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Weine aus Neuseeland Eleganz vom Ende der Welt

Neuseeland, Gastland der Buchmesse, bietet auch kulinarische Schätze: Der Weinbau auf den beiden Inseln im Südpazifik ist erst ein paar Jahrzehnte alt – doch längst kommen von dort beeindruckende Tropfen. Weiße wie rote.

© ddp images Vergrößern Mit Sauvignon Blanc begann der Boom: Regenwolken über einem Weinberg in Hawke’s Bay.

Wein aus seiner Heimat serviert Andrew Connor nur selten. Seine Gäste wollen andere Tropfen trinken, Riesling von Nahe und Mosel, Grauburgunder aus Baden oder Spätburgunder aus der Pfalz. Aber Sauvignon Blanc von der Hawke’s Bay? Oder Pinot Noir aus dem Waitaki-Tal? „Solche Weine empfehle ich fast nie“, sagt der 37 Jahre alte Neuseeländer. Das liegt allerdings nicht an deren Qualität, sondern daran, dass Connor seit April als Sommelier im „Fischers Fritz“ arbeitet, dem Gourmet-Restaurant des Regent Hotels in Berlin, und dort vor allem deutsche und europäische Gewächse unter das internationale Publikum bringt.

Aber Connor schätzt die Weine seiner Heimat und bescheinigt ihnen einen ausgeprägten eigenen Charakter und Stil. „Unsere Weine sind rein, intensiv und voller explosiven Geschmacks - und damit in gewisser Weise einzigartig in der Weinwelt.“ Vor allem aber verfügten sie über deutlich mehr Eleganz als die meisten anderen Tropfen aus der sogenannten Neuen Welt, meint Connor und rührt deshalb in diesen Wochen, da sich Neuseeland als Gastland der Frankfurter Buchmesse präsentiert, gern die Werbetrommel für seine kelternden Landsleute.

Das wäre vor ein paar Jahrzehnten noch aussichtslos gewesen. Denn der Weinbau in dem Land, das mit seinen unterschiedlichen Landschaften wie Europa en miniature wirkt, ist noch sehr jung. Seit kaum mehr als 40 Jahren wird auf den beiden Inseln überhaupt professionell und kommerziell Wein produziert. Noch 1990 lag die Anbaufläche bei weniger als 5000 Hektar, inzwischen sind es fast 34 000 Hektar, und die Zahl der Weingüter ist von 112 auf 670 gestiegen. Wohl kaum ein anderes Weinland hat je einen solchen Boom erlebt wie Neuseeland.

„Wir wollen keine Wuchtbrummen.“

Begonnen hat der Aufstieg mit Sauvignon Blanc. Mit dieser von der Loire stammenden Traube haben sich die Kiwi-Winzer einen Namen gemacht, und noch immer ist sie mit einer Verbreitung von fast 70 Prozent die mit Abstand wichtigste Rebsorte. Den Run auf neuseeländischen Sauvignon Blanc ausgelöst hat vor gut 25 Jahren der Weinmacher Kevin Judd. Sein „Cloudy Bay“, benannt nach einer Bucht in Marlborough County im Nordosten der Südinsel, sorgte mit seiner enormen Frische und überschwänglichen Aromen von Gras, Stachelbeeren und Melone überall für Furore. Noch heute gilt er vielen Kritikern als bester Sauvignon Blanc der Welt, und in Neuseeland hat sein internationaler Erfolg für die Entstehung einer regelrechten Sauvignon-Industrie geführt, deren Produkte den „Cloudy-Bay“-Stil zum Trend gemacht und mit der extremen Fruchtigkeit vor allem ein junges Publikum angesprochen haben.

Karl-Heinz Johner ist auf diesen Zug nie aufgesprungen - schwört aber trotzdem auf das Weinland Neuseeland. Kaum eine andere Weltgegend biete mit ihrem maritimen Klima so ideale Bedingungen für große aromatische Weine, meint er. Ende der Neunziger haben der Winzer vom Kaiserstuhl und sein Sohn Patrick in Wairarapa im Süden der Nordinsel ein Weingut aufgebaut, inzwischen bewirtschaften sie dort 25 Hektar. Auch für sie stehen Neuseelands Weine für eine intensive Fruchtaromatik, die in Europa kaum zu erreichen sei. Im Gegensatz zu vielen ihrer Konkurrenten haben sie mit ihrem Sauvignon Blanc aber stets mehr auf „Eleganz und Spiel“ gesetzt, wie sie sagen. „Wir wollen keine Wuchtbrummen.“

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