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Kopenhagen Ein Freistaat wird zahm

06.12.2001 ·  Die rund 1.000 Kommunarden des Freistaats Christiania haben seit den 70er Jahren auf einem ehemaligen Kasernengelände ein Sammelbecken alternativer Lebensformen geschaffen. Die staatliche Autorität lehnen sie vehement ab, sie leben nach eigenen Gesetzen und Vorstellungen.

Von Christian Nowak
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Seit den 70er Jahren ist der Freistaat Christiania auf einem ehemaligen Kasernengelände ein Sammelbecken alternativer Lebensformen. In dem autofreien Stadtteil ohne Hausnummern und Straßennamen leben knapp 1000 Menschen. Jeder kennt jeden. Spitznamen oder Vornamen genügen für ein Miteinander.

Die staatliche Autorität lehnen sie vehement ab, leben nach eigenen Gesetzen und Vorstellungen - und haben deshalb permanent Ärger mit dem Staat. Auch ein Freistaat kommt nicht ohne ein paar klare Regeln aus: keine harten Drogen, keine Waffen und keine Gewalt.

Bis alle Christianitter die Notwendigkeit dieser einfachen Regeln verinnerlicht hatten, mussten sie viel Lehrgeld zahlen. Meistens ging es um Haschisch, eines der Reizthemen zwischen Staat und Freistaat. Mittlerweile toleriert die Polizei zwar den Verkauf von Hasch in Christiania, aber legalisiert ist der Handel deshalb noch lange nicht. Durch die Pusherstreet ziehen die unverwechselbaren, würzigen Rauchschwaden, in den kleinen Buden werden die braunen Tafeln wie Schokolade verkauft. Doch das Gleichgewicht ist äußerst labil, so ganz traut man dem Frieden nicht.

Besonderer Tipp: Weihnachtsbasar

Mittlerweile ist auch der Freistaat etwas zahmer geworden. Ein Bummel durch Christiania ist nun fester Bestandteil für viele Kopenhagen-Besucher. An Wochenenden überschwemmen manchmal ganze Busladungen das ehemalige Kasernengelände. Dann fühlen sich die Bewohner wie im Zoo und müssen ihre Mischung aus dörflichem und alternativem Leben von unzähligen Videokameras und Fotoapparaten ablichten lassen. Christiania ist immer noch exotisch und ein liebenswerter Anachronismus zum Rest Dänemarks mit seinen perfekt getrimmten Vorgärten. In Christiania wird man von grellen Graffitis und chaotischer Unordnung und ziemlich viel rostendem Schrott empfangen. Doch schon allein wegen der phantasievollen Häuser, die jede Norm sprengen, lohnt sich der Besuch.

Auch dort wird Weihnachten gefeiert, allerdings mit einem Kontrastprogramm zum Weihnachtsmarkt im Tivoli und bei Royal Kopenhagen. In der sogenannten Grauen Halle findet der große Weihnachtsbasar der Christianitter statt. Für die Kopenhagener ist diese Veranstaltung schon lange kein Geheimtipp mehr, doch Touristen verschlägt es nur selten hierher. Trotzdem ist die alte Halle jeden Tag brechend voll, dampfend warm, und es riecht nach allen Gewürzen der Erde. Hier bieten die Christianitter vor allem allerlei exotische Snacks und Kunsthandwerk an, das in den Werkstätten des Freistaates hergestellt wurde.

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