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Leitungswasser Für trockene Kehlen

 ·  136 Liter Mineralwasser trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt. Die günstigere Alternative Leitungswasser wählen wenige. Dabei erfüllt es ebenso hohe Standards - und enthält zum Teil sogar mehr Mineralstoffe.

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© ddp Vergrößern Wellnessprodukt: Wasser

Als prickelnd, erfrischend, gesund und sexy wird Mineralwasser in Werbespots angepriesen, und die Deutschen langen kräftig zu bei ihrem liebsten Durstlöscher. 136 Liter Mineralwasser hat jeder Bundesbürger im Durchschnitt 2012 getrunken, mitunter zu einem stolzen Preis. Zwischen 13 Cent beim Discounter und mehr als einem Euro bei manchen „Markenprodukten“ kostet der Liter. Dabei könnte man sein Durstgefühl deutlich billiger stillen: „Würde der Deutsche seinen täglichen Bedarf an Wasser ein Jahr lang ausschließlich mit Trinkwasser decken, müsste er dafür insgesamt nur rund drei Euro zahlen“, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Anderthalb Liter Wasser soll man am Tag trinken, an heißen Tagen auch mal mehr; zwischen Mineralwasser aus dem Supermarkt und Trinkwasser aus der Leitung unterscheiden die Experten dabei nicht. „In erster Linie dient Wassertrinken zur Flüssigkeitsversorgung“, so Restemeyer. „Erst in zweiter Linie geht es dabei um die Aufnahme von Mineralstoffen, deren Bedarf wir aber vor allem über feste Nahrung decken.“ Beispielsweise durch Bananen: Knapp zehn Gramm davon liefern so viel Kalium wie 1,5 Liter mancher Mineralwässer.

Die Werbung macht den Unterschied

Mineralwasser ist in Deutschland das einzige Lebensmittel, das eine amtliche Anerkennung erhält, also strengen Qualitätssicherungen unterliegt. Doch auch die weitverbreitete Annahme, dass Leitungswasser von minderwertige Güte sei, ist falsch. Der im Jahr 2012 vom Umweltbundesamt veröffentlichte Trinkwasserbericht bescheinigt dem Wasser aus dem Hahn eine gute Qualität: 99 Prozent aller Trinkwasserproben erfüllten die strengen gesetzlichen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsanforderungen.

Warum die Deutschen trotzdem, anders als ihre europäischen Nachbarn, lieber die Flasche als den Hahn aufdrehen, können auch Experten nur mutmaßen: Kultur, Gewöhnung, Erziehung oder Geschmacksache hört man in diesem Zusammenhang. Für Kranenwasser wird eben keine Werbung gemacht. Ohne erfrischende Spots ist es schwer, gegen den Konkurrenten aus der Flasche anzukommen, der zu einem Wellnessprodukt für Gesundheitsbewusste avanciert ist. Aus rund 500 unterschiedlichen Mineralwassersorten können Deutsche wählen, dabei sind Zusammensetzung der Mineralstoffe und Kohlensäuregehalt maßgeblich für den Geschmack. Wer es bitter mag, sollte zu Sprudel mit viel Sulfat greifen, salzig wird es mit reichlich Natriumchlorid, und ein hoher Anteil an Kalzium gibt dem Wasser ein hartes metallisches Aroma. Kohlensäure gilt als erfrischend.

Leitungswasser hat teilweise mehr Mineralstoffe

Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, sollten nicht nur auf die eigenen Geschmacksvorlieben achten, sondern im Rahmen einer salzarmen Kost auch Mineralwässer mit hohem Natrium- und Chloridgehalt meiden. Sportler, die viel schwitzen, füllen ihre Speicher am besten mit magnesium- und natriumhaltigem Sprudel auf. Für ältere Menschen, Kinder oder Personen, die aufgrund einer Laktoseintoleranz keine Milchprodukte essen dürfen, eignet sich kalziumreiches Wasser. Darf er frei wählen, „greift der Deutsche am liebsten zu Wasser der Klasse Medium mit neutralem Geschmack“, sagt Yvonne Heistermann von der Deutschen Wein- und Sommelier-Schule. „Der Trend geht weg von spritzig, hin zu still.“

Das bestätigen auch die Verkaufszahlen. Allerdings halten die meisten stillen Wässer nicht, was die Werbung verspricht. Stiftung Warentest kam zu dem Ergebnis: Viele der getesteten Mineralwässer enthalten nicht mehr Mineralstoffe als Leitungswasser. In mehr als jeder dritten Flasche wurden Keime gefunden. Da spricht doch vieles dafür, beim nächsten Mal den Hahn aufzudrehen, statt Flaschen zu schleppen. Je nach Region enthält Leitungswasser manchmal sogar mehr Mineralstoffe. Und preiswerter ist es ohnehin.

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