Herr Jennings, als Sie im vergangenen Sommer Ihre neue Strategie Karstadt 2015 vorstellten, prophezeiten Sie, dass eine lange und eine harte Reise bevorsteht...
Genau, unsere Strategie ist ein Marathonlauf und kein Sprint. Karstadt ist ein Unternehmen in Transformation. Nach meiner langjährigen Erfahrung im internationalen Warenhausgeschäft wird es vier bis fünf Jahre, wenn nicht sogar länger dauern, bis der komplette Umbau von einem überholten Geschäftsmodell zu einem kundenfokussierten, voller Leben steckenden Unternehmen geschafft ist. Schließlich wurde Karstadt zuvor über zehn Jahre hinweg kontinuierlich heruntergewirtschaftet.
Sie sind mit der Umsetzung ihrer Strategie inzwischen seit mehr als einem halben Jahr unterwegs. Wo bleiben die ersten Erfolge?
Wir sind ein gutes Stück vorangekommen in diesen ersten sechs Monaten seit wir Karstadt 2015 gestartet haben. Die erste Etappe ist meist das schwierigste Stück des Weges. Um noch einmal in Erinnerung zu rufen: Unsere Strategie baut auf den vier Schlüsselkomponenten Modernisierung, Differenzierung, Schärfung des Profils und Vereinfachung des Geschäftsmodells auf. Was die Modernisierung angeht, haben wir im vergangenen Jahr bereits 22 Filialen neu eröffnet.
Was ist dort anders als bisher?
Wir haben dort beispielsweise Multimedia reduziert und stattdessen deutlich mehr Gewicht auf Mode, Beauty, Uhren und Schmuck gelegt. Wir haben mehr Struktur und Licht in die Häuser gebracht. Zusätzlich zu den modernisierten Filialen haben wir an anderen Standorten Abteilungen erneuert, wie zehn zusätzliche Beauty-Abteilungen. Wir haben eine Vielzahl weiterer Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise über 600 Schaufenster nach einem neuen Konzept gestaltet. Und wir sind expandiert: Mit einem neuen Karstadt Sports in Wiesbaden und einer Pilot-Filiale in Göttingen mit dem Namen K Town...
... wo Sie neue, junge Zielgruppen ansprechen wollen. Kaufen denn tatsächlich junge Leute bei einem Karstadt-Ableger ein? Karstadt hat doch eher ein verstaubtes Image.
Sie müssen sich K Town ansehen. Es läuft erfolgreich und wir bekommen tolles Feedback von Kunden jeder Altersklasse. Die Lieferanten zeigen großes Interesse an dem auch von Fachzeitschriften gelobten Konzept. Deshalb denken wir darüber nach, in diesem Jahr ein bis zwei weitere Filialen zu eröffnen. Wo das sein wird, steht aber noch nicht fest.
Sie haben auch eine Schärfung des Profils, die Modernisierung der Sortimente und nicht zuletzt eine Aufwertung der Karstadt-Eigenmarken zu wirklich exklusiven Marken versprochen. Wo sind die faszinierenden Marken, die „Wow-Effekte“, die neues Publikum in die Häuser locken sollen? Viel davon ist noch nicht zu sehen.
Wir müssen schneller werden. Aber der Wandel geht nicht über Nacht, das kann ich nur wiederholen. Es dauert grundsätzlich einige Saisons, bis so ein Umbau im Sortiment auch für die Kunden sichtbar wird. Ab der nächsten Herbst- und Wintersaison wird es einen richtigen Schub geben.
Wir sind gespannt. Verraten Sie uns wenigstens ein paar Beispiele.
Um nur einige der tollen neuen Marken zu nennen: Im Bereich Beauty sind zum Beispiel in Warenhäusern neu O.P.I, The Balm, Kiehls und Bare Minerals. In der Mode sind es Marken wie Campus, Spanx, Desigual oder Laura Biagiotti Lifestyle und viele andere. Sehr erfolgreiche neue Eigenmarken sind zum Beispiel im Bereich Uhren und Schmuck Vandenberg und Daniel Khone.
Wirkt sich das wenigstens schon in Euro und Cent aus?
Natürlich.
Nennen Sie Zahlen. Wie ist der erste große Test, das Weihnachtsgeschäft, ausgefallen? Beim Wettbewerber Kaufhof bleiben ziemlich viele Wünsche offen.
Als privates Unternehmen veröffentlichen wir keine Zahlen. Aber grundsätzlich, Karstadt hat ein Geschäftsvolumen jenseits der Drei-Milliarden-Euro-Marke - das ist ja bekannt. Wir sind mit vorsichtigem Optimismus in den November gestartet. Das Geschäft im Dezember war dann in einigen Bereichen sehr enttäuschend. Der wärmste Winter seit zehn Jahren hat es vor allem für warme Kleidung, Schuhe und Wintersportartikel schwer gemacht. In anderen Abteilungen ist es dafür sehr gut gelaufen. Die Umsätze in den genannten Bereichen haben sich aber angesichts der augenblicklichen Kälte ganz erheblich verbessert.
Allerdings zu schlechten Ausverkaufs-Margen...
Ja, bei Waren aus Herbst und Winter. Das trifft die gesamte Branche. Das trifft nicht für unsere aufregende Frühjahr-/Sommerware zu, die wir natürlich auch schon in den Filialen haben.
Auf Ihrer Agenda steht das Stichwort Spezialisierung, also die Unterteilung der rund 120 Filialen in die drei eigenständigen Gruppen Premiumhäuser, Sporthäuser und „normale“ Warenhäuser. Wie man hört, liegen die Luxushäuser wie das Kadewe in Berlin oder das Alsterhaus gut im Plus.
Premium läuft gut. Wir erleben im Einzelhandel weltweit eine Polarisierung zwischen Luxus auf der einen Seite und Einstiegspreislagen auf der anderen. Die Mitte hat es sehr schwer. Genau deshalb haben wir die inzwischen vollständig abgeschlossene Dreiteilung vorgenommen. Wir legen unseren Fokus auf die Karstadt-Warenhäuser. Hier liegen die Herausforderungen, hier liegt der Schlüssel zum Erfolg.
Wenn die Premiumhäuser so erfolgreich sind, könnte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen diese verkaufen und sich jetzt schon mal einen ordentlichen Gewinn sichern.
Karstadt hat einen langfristig orientierten Besitzer, der das gesamte Unternehmen und die Strategie Karstadt 2015 voll und ganz unterstützt.
... und der als „logischer Käufer und Besitzer“ den Wettbewerber Kaufhof übernehmen wollte, um auf diese Weise sein Engagement bei Karstadt abzusichern. Was wird nun aus den Plänen, nachdem der Metro-Konzern den Kaufhof-Verkauf auf Eis gelegt hat?
Ich bin Karstadt-CEO und konzentriere mich voll und ganz auf Karstadt.
Branchenbeobachter kritisieren, es werde zu wenig in Sachen externe Kommunikation, Außenauftritt und Werbung getan.
Wir haben in den letzten sechs Monaten mit über 20 Medien intensiv über unsere Strategie gesprochen. Allein in meinem Kalender stehen in den nächsten paar Wochen bereits fünf neue Gesprächstermine. Was die Werbung angeht, hat Karstadt stark auf eine genauere und direktere Kundenansprache umgestellt. Wir haben eine einzigartige Kundensegmentierung erarbeitet und können deshalb zum Beispiel gezieltere Mailings einsetzen. Und wir haben unsere Online-Ansprache verstärkt. Seit September sind wir mit großem Erfolg auf Facebook aktiv. Und wir nutzen intensiv Online-Umfragen mit mehreren tausend Kunden. Auch interne Kommunikation wird bei uns groß geschrieben. Einmal im Monat gibt es zum Beispiel „AJ's Coffee Update“. Dabei treffen wir uns mit allen Mitarbeitern der Hauptverwaltung im Foyer, um die neuesten Informationen auszutauschen. In den Filialen werden die Beschäftigten parallel informiert, zum Beispiel per Video. Hinzu kommen weitere Informationskanäle und neue Trainingsprogramme.
Insider monieren, zur Erreichung der Ergebnisziele werde stark auf die Kostenbremse getreten und gespart, wo es eben nur geht.
Kein größeres Unternehmen verzichtet darauf, seine Effizienz zu steigern. Dazu gehört es selbstverständlich darauf zu achten, dass unsere Mittel nur dann eingesetzt werden, wenn wir damit einen Mehrwert für den Kunden schaffen. Aber es geht hierbei nicht um bloßes Sparen. Wir sind dabei, unsere Prozesse einfacher und schneller zu machen. Mit solchen Projekte wie „Liberate“ gewinnen wir erheblich mehr Zeit für den Kunden.
Und Sie haben Ihre Lieferanten im Dezember zur Verlängerung der Zahlungsziele aufgefordert. Hat Karstadt Liquiditätsengpässe?
Nein. Wir brauchen Vereinbarungen mit unseren Handelspartnern, die europäischen Standards entsprechen.
Ein großer Kostenblock kommt ja erst noch auf das Unternehmen zu. Mit dem Auslaufen des Sanierungstarifvertrages im Herbst müssen Sie allein rund 50 Millionen Euro mehr Löhne und Gehälter zahlen. Wie wollen Sie das schaffen?
Das ist in unseren Budgetplanungen berücksichtigt. Wir befinden uns in der Transformation. Anstatt Rückenwind zu bekommen, bläst uns der Wind aufgrund der Konjunkturlage zur Zeit sozusagen ins Gesicht. Aber wir sind mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg und wir haben den vollen Rückhalt unseres Eigentümers.
Das Gespräch führte Brigitte Koch.
Karstadt muss sich noch ändern!
Gerhard Eggert (geeggeeg)
- 08.02.2012, 19:33 Uhr
K-Town in the USA ...
Cao Ky (Caoky60)
- 08.02.2012, 15:35 Uhr
K-Town
Christian Zander (czander)
- 08.02.2012, 15:16 Uhr
K-Town?
Thomas Berger (tberger)
- 08.02.2012, 13:51 Uhr
Karstadt
Closed via SSO (danyandfrank)
- 08.02.2012, 13:47 Uhr
