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Krimi Ohne eine Leiche geht es nicht

27.02.2006 ·  Beim Bankraub können Täter auf bewundernde Kommentare hoffen. Voraussetzung: Der Räuber geht intelligent vor, nimmt keine Geiseln und tötet niemanden. Im Krimi kommt der Banküberfall deswegen selten vor. Der Krimi braucht eine Leiche - mindestens.

Von Carsten Germis
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In den Tresoren der Banken liegt das, woran es den meisten Menschen mangelt: Geld. Wer in finanziellen Schwierigkeiten ist, phantasiert gern von einem Bankraub, der schnelle Besserung verspricht. Bei keinem anderen Verbrechen können die Täter auf so wohlwollende und bewundernde Kommentare hoffen wie nach einem gelungenen Bankraub. Voraussetzung: Der Räuber geht intelligent vor, nimmt keine Geiseln und tötet keine Bankangestellten.

Im Kriminalroman kommt der Banküberfall deswegen nur selten vor. Der Krimi braucht eine Leiche - mindestens. Der Überfall steht deswegen zumeist am Anfang der Geschichte; Mord und Totschlag sind dann die Folge.

Computerhacker oder Investmentbetrügereien sind bedeutender

Den wohl bekanntesten Krimi um einen Banküberfall hat der Amerikaner Jim Thompson geschrieben. 1959 erschien er unter dem Titel "The Getaway". Der Held der Geschichte, Doc McGraw, ist ein Bankräuber, der - gerade aus dem Gefängnis entlassen - mit seiner Frau Carol wieder eine Bank ausraubt. Doch dann geht alles, was schiefgehen kann, schief. Doc erschießt Komplizen und Polizisten - und zwischen ihm und Carol wächst auf der Flucht das Mißtrauen.

Irene Rodrian, die in den siebziger und achtziger Jahren zu den bekanntesten deutschen Krimiautorinnen gehörte und jetzt nach langem Schweigen wieder schreibt, hat 1975 mit "Die netten Mörder von Schwabing" einen Roman vorgelegt, in dem es gleich zwei Banküberfälle gibt. Am Anfang schaut eine Schriftstellerin zufällig aus dem Fenster und blickt auf die Bank gegenüber: "Die Glastür der Bankfiliale wurde aufgestoßen, und die drei Typen stürzen heraus. Sie hatten Tragetüten bei sich. Einer stolperte, die anderen rannten fast über ihn drüber, rissen die Türen des Peugeot auf, warfen die Tüten hinein und hechteten hinterher." Sie erkennt einen der Täter, bandelt mit ihm an - und gehört zur Bande. Aber dann ist der Bankkassierer tot, der bei dem Überfall zusammengeschossen worden ist.

Wirtschaftlich gesehen, sind Computerhacker oder Investmentbetrügereien heute ungleich bedeutender als der klassische Banküberfall. Jacques Berndorf hat in seinem Krimi "Die Raffkes" die Affäre um die Bankgesellschaft Berlin genommen, um das zu zeigen. Am Anfang explodiert eine Bombe, am Ende steht ein Milliardenloch, das die Bank der Stadt beschert.

In Wolf Haas' Krimi "Das ewige Leben" und in Jakob Arjounis "Magic Hoffmann" sind es erfolgreiche Banküberfälle in der Jugendzeit, die später zu Verwicklungen und Verbrechen führen. Ganz frisch auf dem Markt ist Elmore Leonards "The hot kid". US Marshal Carl Webster macht Jagd auf Bankräuber Jack Belmot. Doch es gibt da noch andere Killer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.02.2006, Nr. 8 / Seite 51
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