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Francois Hollandes Krawatte Auf der Suche nach der verlorenen Mitte

 ·  Eine Frage der Haltung: Der französische Präsident Francois Hollande hat ein Problem mit dem Krawattenbinden. Der präsidiale Schlips hat sich zum Objekt eines nationalen Spottwettbewerbs entwickelt.

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© Helmut Fricke Vergrößern Falsch verbunden

Den Straftatbestand der „Beleidigung des Staatspräsidenten“ hat das französische Parlament gerade abgeschafft. „Wie sehen Sie überhaupt aus! Ihre Krawatte sitzt schief!“ zum Beispiel dürfen Franzosen fortan dem Staatschef sagen, ohne dass ihnen Geldstrafen drohen. Mit Nicolas Sarkozy war in ähnlichen Fällen nicht zu spaßen gewesen. Er ließ sogar einmal einen Mann verurteilen, der ihm seinen eigenen Ausspruch auf einem Plakat entgegengehalten hatte: „Hau ab, du armer Depp!“ Das hatte Sarkozy mal einem Passanten erwidert, aber auf einem Plakat wollte er es nicht lesen. Den Präsidenten hat man zu respektieren, wie früher Seine Majestät. Das fanden auch die Richter, die den Plakatschwenker zu einer Geldbuße verurteilten. Künftig aber geht so etwas nicht mehr.

Das ist auch besser so, denn gerade die Krawatte des Präsidenten hat sich zum Objekt eines nationalen Spottwettbewerbs entwickelt. Krise hin, Krise her, halb Frankreich betreibt seit einiger Zeit lieber Krawatten-Watching.

Die Franzosen verbindet mit dem Halsschmuck eine lange Geschichte. War es nicht schon der Sonnenkönig Ludwig XIV., dem die Halsbinden eines kroatischen Reiterregiments so gefielen, dass er sie zum Muss für jeden Edelmann erhob? Der berühmte Schriftsteller Saint-Hilaire, dem Frankreich so zeitlos aktuelle Werke verdankt wie „Die Kunst, seine Schulden zu bezahlen und seine Gläubiger zu befrieden, ohne einen Sou auszugeben“, widmete 1827 gar ein ganzes Buch der Krawatte. Titel: „Die Kunst, seine Krawatte zu binden“.

Mitterand zum Vorbild

Hollande kann es nicht gelesen haben. Stattdessen hat er - oder besser: seine Krawatte - eine eigene Internetseite namens „François, Deine Krawatte“. Aus der Ich-Perspektive wird dort genau Buch geführt über Hollandes Pannen am Hals: „Ich bin die Krawatte von François, und ich bin bei 667 öffentlichen Auftritten 351 Mal schief getragen worden.“ Nach einem Punktesystem mit null bis fünf blauen Krawatten wird das Bindungsversagen bewertet und der entsprechende Neigungsgrad grafisch dargestellt. Bei Angela Merkel hatte sie einen Linksdrall, am Nationalfeiertag hing sie rechts. Ausgedacht hat sich die Seite ein Informatikstudent aus Bordeaux. Der 20 Jahre alte Mann findet, dass die Krawatte Hollandes „Frankreich repräsentiert“. Und damit sei die Dokumentation der Pannenserie als Ausdruck der Unzufriedenheit mit Hollandes Amtsführung zu verstehen. Der Student hatte übrigens für Sarkozy gestimmt.

Auch die seriösen Medien sind von dem Krawatten-Ulk fasziniert. So fehlt in Berichten von „Le Monde“ oder „Le Point“ selten der Hinweis, wie sie denn heute hängt. Wohlmeinende Beobachter haben Hollande vorgeschlagen, auf die Fliege umzusteigen. Der französische Reitsportausrüster Pierre Guibert hat Hollande gar eine durch Spezialmaschen immer fest in der Mitte sitzende Jockey-Krawatte geschenkt, Modell „Jumping“. Den Präsidenten lässt der Spott keineswegs kalt. Bei einem Abendessen mit Journalisten in Paris gestand er, die Sache zunächst nicht besonders ernst genommen zu haben. „Aber jetzt habe ich verstanden: Das ist alles eine Frage der Haltung! Ich passe seither sehr auf!“ Sein Vorbild scheint da der erste sozialistische Präsident François Mitterrand zu sein: „Mitterrand hat sein Äußeres komplett verändert, seit er Präsident war. Nach 14 Jahren war er perfekt.“

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