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Partnerschaft : Einmal weg von dir und retour

„Es ging einfach nicht mehr“: Irgendwann bleibt nur noch die Reißleine. Bild: Thomas Fuchs

Krise, Trennung, Scheidung – Versöhnung: Wie schaffen es Paare, schwere Zeiten so zu meistern, dass sie anschließend wieder zueinanderfinden?

          Peter Staigers zweite Hochzeit war nicht ganz so opulent wie die erste. Standesamt statt Kirche, die Braut trug gedecktes Grün, kein Weiß. Anders als beim ersten Mal wurde bei Staigers daheim gefeiert, nicht in einem teuren Restaurant. Ein rauschendes Fest war es trotzdem. Staiger kann sich kaum an das Ende des Abends erinnern, weil er so betrunken war. Eltern und Schwiegereltern, die Freunde, die Kinder – alle schwelgten mit dem Paar im Glück. „Es war komisch irgendwie“, sagt der frischgebackene Ehemann. „Das brauchte es, um wieder rund zu sein.“ Die Frau, mit der er fortan sein Leben verbringen wollte, war dieselbe wie beim ersten Mal – seine Ex.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Krise, Trennung, Scheidung – wenn die Liebe aus dem Tritt gerät, geht es oft steil und endgültig bergab. Nicht dass das grundsätzlich eine Katastrophe wäre. Es gibt Beziehungen, in denen die Beteiligten einander so unglücklich machen, dass ein Ende zur Befreiung wird. Aber reicht das, um eine Scheidungsrate von 40 Prozent zu erklären? Heiraten tatsächlich zwei von fünf Männern und Frauen den Falschen? Oder vermasseln die Partner es im Lauf der Zeit? Kürzlich hat die Online-Umfrage eines Dating-Portals ergeben, dass sich jeder dritte Single den Ex zurückwünscht.

          Wie und warum also schaffen es manche Paare, existentielle Krisen so zu meistern, dass sie hinterher noch oder wieder zusammen sind?

          „Keine Ahnung“, sagt Peter Staiger, der in Wirklichkeit anders heißt. „Das war der Horror. Ich würde keinem diese Nummer empfehlen. Aber ohne die Trennung wären wir heute nicht so glücklich.“

          Über die Zeit können sich Dinge aufschaukeln

          Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zufriedenheit in Partnerschaften in den ersten zehn Jahren nachlässt. Jede Beziehung kann unter Druck geraten, zum einen durch Erschütterungen von außen: Krankheit, Jobverlust, der Dauerstress, solange die Kinder klein sind. Zum anderen entstehen, wie der Paarforscher Kurt Hahlweg sagt, Professor an der Technischen Universität Braunschweig, Belastungen aus der Bindung selbst. Da brauche es nicht einmal einen Seitensprung oder einen anderen eklatanten Vertrauensbruch, um die Liebe in Frage zu stellen. „Es ist“, sagt der Psychologe, „die Summe von Kleinigkeiten, die über die Dauer problematisch werden.“ Vielleicht erzählt er immer dieselben Witze. Sie hortet Schuhe. Er geht gerne tanzen. Sie mag Spieleabende lieber. Alles banal, jeder Aspekt für sich genommen. Aber: „Über die Zeit schaukelt sich das auf“, sagt Hahlweg.

          Wenn Paare dann therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, heißen die Top Drei ihrer Konfliktfelder laut Professor Hahlweg: Kommunikation. Zuwendung. Sexualität. Dahinter verberge sich in den meisten Fällen der Grundkonflikt über das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz, das es in jeder Beziehung auszuloten gelte – sowie die ewige Frage: „Liebst du mich?“

          Für Peter Staiger kam die Krise überraschend. Er hatte eine Studienfreundin geheiratet, die Kinder mit ihren drei und sechs Jahren waren aus dem Allergröbsten raus. Die Ehe ging schon in das sprichwörtlich verflixte siebte Jahr, man stritt wenig, und der Jurist war überzeugt, es gehe ihnen gut. Heute würde er sagen: „Es war vielleicht alles zu harmonisch. Es lief so nebenher.“

          Teurer Paartherapeut und verhaltensauffällige Kinder

          Dann verliebte sich seine Frau in einen Anderen. Staiger war zutiefst verletzt. Keine Frage, wer die Ehe an die Wand gefahren hatte! 150 Euro die Stunde zahlten sie einem Paartherapeuten. „Da war es zu spät“, seufzt Staiger. Zu Hause flogen die Fetzen, die Kinder waren durch den Wind. Als sich die Anrufe aus der Schule häuften, weil der Erstklässler verhaltensauffällig wurde, zogen die Eltern die Reißleine: „Es ging einfach nicht mehr“, sagt Staiger.

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