Home
http://www.faz.net/-gpc-75hj7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kolumne „Expat“ Bürokratie in Belgien

An seltsame Fahrweisen der Belgier kann sich der Deutsche gewöhnen - wenn er erst einmal akzeptiert hat, dass ein Auto ein Gebrauchsgegenstand ist. Doch einiges ist wirklich zu skurril.

© REUTERS Vergrößern

An seltsame Fahrweisen der Belgier kann sich der Deutsche gewöhnen - wenn er erst einmal akzeptiert hat, dass ein Auto ein Gebrauchsgegenstand ist und Kratzer und Dellen kein Grund sind, in die Werkstatt zu fahren. Anders sieht das bei den Behörden aus. Denen kann sich auch in Belgien schwer entziehen, wer nicht in die Illegalität abdriften möchte - was so mancher Zugezogene indes ernsthaft in Erwägung zieht, wenn er erst einmal vier Mal im Rathaus war, um zum selben Vorgang (Vaterschaftsanerkennung, Heiratsfähigkeitszeugnis, Meldebescheinigung) von vier Beamten vier verschiedene Unterlagen abverlangt zu bekommen.

Wobei der Ausweg aus dieser Lage dann wieder häufig verblüffend einfach ist: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der fünfte Beamte beim nächsten Behördengang wieder die schon beim ersten Besuch angeforderten Unterlagen verlangt oder plötzlich gar keine mehr.

Das Schicksal der kleinen Valentina

Hat man Pech, macht ein Beamter einen Fall zu seinem persönlichen - wie den der kleinen Valentina. Geboren in Spanien, kam sie mit zweieinhalb Monaten nach Belgien, wo sie ihre schon dort lebenden Eltern im Rathaus ordnungsgemäß anmelden wollten.

Das Problem: die Eltern waren verheiratet, aber nicht als verheiratet eingetragen, da die entsprechenden Unterlagen verlorengegangen waren. Die Unterlagen ließen sich nachreichen. Nun aber hatte ein eifriger Beamter ein normales Anmeldeverfahren für das Kind eingeleitet. Das ist in Belgien mehrstufig und sieht unter anderem vor, dass der Antragsteller sich einem Polizeiinterview zu stellen hat.

Interview mit einem Baby

Der Hinweis der Mutter, dass es sich beim Antragsteller um ein fünf Monate altes Baby handele, focht den Beamten nicht an. Pragmatisch vermerkte er „fünf Monate alt“ im Fragebogen und befragte dann die Mutter stellvertretend zu Freunden und Verwandten (Valentinas), wie sie es mit dem Kinderarzt halte und in welchem Verhältnis sie (also Valentina) zu ihrer Mutter (der tatsächlich Befragten) stehe.

Letzte Frage an das Kind: „Hat Ihre Mutter andere Kinder oder einen anderen Ehemann in Spanien?“ Nachdem er derart auf dem „obrigkeitlichen Schimmel“ herumgeritten war, verlor der Beamte das Interesse am „Vorgang Valentina“. Den - im Verfahren als nächsten Schritt vorgeschriebenen - Besuch bei Valentina daheim vergaß er. Heiratsunterlagen und Geburtsbescheinigung gingen verloren. Fünf Monate lang war Valentina zu diesem Zeitpunkt illegal im Land.

Mehr zum Thema

Und dann: Ein neuer Termin bei der Gemeinde, ein neuer Beamter. Die in Spanien wiederbeschafften Heiratsunterlagen und Geburtsbescheinigungen unwichtig, eine Unterschrift der Mutter hier, eine vom Vater dort, Kind registriert. Belgien ist schizophren.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.01.2013, 14:55 Uhr

Riskante Vermietung

Von Michael Psotta

Mit Wohnungen Geld zu verdienen, ist nicht so leicht wie es derzeit oft klingt - trotz des Immobilienaufschwungs. Dafür gibt es mehrere Gründe. Mehr 5 11

FAZ.NET-Sonderseite Schicksalswahl in Schottland

An diesem Donnerstag entscheiden die Schotten darüber, ob sie künftig unabhängig vom Vereinten Königreich sein wollen. Die Briten zittern - in den Umfragen steht es denkbar knapp. Alle Hintergründe auf der FAZ.NET-Sonderseite. Mehr

Sagen Sie mal, Frau Doktor Kann man weniger Schwitzen lernen?

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: das Kreuz mit dem Schweiß. Mehr 1

Apples mobiles Betriebssystem Das sind die Neuerungen in iOS 8

Von diesem Mittwochabend an können iPhone-Besitzer ihr Betriebssystem auf iOS 8 aktualisieren. Es gibt einige feine Veränderungen aber auch völlig neue Apps. Auf eine Funktion muss man aber noch warten. Mehr Von Marco Dettweiler und Michael Spehr 17 21