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Konsistorium im Vatikan Phantasien in Purpurrot

Das Konsistorium am Samstag hätte schöne Routine sein sollen, doch Vermutungen über einen Machtkampf im Vatikan werfen einen Schatten auf die Versammlung der Kardinäle.

© REUTERS Vergrößern Kardinäle im Wind: Auf dem Begräbnis von Papst Johannes Paul II.

Eigentlich hätte das Konsistorium an diesem Samstag im Vatikan schöne Routine werden sollen; stattdessen spricht man in Rom von einem Machtkampf in der Kurie. Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone muss sich gegen Schläge aus dem Dunkeln verteidigen; und es ist nicht klar, ob die Angriffe nur ihm gelten oder auch Papst Benedikt XVI.

In regelmäßigem Abstand, meist zu Beginn oder Ende eines Jahres, beruft der Papst die Kardinäle ein und nutzt das Konsistorium, um den neu ernannte Purpurträgern ihre rote, viereckige Kopfbedeckung, das Birett, den Kopf zu setzen. Der Vatikanpalast öffnet sich danach, und die Römer durchschreiten die prunkvollen Hallen, um den neuen Kardinälen zu gratulieren.

Dieses Mal sind es 22 neue Kardinäle. Es sind vielleicht mehr Europäer darunter als gewöhnlich, viele Italiener. Meist aber handelt es sich um Bischöfe, die in eine neue Funktion aufgestiegen sind. So erhält auch der neue Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, das rote Birett, denn die Leitung des Bistums ist traditionell mit einem Kardinalshut verbunden. Der Spross aus der Kölner Erzdiözese von Joachim Kardinal Meisner ist 55 Jahre alt; Woelki ist damit noch vor dem Erzbischof von München, Reinhard Marx, Jahrgang 1953, das jüngste Mitglied des Kardinalskollegiums.

18596157 © AFP Vergrößern Papst Benedikt XVI.

Gleichwohl wird das Konsistorium nicht wie beabsichtigt ein schönes Routinefest. Aufsehenerregende Berichte legten in den vergangenen Tagen nahe, dass im Vatikan ein Machtkampf ausgetragen wird. Nach Auffassung mancher Prälaten weist Papst Benedikt XVI. diejenigen nicht klar genug zurück, die Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, seinem zweiten Mann, derzeit das Leben schwer machen. Der 77 Jahre alte Kardinal, dem Benedikt auch wegen der langen gemeinsamen Arbeit in der Glaubenskongregation erst im vergangenen Jahr wieder sein Vertrauen ausgesprochen hatte, solle als unfähig dargestellt werden, heißt es.

Selbst von engsten Vertrauten des Papstes waren immer wieder Zweifel an Bertone geäußert worden. Man warf ihm bäuerliche Tumbheit vor, zu viel Interesse an italienischer Innenpolitik oder Trägheit im Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Jugendlichen durch Geistliche. Doch Benedikt XVI. hält zu Bertone. Ende Januar, bei der letzten Sitzung mit den Leitern der Dikasterien, also den Ämtern der Kurie, stärkte ihm der Papst den Rücken und gab den Amtschefs die Anweisung, wichtigere Texte vor der Veröffentlichung zunächst Bertone vorzulegen.

BENIN-VATICAN-RELIGION-POPE-AFRICA © AFP Vergrößern Der Papst mit Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone

Auch im Zusammenhang mit dem Konsistorium berichten manche von einer Schurkerei gegen Bertone, die freilich auf dem Rücken des zweiten neuernannten deutschen Kardinals, Jesuitenpaters Karl Josef Becker ausgetragen wurde. Der im April 1928 geborene Dogmatiker an der Gregoriana in Rom und Berater der Glaubenskongregation unter Ratzinger und auch jetzt im Verfahren um die traditionalistische Piusbruderschaft, wurde plötzlich vom Bertones Amt als krank gemeldet: Er könne nicht am Konsistorium teilnehmen. Dabei konnte ihn jeder in der Gregoriana augenscheinlich gesund herumspazieren sehen. Das fiel bald auf, und Vatikansprecher Federico Lombardi verkündete, Becker könne nun doch kommen. Nun heißt es, Gegner Bertones hätten ihm unterstellen wollen, der Kardinal wisse nicht einmal, ob einer der 22 neu kreierten Purpurträger gesund oder krank sei. Andere sagen, Becker und Bertone sollten wegen ihres Kurses „gegen die Piusbrüder“ bestraft werden. Auch das ist nur ein Gerücht, das aber ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Schüsse gegen Bertone aus dem erzkonservativen Lager kommen.

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