Home
http://www.faz.net/-gpc-pk8r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Lebensversicherungen Wer gibt den besten Rat?

01.11.2004 ·  "Für eine gute Beratung zur Altersvorsorge braucht man derzeit Glück", sagt Udo Reifner, Leiter des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen. Banken, Versicherungen und Verbraucherschützer im Test.

Von Uwe Schmidt-Kasparek
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

1. Platz: Verbraucherzentralen

Testergebnis: 3,61

"Für eine gute Beratung zur Altersvorsorge braucht man derzeit Glück", sagt Professor Udo Reifner, Leiter des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff). Im Auftrag von Ökotest hat Reifner Anfang des Jahres insgesamt 95 verdeckte Beratungstests durchgeführt.

Die Ergebnisse in Schulnoten reichen bei allen Gruppen von "gut" bis "ungenügend". Selbst bei den Verbraucherzentralen ist nicht alles im Lot. So wurden erhebliche regionale Qualitätsunterschiede ermittelt.

Größtes Manko bei den Verbraucherschützern war die Terminvereinbarung. In sieben Fällen gab es große und kleine Probleme. In einem Fall dauerte es bis zu sieben Wochen. Generell raten Verbraucherzentralen zu risikoarmen Anlagen, wie Bundesschatzbriefen. Eine große Rolle spielen auch Banksparpläne. Demgegenüber werden Versicherungsprodukte vollkommen ausgeblendet. Wenn sie erwähnt wurden, dann nur im Zusammenhang mit staatlich geförderter Altersvorsorge.

2. Platz: Finanzvertriebe

Testergebnis: 3,71

Überraschend gut schnitten Finanzvertriebe ab. Lange Zeit waren die Gesellschaften mit ihren vielen Vertretern ja wegen ihrer rüden Verkaufsmethoden verschrien. Allein die Kölner OVB-Vermögensberatung scheiterte in den Tests. Den meisten gelang es, oft sogar tragende Lösungsvorschläge anzubieten.

In aller Regel erhält der Kunde bei den Großmaklern einen guten Service und eine perfekte Haushaltsanalyse. Auch wenn später womöglich die gleichen Produkte wie bei einer Versicherung angeboten werden - die DVAG kooperiert mit der Aachener und Münchener Versicherung und der AWD mit der Allianz. Dennoch sind die Finanzvertriebe deutlich breiter aufgestellt. Sie schlagen auch Fondslösungen oder Banksparpläne vor.

Die Mängel: Mehrmals wurde die mögliche Altersrente besonders klein gerechnet. Scheinbar versuchen einige Berater, den Kunden mit einer besonders großen Versorgungslücke Angst einzujagen, um so den Vertragsabschluß zu beschleunigen.

3. Platz: Versicherungen

Testergebnis: 4,14

Handwerkliche Mängel verzeichneten die Tester sowohl bei den Versicherungen wie den Banken. Ihr Fazit: Systematische Altersvorsorgeberatung aus einer Hand sucht man in Deutschland meist noch vergebens.

So wollte ein Allianzmitarbeiter das Wertpapierdepot bei der Beratung des gutsituierten Single nicht berücksichtigen. Seine Begründung: "Von Aktien habe ich keine Ahnung, das muß der Experte von der Dresdner Bank machen."

Solche strukturellen Defizite finden sich auch bei Verbraucherzentralen. Hier wurden Testkunden für Fragen zur Immobilienfinanzierung oder zum Berufsunfähigkeitsschutz in einigen Fällen zusätzlich an andere Kollegen verwiesen. Damit dürfte sich der finanzielle Aufwand einer Rentenberatung bei über 200 Euro bewegen. Hinzu kommt ein erheblicher höherer Zeiteinsatz.

Auf eine Beratung allein, so der Tip von Finanzexperte Reifner, darf derzeit kein Kunde bauen. Sicherer sei es, sich gleich mehrfach zu informieren.

4. Platz: Banken

Testergebnis: 4,34

Bei den Banken wie den Versicherungen fehlten Berechnungen für die Einnahmen- und Ausgabensituation der Haushalte oft. Oder sie waren zu oberflächlich. Bei der Vorsorgelücke wurde schon mal die Inflation vergessen. Etliche Probleme erkannten die Berater nicht.

Ein Testehepaar wünschte sich Kinder und eine Immobilie. Beides war aber finanziell kaum zu vereinbaren. Trotzdem wurde in vier Fällen die Baufinanzierung empfohlen. Fatal: Denn wenn nach der Geburt des Kindes ein Einkommen länger ausfiele, würde die Immobilienfinanzierung unhaltbar.

Ähnlich patzten viele bei einem gutverdienenden Single, der schon mit 55 Jahren ohne große Einkommenseinbußen in den Vorruhestand gehen wollte. Das Fazit vieler Berater: Nicht finanzierbar. Dabei wurde das Wertpapierdepot oft gar nicht berücksichtigt. Auch die Flexibilität ließ zu wünschen übrig: Alternativ-Szenarien - etwa der Vorruhestand mit 60 Jahren - wurden selten entwickelt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.10.2004, Nr. 44 / Seite 51
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Das soziale Netzwerk

Von Rainer Hank

Die Gemeinde ist beleidigt, weil die Facebook-Aktie nicht lieb war. Jetzt rufen alle Skandal. Die Enttäuschten sollten sich lieber mit ihrer eigenen Gier befassen. Mehr 1 17

25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%