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Veröffentlicht: 05.06.2013, 14:12 Uhr

Kröner-Fresenius-Preis an Ruslan Medzhitov Feinde des Immunsystems

Beim Nobelpreis wurde er übergangen. Aber nun erhielt der in Yale forschende Immunologe Ruslan Medzhitov den neu ausgelobten und hoch dotierten Preis der Kröner-Fresenius-Stiftung.

von Nicola von Lutterotti
© dpa Ruslan Medzhitov anläslich der Preisverleihung in Berlin.

Sein Interesse am menschlichen Immunsystem begann im Jahr 1989: Während des Biologiestudiums an der Universität in Taschkent las Ruslan Medzhitov einen Fachbeitrag des Immunologen Charles Janeway. Die darin erörterte - und mittlerweile von ihm selbst bestätigte - Hypothese des amerikanischen Vordenkers faszinierte Medzhitov, den 1966 geborenen Sohn eines Mathematikers, so sehr, dass er aus Usbekistan in die Vereinigten Staaten auswanderte und über Umwegen schließlich „im Paradies ankam“, so Medzhitov über das Glück, in Janeways Labor an der Yale University forschen zu können.

Jetzt kann sich Medzithov, inzwischen ebenfalls Professor an der Yale University, erneut glücklich schätzen. Denn in Berlin durfte er den mit sagenhaften vier Millionen Euro dotierten Else-Kröner-Fresenius-Award entgegennehmen. Der Preis der gleichnamigen Stiftung wurde anlässlich des 25. Todestages von Else Kröner Fresenius, der Stifterin und Gründerin des weltweit tätigen Gesundheitskonzerns Fresenius, erstmals ausgelobt.

Einstimmige Wahl

Von einem internationalen Expertengremium einstimmig gewählt, erhält Medzhitov die Auszeichnung für seine wegweisenden Erkenntnisse über das angeborene Immunsystems. Ein besonderes Anliegen war es der Stiftung, einen Immunologen mit visionären, aber realisierbaren Zukunftsprojekten zu würdigen. Dass seine Leistungen mit einem noch dazu ungewöhnlich großzügigen Preisgeld honoriert werden, dürfte Medzhitov über eine unlängst erlittene, herbe Enttäuschung hinwegtrösten: Im Jahr 2011 wurde er bei der Vergabe des Medizinnobelpreises übergangen, obwohl er und sein im Jahr 2003 verstorbener Mentor maßgeblich zu den gewürdigten Entdeckungen beigetragen hatten. Dieser Fauxpas war damals von namhaften Immunologen in einem Brief an das renommierte Fachblatt „Nature“ (doi:10.1038/479178a) kritisiert worden.

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Die beiden Yale-Forscher hatten einen wichtigen Gefahrensensor des angeborenen Abwehrsystems identifiziert und darüber hinaus herausgefunden, wie der betreffende Rezeptor Freund von Feind zu unterscheiden vermag. Daher weiß man heute, dass der Radarschirm des entwicklungsgeschichtlich alten, angeborenen Immunsystems nach evolutionsbiologisch konservierten Mustern fahndet. Das können etwa bakterientypische Zuckerproteinbausteines sein oder auch bestimmte Erbmoleküle, die nur bei Viren vorkommen.

In allen Fällen handelt es sich aber um Strukturen, die aufgrund ihrer überlebenswichtigen Bedeutung für den betreffenden Erreger seit Jahrmillionen gleich geblieben sind und daher auch schon bei Urahnen heutiger Lebewesen immunologische Warnsignale ausgelöst haben dürften. Im Unterschied hierzu erkennt das phylogenetisch sehr viel jüngere, erworbene Immunsystem auch neue, unbekannte Feinde. Um in Gang zu kommen, benötigt es allerdings die tatkräftige Unterstützung des ursprünglichen Abwehrsystems - eine Einsicht, die ebenfalls auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Medzhitov und Janeway zurückgeht.

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