13.04.2005 · Wie groß ist die Gefährdung durch Kleinplaneten wirklich?
Noch weit in die Neuzeit hinein waren den Astronomen von all den Objekten, die die Sonne umkreisen, nur die größeren Planeten bekannt. Erst in der Nacht zu Neujahr 1801 spürte Giuseppe Piazzi von der Sternwarte Palermo aus den ersten Kleinplaneten auf. Damals ahnte noch niemand, daß es eine riesige Menge solch zum Teil winziger Himmelskörper im Sonnensystem gibt. Bislang sind fast 100000 entdeckt worden, von denen etliche auch heute noch mit der Erde kollidieren können. Wie groß die Gefahr eines Zusammenstoßes jeweils ist, wird mit einer Zahl von 0 bis 10 auf der sogenannten Turin-Skala angegeben, auf die sich die Astronomen im Jahr 1999 bei einem Treffen in der gleichnamigen Stadt geeinigt haben. Weil die Daten in einigen Fällen unnötige Befürchtungen in der Öffentlichkeit ausgelöst haben, ist die Turin-Skala noch einmal überarbeitet worden. In ihrer neuen Form ist die Einteilung dieselbe geblieben, aber die Beschreibung der möglichen Konsequenzen hat sich geändert.
Bis Mitte vergangenen Jahres hatten die Astronomen mit speziellen Suchprogrammen 2600 Kleinplaneten gefunden, die in die Nähe der Erde gelangen. Von denen dürften 691 einen Durchmesser von mindestens einem Kilometer haben, davon wiederum könnten 131 irgendwann auf die Erde stürzen - mit schlimmen Folgen. Die Astronomen glauben, nun 65 Prozent der "erdnahen Kleinplaneten" erfaßt zu haben. In den kommenden zehn Jahren soll der Wert bis auf 90 Prozent gesteigert werden.
Etwa eine Handvoll der beobachteten Objekte, die von den Astronomen sämtlich schon nach kurzer Prüfung als ungefährlich eingestuft wurden, hat in der Öffentlichkeit zu Irritationen geführt. Der Kleinplanet 2003QQ47 beispielsweise belegt die Stufe1 der Turin-Skala, die bisher mit dem Vermerk "Eine sorgfältige Beobachtung wird empfohlen" charakterisiert wurde: "Die Wahrscheinlichkeit einer Kollision ist extrem unwahrscheinlich, etwa so wie der Zusammenstoß mit einem zufälligen Objekt derselben Größe innerhalb der kommenden Jahrzehnte." Der neue Vermerk lautet schlicht "Normal", und dann heißt es unter anderem: "Weitere Beobachtungen mit Teleskopen werden höchstwahrscheinlich zu einer Rückstufung auf die Stufe 0 führen." Der angemahnten Beobachtung ist also der Stachel genommen.
Die Stufen 2 bis 4 auf der Skala haben nun statt des früheren Vermerks "Ereignisse, die eine sorgfältige Behandlung verdienen" den "harmloseren", weil nur noch auf die Fachleute bezogenen Vermerk "Verdienen Beachtung durch die Astronomen" erhalten. Bislang ist nur einmal - im vergangenen Dezember - ein Objekt auf die Stufe 4 gesetzt worden. Nach ersten Rechnungen gab es eine Wahrscheinlichkeit von zwei Prozent, daß der Kleinplanet 2004MN4 im Jahr 2029 auf die Erde prallen würde. Aber rasch konnte das Objekt auf 0 zurückgestuft werden. GÜNTER PAUL
| Name | Kurs | Prozent |
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