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Kommentar : Lügen in Zeiten der Migration

Junge Hoffnung: Flüchtlingskinder in Berlin Bild: dpa

Nützt Deutschland die Migration? Manche Studien behaupten das. Aber manche Forscher wollen lieber gut als wahrhaftig sein. Ein Kommentar.

          Die Behauptung, dass Migration den aufnehmenden Ländern nütze, macht die Runde. Länder wie Deutschland würden reicher und bunter. Internationaler Währungsfonds, Weltbank und Nichtregierungsorganisationen verbreiten die These. Die frohe Botschaft bekommt Flügel, weil ihr all die guten Menschen Auftrieb verleihen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Aber wie glaubwürdig sind solche Aussagen? Die Auswahl der Studien, die die Günstigkeit der Einwanderung beweisen sollen, ist vorgeprägt von einer Moral, die Migration gutheißt. Nie würde eine Organisation wie die Weltbank Marketing für die Idee machen, dass Migration den aufnehmenden Ländern schadet. Am Ende ist es all den Entwicklungsinstitutionen im Geschäft der Politikberatung wichtiger, gut zu sein als wahrhaftig.

          Ein Migrationsforscher warnt vor seinen Kollegen

          Parteiisch ist auch ein Teil der Wissenschaft, die mit ihren Simulationen bewiesen haben will, dass die Weltgemeinschaft von der Grenzenlosigkeit nur profitiert. Der führende Migrationsforscher der Welt, der aus Kuba stammende und in Harvard lehrende Ökonom Jorge Borjas, warnt ausdrücklich vor seinen Kollegen: „Hütet euch vor jenen Sozialingenieuren, die der Welt Billionen versprechen, wenn sie nur ihre Grenzen niederreißt. Ihre Versprechen beruhen auf windigen Modellen und ungenügenden Beweisen.“

          Fadenscheinig ist das Pro-Migrations Argument, die Einwanderer und Flüchtlinge befreiten die deutsche Gesellschaft vom Los der Vergreisung. Wer so etwas verbreitet, will vermutlich lieber nicht, dass man mal nachrechnet. In dem sehr theoretischen Fall, dass Deutschland eine Million 25-Jährige ins Land ließe, würde das Durchschnittsalter der Deutschen von 43 auf 41 Jahre sinken. Das ist nicht der große Durchbruch. Entscheidend ist die Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt, um die finanziellen Lasten einer vergreisenden Gesellschaft auf mehrere Schultern zu verteilen. Es ist aber gerade nicht klar, ob das gelingt.

          Als Westdeutschland vor 50 Jahren über Gastarbeiter debattierte, sagte der Schriftsteller Max Frisch den Satz: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen, und es sind Menschen gekommen.“ Wir wissen schlicht nicht, ob alle gut mitarbeiten können, ob sie die Kraft aufbringen, das Alte hinter sich zu lassen, um sich gut einzugliedern, und wie hoch die wahren Kosten ihrer Integration sind. Wir wissen noch nicht einmal, ob die Flüchtlinge unter den Migranten denn bleiben werden, wenn sich ihre Heimatländer beruhigt haben.

          Was wir allerdings doch gelernt haben, ist, dass sich Migranten schwer aufhalten lassen. Dies widerspricht dem Eindruck, den Politiker zu vermitteln trachteten. Sie reagierten auf die Flüchtlingsströme mit der Forderung, man müsse den Schleusern das Handwerk legen. Die jüngere Geschichte der Migration ist die einer Militarisierung der europäischen Südgrenze, die in Spanien begann, in Italien fortgesetzt wurde und nun Osteuropa erreicht. Europa gibt jetzt schon Milliarden für die Überwachung und Abwehr der Flüchtlinge aus und züchtet damit Spezialisten heran, die von europäischen Politikern als menschenverachtende Schleuser verunglimpft und von vielen Flüchtlingen eher als Dienstleister der Freiheit empfunden werden. Die Politik wird die Schleuser nicht bremsen, indem sie die Kontrollen verschärft. Im Gegenteil bringt man die Schleuser damit erst ins Geschäft. An grünen Grenzen gibt es keine Menschenschmuggler.

          Strom reißt nicht ab : Rekordzahl an Flüchtlingen im September

          Wenn die deutsche Politik die Kontrolle über Zuwanderung behalten will, ohne einen eisernen Vorhang rund um Europa zu errichten, dann muss sie selbst ins Geschäft des Schleusens einsteigen und die Beförderung der Leute organisieren, die sie haben will. Das muss nicht unentgeltlich sein. Die Flüchtlinge zahlen ihren Schleusern vierstellige Beträge für ihre Passagen.

          Noch eine kleine elegante Lüge macht die Runde: Der Strom der Einwanderer sei auszutrocknen, wenn man die Herkunftsländer befriede oder in sie investiere. Na dann, viel Spaß beim Versuch, Syrien, den Irak oder Libyen zu bändigen. Viel Erfolg auch in Bulgarien und Albanien, die jetzt schon von der internationalen Gebergemeinschaft stark unterstützt werden. Für die Zuwanderung gibt es keine einfache Lösung. Man kann aber mit guten Gründen die Zuwanderung möglich machen, selbst wenn ihre Nützlichkeit nicht ausgemacht ist.

          Quelle: F.A.S.

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