Home
http://www.faz.net/-gpc-79pqp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kröner-Fresenius-Preis an Ruslan Medzhitov Feinde des Immunsystems

Beim Nobelpreis wurde er übergangen. Aber nun erhielt der in Yale forschende Immunologe Ruslan Medzhitov den neu ausgelobten und hoch dotierten Preis der Kröner-Fresenius-Stiftung.

© dpa Vergrößern Ruslan Medzhitov anläslich der Preisverleihung in Berlin.

Sein Interesse am menschlichen Immunsystem begann im Jahr 1989: Während des Biologiestudiums an der Universität in Taschkent las Ruslan Medzhitov einen Fachbeitrag des Immunologen Charles Janeway. Die darin erörterte - und mittlerweile von ihm selbst bestätigte - Hypothese des amerikanischen Vordenkers faszinierte Medzhitov, den 1966 geborenen Sohn eines Mathematikers, so sehr, dass er aus Usbekistan in die Vereinigten Staaten auswanderte und über Umwegen schließlich „im Paradies ankam“, so Medzhitov über das Glück, in Janeways Labor an der Yale University forschen zu können.

Jetzt kann sich Medzithov, inzwischen ebenfalls Professor an der Yale University, erneut glücklich schätzen. Denn in Berlin durfte er den mit sagenhaften vier Millionen Euro dotierten Else-Kröner-Fresenius-Award entgegennehmen. Der Preis der gleichnamigen Stiftung wurde anlässlich des 25. Todestages von Else Kröner Fresenius, der Stifterin und Gründerin des weltweit tätigen Gesundheitskonzerns Fresenius, erstmals ausgelobt.

Einstimmige Wahl

Von einem internationalen Expertengremium einstimmig gewählt, erhält Medzhitov die Auszeichnung für seine wegweisenden Erkenntnisse über das angeborene Immunsystems. Ein besonderes Anliegen war es der Stiftung, einen Immunologen mit visionären, aber realisierbaren Zukunftsprojekten zu würdigen. Dass seine Leistungen mit einem noch dazu ungewöhnlich großzügigen Preisgeld honoriert werden, dürfte Medzhitov über eine unlängst erlittene, herbe Enttäuschung hinwegtrösten: Im Jahr 2011 wurde er bei der Vergabe des Medizinnobelpreises übergangen, obwohl er und sein im Jahr 2003 verstorbener Mentor maßgeblich zu den gewürdigten Entdeckungen beigetragen hatten. Dieser Fauxpas war damals von namhaften Immunologen in einem Brief an das renommierte Fachblatt „Nature“ (doi:10.1038/479178a) kritisiert worden.

Mehr zum Thema

Die beiden Yale-Forscher hatten einen wichtigen Gefahrensensor des angeborenen Abwehrsystems identifiziert und darüber hinaus herausgefunden, wie der betreffende Rezeptor Freund von Feind zu unterscheiden vermag. Daher weiß man heute, dass der Radarschirm des entwicklungsgeschichtlich alten, angeborenen Immunsystems nach evolutionsbiologisch konservierten Mustern fahndet. Das können etwa bakterientypische Zuckerproteinbausteines sein oder auch bestimmte Erbmoleküle, die nur bei Viren vorkommen.

In allen Fällen handelt es sich aber um Strukturen, die aufgrund ihrer überlebenswichtigen Bedeutung für den betreffenden Erreger seit Jahrmillionen gleich geblieben sind und daher auch schon bei Urahnen heutiger Lebewesen immunologische Warnsignale ausgelöst haben dürften. Im Unterschied hierzu erkennt das phylogenetisch sehr viel jüngere, erworbene Immunsystem auch neue, unbekannte Feinde. Um in Gang zu kommen, benötigt es allerdings die tatkräftige Unterstützung des ursprünglichen Abwehrsystems - eine Einsicht, die ebenfalls auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Medzhitov und Janeway zurückgeht.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.06.2013, 14:12 Uhr

Eskalation

Von Nikolas Busse

Die Reaktion der Nato auf die russische Aggression ist angemessen - aber im Kern zurückhaltend. Das Gebaren Russlands in der Ukraine ist ein epochaler Bruch. Die SPD tut sich mit dieser Erkenntnis noch immer schwer. Mehr 41

Türkische Trinkkultur Wenn selbst das Anstoßen zu unpersönlich ist

Ein Raki ist nicht nur ein türkischer Schnaps. Zum Raki gehören Freunde, Unterhaltung und gutes Essen. Am Ende bleibt alles Gesagte am Tisch. Ursula Heinzelmann gibt eine Einführung. Mehr Von Ursula Heinzelmann, Köln 1 5

Deutsche Großstädte Wo es sich gut arbeiten lässt

Wo lässt es sich nicht nur gut leben, sondern auch Karriere machen? Eine Jobbörse hat das untersucht. Das Ergebnis: Ostdeutsche Städte holen auf, mancher Klassiker büßt an Beliebtheit ein. Mehr 17 9

30 Jahre Seat Ibiza Vier Versuche für ein Olé

Was wären die Spanier ohne ihren Ibiza? Der junge Iberer wird 30. Mit der vierten Generation bringt Seat Schwung in ihre erfolgreiche Baureihe. Mehr Von Wolfgang Peters 2 1

Diego Maradona bei Franziskus Papst schüttelt die Hand Gottes

Vor einem Benefizspiel in Rom traf sich Papst Franziskus mit Fußballstars aus Vergangenheit und Gegenwart, darunter auch Diego Maradona. Was sich die beiden Argentinier zu sagen hatten und wie es Maradona mit der Religion hält – der Smalltalk. Mehr 18