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Lance Armstrong Der Meister der Selbstvergifter

 ·  Ein in seiner Schaurigkeit schon wieder faszinierendes Konstrukt aus Lügen, Verdorbenheit und Arroganz ist aufgeflogen. Das Leben hat den Chef-Lügner des Profi-Radsports eingeholt.

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© AFP Der Pate des Pelotons: Lance Armstrong

Einer wird nie den Glauben an Lance Armstrong verlieren: Das ist Lance Armstrong selbst. Auch jetzt, da sein Monument zerschmettert ist, gibt er noch den Unverletzlichen. Kein Grund zum Weinen, sagt der stählerne Texaner, und wirklich: Der Profiradsport ist nichts für Heulsusen. Um die Wahrheit zu ertragen, braucht man starke Nerven. So wie Armstrong, der am Wochenende erst einmal aufs Mountainbike gestiegen ist und sich als Vierzigjähriger mit Sechzehnjährigen gemessen hat. Irgendein Nebenschauplatz findet sich immer für einen echten Rambo.

Empfindlichere Naturen können das Gesamtbild nicht so schnell wegtreten. Es zeigt sich jetzt, da Armstrong im Kampf gegen überwältigende Doping-Vorwürfe das Handtuch geworfen hat, klarer denn je: ein in seiner Schaurigkeit schon wieder faszinierendes Konstrukt aus Lügen, Verdorbenheit, Aggression, Auto-Aggression und Arroganz.

Mit seinem Kampfgeist hat Krebs-Bezwinger Armstrong Kranken Hoffnung gemacht, sie inspiriert und ihnen mit seiner Stiftung reale Hilfe geleistet. Doch der radelnde Anti-Krebs-Gott hat nicht gelebt, was er den Kranken vorspielte: Er wehrt sich seit einigen Tagen nicht mehr gegen den Vorwurf, ein ganzes Sportlerleben lang Mittel eingenommen und Methoden gefrönt zu haben, die Krebs verursachen können. Armstrong hat nicht nur eine zentrale Rolle in einem Arzneimittel-Missbrauchssystem gespielt und davon profitiert. Er hat anderen die Selbstvergiftung vorgelebt und an seinen Kritikern bittere Rache genommen. Armstrong hat durch sein Vorbild andere dazu gebracht, krebserregende Mittel einzunehmen.

Die Helden des Blutbeutel-Kartells

Natürlich kann Armstrong fragen: Wen hätte ich schützen sollen? Wir sind doch alle gleich? Es wird schwer, im Profi-Peloton echte Armstrong-Opfer zu finden. Sollte er wirklich seine sieben Gelben Trikots verlieren, wonach es allerdings schon wegen der Verjährungsfrist gar nicht aussieht, fände sich unter den Zweitplazierten kein einziger würdiger Erbe. Ullrich? Klöden? Basso? Beloki? Zülle? Die Helden des Blutbeutel-Kartells, die Kommandeure der Spritzen-Armee? Es gibt buchstäblich keinen mehr, den man herzeigen könnte. Selbst der Straßen-Olympiasieger von London, Alexander Winokurow, ist ja nur noch peinlich.

Die größte Ironie liegt aber darin, dass der Internationale Radsport-Verband UCI permanent die Zuständigkeit für das Armstrong-Verfahren einfordert - zuletzt vor dem Bundesgericht in Austin. Dabei war er doch wohl lange genug zuständig und hat nichts gegen den Profi unternommen. Hunderte von Dopingtests hat die UCI ganz offensichtlich versemmelt, Indizien unter den Tisch gekehrt, Geld von ihm angenommen, geduldet, dass er Überraschungstests verzögerte, ihn hofiert und verteidigt. Nun aber hat das Leben den Chef-Lügner des Profi-Radsports eingeholt - und endlich brechen die Kulissen weg.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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