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Krieg in Afghanistan Geheime Dokumente, ernste Lage

 ·  Die Veröffentlichung von mehr als 90.000 geheimen Dokumenten über den Einsatz der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan gibt einen einmaligen Einblick in den Konflikt am Hindukusch. Die Lage ist ernst - diese Erkenntnis aber ist nicht neu.

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Mit einem Schlag sind mehr als 90.000 geheime Dokumente über den Einsatz der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan an die Öffentlichkeit gelangt. Das ist zweifellos ein einmaliger Vorgang. Erst die elektronische Datenverarbeitung und das weltweite Netz ermöglichen eine derart umfassende Aktion.

„WikiLeaks“, eine auf Veröffentlichung von Regierungsdokumenten spezialisierte Internetseite, lenkt damit die Aufmerksamkeit auf sich. Drei Zeitungen und Zeitschriften in den Vereinigten Staaten, Britannien und in Deutschland können sich die Feder an den Hut heften, dass ihnen das Material schon vor Wochen zur Prüfung überlassen wurde und sie jetzt gleichzeitig und exklusiv darüber berichten dürfen.

Einblick in viele Facetten des Konflikts

Die Dokumente — oft Berichte direkt aus dem Kampfgeschehen mit Aufständischen oder unmittelbar von der Spionagefront — stammen aus der Zeit zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2009. Das sind die Jahre vor dem von Präsident Obama durchgesetzten Strategiewechsel, als in Washington die Bewältigung der Folgen des Irak-Krieges noch wichtiger war als die zunächst kaum zur Kenntnis genommene Verschlechterung der Lage in Afghanistan.

Das veröffentlichte Material mag Fachleuten einen einmaligen Einblick in die vielen Facetten des Konflikts am Hindukusch geben. Und in Einzelfällen wird möglicherweise bewiesen, was in der Öffentlichkeit bisher nur irgendwie gewusst oder vermutet worden ist. Eine ganz neue Beurteilung der Verhältnisse fordern diese Dokumente nicht. Dass die Lage ernst ist in Afghanistan, haben wir bisher auch schon gewusst.

Immerhin: Die Information, dass die Taliban über tragbare Luftabwehrraketen verfügen, die sich selbst ihr Ziel suchen, ist ein Grund zur Besorgnis. Solche Waffen haben in den achtziger Jahren zum Sieg der Mudschahedin über die sowjetischen Besatzungstruppen beigetragen.

Dennoch sollte man hier keine kurzschlüssigen Vergleiche ziehen. Beunruhigen muss auch, wenn der pakistanische Geheimdienst ISI, von dem bekannt ist, dass er zu Zeiten Präsident Musharrafs ein doppeltes Spiel gespielt hat, nach wie vor die Taliban und andere extremistische islamische Gruppen unterstützt. Den Beweis können die jetzt bekannt gewordenen Dokumente allerdings nicht liefern. Daher fragt sich, ob das öffentliche Interesse einen derart massiven Geheimnisverrat rechtfertigt.

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26.07.2010, 18:04 Uhr

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