27.09.2007 · Eine neue Erfindung des Fraunhofer-Instituts wird künftig die Fahndung nach gestohlenen Kunstwerken erleichtern. Ein Mobiltelefon, das den sofortigen Abgleich mit einem Computerarchiv gestohlener Bilder ermöglicht, kann den Kunstdetektive eine wertvolle Hilfe sein.
Von Swantje KarichEs wird geklaut, allerorten: Im Februar wurden aus einer Pariser Wohnung der Enkelin Picassos zwei Gemälde ihres Großvaters gestohlen, geschätzter Wert fünfzig Millionen Euro. In Mannheim verschwand im März 2006 ein Spitzweg aus der Kunsthalle. Beide Bilder sind mittlerweile wohlbehalten zurück: So gestand ein Anwalt, das kleine Gemälde „Friedenszeit“ während der Langen Nacht der Museen entwendet zu haben - „kinderleicht“. Und auch auf Kunstmessen wundert sich nicht selten ein Galerist über das Fehlen eines Werks an seinem Stand. Jährlich verschwindet Kunst im Wert von einigen Milliarden Euro.
Hilfe naht jetzt für alle Detektive, die die verschwundenen Werke wiederbringen sollen und bei denen die visuelle Datenbank im Gehirn bereits aus allen Nähten platzt. Denn wer kann schon 180.000 Bilder im Kopf präsent halten? So viele Vermisste führt allein die Datenbank des internationalen Archivs für verlorene und gestohlene Kunst, das „Art Loss Register“. Auch das Landeskriminalamt, Interpol und FBI kämpfen gegen die Kunstdiebe. Eine Erfindung wird nun den Alltag gerade dieser Beamten verändern.
Digitale Streifzüge
Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin hat ein mobiles Fahndungssystem entwickelt: Die Ermittler können auf ihren Streifzügen über Flohmärkte, bei Versteigerungen und auf Kunstmessen das mutmaßliche Raubgut mit der Kamera ihres Mobiltelefons fotografieren. Das digitale Bild wird direkt an einen Server gesendet, der mit der Datenbank von „Art Loss Register“ oder auch dem Pendant, der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg, verbunden ist. Automatisch sucht ein Computerprogramm in der Datenbank nach dem geschickten Kunstwerk. Das automatische Erkennungsprogramm orientiert sich an der Form, Kontur und Farbe der Fotos. Die Auflösung durchschnittlicher Mobiltelefone reicht zum Vergleich aus, so heißt es. Der Vorteil der Erfindung: Die Antwort kommt automatisch und in Sekundenschnelle zurück aufs Handy; im besten Fall lautet sie „Übereinstimmung neunzig Prozent“ - das heißt, ein ähnliches oder eben dasselbe Werk ist in der Datenbank gespeichert.
Bisher glich die Suche von Polizei, FBI und Interpol einer Sisyphusarbeit: Jedes Bild wird fotografiert und erst später auf dem Revier einer umfangreichen Datenbank-Recherche unterzogen, um den Verdacht zu verifizieren. Dann erst kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden: den Dieben das Handwerk zu legen. Die sind dann meistens längst auf und davon.
Laienhilfe
Allein beim Bayerischen Landeskriminalamt arbeiten fünf Beamte, die von der neuen mobilen Kunstfahndung des Berliner Fraunhofer Instituts profitieren könnten. Im vergangenen Jahr konnten sie nur einen Bruchteil der Diebstähle in ihrem Revier aufklären. Von nun an kann ihnen auch der Laie helfen. Deshalb sollten Besitzer von Hehlerware künftig nicht nur Kunstexperten aus ihren Wohnzimmern fernhalten, sondern auch Freundschaften mit Menschen meiden, die Fotohandys haben. Man stelle sich vor, die neue Software würde Standardausrüstung in jedem Mobiltelefon mit Kamera: Gemeinsam gegen die Kunstmafia.
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