm im Amt gefolgt. Wenn die Legende stimmt, dann wurde das vor genau 13 Jahren verabredet. Der Wechsel hätte früher vollzogen werden sollen - so sah Brown die Verabredung. Doch weil Blair weder die Führung von Labour abgab noch die des Landes, waren die beiden oft mehr Rivalen als Partner. Aber das ist nun Geschichte; Downing Street Nr. 10 hat neue Mieter. Wer ist dieser Gordon Brown, der einem Großtalent folgt, das Politik zu inszenieren verstand, das drei große Wahlsiege errungen hat und dessen Leistung ein günstigeres Urteil verdient als das, zu dem viele Zeitgenossen vorerst bereit sind?

Trotz seiner langen Dienstzeit an herausgehobener Stelle weiß man eigentlich nicht viel über diesen spröden Schotten. Seine Finanzpolitik ist Großbritannien, alles in allem, gut bekommen; sie hat zu (viel) mehr Prosperität und Beschäftigung geführt sowie die Armut verringert. Die Bilanz kann sich natürlich auch Blair gutschreiben, aber weil er Brown freie Hand ließ, gehen die Punkte in erster Linie auf dessen Konto. Wird er diese Politik im Großen und Ganzen fortsetzen? Ginge es nach der Labour-Linken, die Blair nicht nur den Irak-Krieg, sondern mindestens so sehr den Schwenk in die Mitte übelgenommen hat und die Brown mindestens so sehr fürchten muss wie die konservative Opposition, dann begänne jetzt die Rückkehr zum Umverteilungsstaat. Brown wird wissen, dass dieser Teil der Partei-Programmatik nicht entstaubt werden darf; er passt nicht in die Welt von heute und morgen, und er gäbe den Konservativen Munition für eine Wahl, die zu bestehen Browns größte Bewährungsprobe werden wird. Je nachdem, wie diese Wahl ausgeht, wird dann wirklich Bilanz über die Labour-Jahre unter Blair gezogen.

Was können die europäischen Partner vom neuen Premierminister erwarten, der bisher keinen wirtschaftlichen Grund sah, Britannien in die Währungsunion zu führen (einen politischen schon gar nicht)? Keinen überschäumenden Europa-Enthusiasmus, noch mehr skeptischen Pragmatismus. Blair, der europäisch gesinnte Atlantiker, tritt ab; dass Brown einen atlantischen Kompass besitzt, steht zu vermuten.

Quelle: F.A.Z., 28.06.2007, Nr. 147 / Seite 1
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