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Alter, was geht? (2) Vollpfeife in der Halfpipe

 ·  Kann man mit 42 Jahren lernen, Skateboard zu fahren? Es geht - wenn man sich an Goofy orientiert und nicht an Michael J. Fox. Teil 2 der Serie „Alter, was geht?“

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© Jan-Hendrik Holst Vergrößern

Fahrende Dinge, auf die man sich draufstellt, habe ich in meinem Leben weitestgehend gemieden. Auf Skiern stand ich ein paarmal, Schlittschuh bin ich genau zweimal gefahren, einmal mit vierzehn und einmal mit vierzig, Letzteres gar nicht mal so schlecht: Vier Stürze in gut anderthalb Stunden, das waren gerade einmal 2,67 Stürze pro Stunde. Inline-Skates bin ich nie gefahren, Rollschuh auch nicht, ganz selten mal Roller. Rolltreppe dagegen sehr häufig, unfallfrei seit über vierzig Jahren.

Auf einem Skateboard wiederum stand ich nie. Die nette Kollegin, der ich erzählte, dass ich für diese kleine Selbstversuchs-Reihe zwischen einem Inline- und einem Skateboard-Kurs schwankte, plädierte für Skateboard, mit der nicht ganz so netten Begründung: „Du musst dich dem Gespött in der Halfpipe aussetzen.“

Halfpipes sind keine zerbrochenen Pfeifen

Halfpipe, das wusste selbst ich gerade noch, das ist keine zerbrochene Pfeife, sondern eine halbe Röhre, die Skater rauf- und runterrasen. Also meldete ich mich beim Workshop des Frankfurter Skate-Ladens „Railslide“ an, in den Ohren schon das Gespött der Profis und der Gaffer: „Schau mal, die Vollpfeife in der Halfpipe.“

Skateboards kannte ich selbstverständlich in jungen Jahren schon; aus Hollywood. 1985 in „Zurück in die Zukunft“ raste Michael J. Fox auf einem solchen Ding zur Schule und überallhin, wobei er sich gern an fahrende Autos hängte und, wenn das Brett über die Straße kratzte, die Funken flogen - was, wie ich messerscharf erkannte, nur ein Special Effect war. Es sah klasse aus, ich selbst aber fuhr weiter mit dem Rad zur Schule. Auch Bart Simpson, der erstmals 1989 mit dem Skateboard durch den Vorspann seiner Serie düste, wurde mir kein Rollenmodell.

Was ich spätestens jetzt, vor dem Skateboard-Kurs, bedauere. Käme Doc Brown mit seiner Zeitmaschine vorbei, ich würde sofort einsteigen und zurückfliegen ins Jahr 1985, als ich 14 war - und damit übrigens zehn Jahre jünger als Michael J. Fox, der mit 24 einen Teenager spielte. Heute hat der Ärmste Parkinson, seine Skateboard-Karriere ist definitiv vorbei. Meine dagegen fängt jetzt erst an. Wenn jemand mit 24 einen Teenager spielen kann, dann kann ich’s vielleicht auch mit 42.

Unter der graffitibunten Friedensbrücke im Skatepark - der wohl einzigen Sorte Park, die statt aus Grünflächen komplett aus Beton besteht - sind vier Schüler zusammengekommen: Helen, 10, Lasse, 9, Jannik, 6, und ich. Auf Skatelehrer Milans Frage, was ihn am meisten interessiere, ruft Jannik: „Ich will lernen, wie man richtig hinfällt.“ - „Am besten gar nicht hinfallen“, rät Milan, „und wenn, dann am besten auf die Hände.“ Ganz in meinem Sinne. Unsere Hände sind schließlich wie die Knie durch Schoner geschützt, Helme tragen wir auch.

Eigentlich sollten wir uns in einem anderen Skatepark treffen, der größer und schöner ist, aber es hat stark geregnet. Die Friedensbrücke hat den Vorteil, dass ich hier hinradeln kann - und den Nachteil, dass mich hier in Frankfurt viel mehr Leute kennen. Zum Glück gießt es so, dass praktisch keine Spaziergänger vorbeikommen.

Helen darf gleich hoch auf die Rampen, sie lässt sich erst in die Arme des zweiten Lehrers Tim fallen, später braucht sie die nicht mehr. „Die ist echt gut“, wird Tim später sagen, „vor allem für ein Mädchen.“ Klingt wie Machismo, ist aber echt nett gemeint: Mädchen, so Tim, hätten zum einen häufiger Angst als die Jungs, und es fehlten ihnen mangels berühmter Skaterinnen die Vorbilder.

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