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Karrieren Kein Reim drauf

Die meisten Gangster-Rapper sind kriminell, bevor sie bekannt werden. Bei Giwar Hajabi aus Bonn war es umgekehrt. Erst, als er einen Goldtransport überfiel, wurde sein Leben so hart, wie es seine Lieder waren.

© Marcus Staiger Vergrößern Der Rapper Giwar Hajabi, alias XATAR, hat sein neuestes Album in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach aufgenommen.

Herr Denker ist ein netter Mann. Mit seinem weinroten Pulli, dem Bart und den nachlässig gekämmten Haaren wirkt er eher wie ein älterer Sozialarbeiter in einem Jugendhaus. Selbstverständlich dürfe ich fotografieren und die Zeit brauchte ich auch nicht unbedingt im Auge zu behalten, sagt er gleich. Er müsse halt dabei sein und gegebenenfalls einschreiten, falls die Kritik am Hause zu einseitig und negativ ausfalle, ansonsten dürfe natürlich über alles gesprochen werden. Dann führt er mich in einen kleinen funktionalen Raum, mit Tisch, Stühlen und Couch, der an eine Teeküche erinnert. Hier sei weniger los, sagt er und das Gespräch ungestörter. Wir plaudern ein wenig über die Formalitäten, als ein uniformierter Mann auftaucht und verkündet: „Er ist da. Wenn Sie wollen, kann ich ihn reinführen.“ Richtig! Bei aller Nettigkeit hätte man das fast vergessen können, aber wir sind doch immer noch im Knast. Vergitterte Fenster. Uniformierte Beamte. Kein Schritt allein. Freiheitsentzug.

Giwar Hajabi ist auch ein netter Mann. Mit seinem massigen Körperbau, dem exakt rasierten Bart, der Glatze und dem dunklen Fleck auf seiner Stirn wirkt er eher wie ein Schauspieler, der in einem etwas älteren Orient-Film den Flaschengeist aus Ali Baba und die vierzig Räuber verkörpern könnte. Sein Lachen ist herzlich, seine Art von jovialer Brüderlichkeit. Zur Begrüßung umarmen wir uns. Als ich ihn vor vier Jahren kennenlernte, nannte er sich XATAR und hatte ein Rap-Album veröffentlicht. Schon damals beeindruckte er durch souveränes Auftreten und ausgesuchte Höflichkeit. Er war einer der vielen Straßenrapper aus einem der Problemviertel dieser Republik, trotz allem hatte man in seiner Gegenwart immer das Gefühl, einem Paten gegenüberzusitzen. Kaschmirmantel, Zigarren, Ferrari. Teilweise geliehen, trotzdem war die Illusion perfekt. Die Kinder liebten ihn, vor allem die kurdischstämmigen, XATAR war der Baba aller Babas. Jemand der es geschafft hat. Jemand, der etwas aus sich gemacht hat. Nun sitzen wir hier. Justizvollzugsanstalt Rheinbach. Vergitterte Fenster. Uniformierte Beamte. Freiheitsentzug.

“Wollen wir auf der Couch sitzen?“, fragt Giwar. „Ich habe schon ewig nicht mehr auf einer Couch gesessen.“ Herr Denker ist einverstanden und zieht sich auf den Stuhl am Küchentisch zurück.

Zahngold für Pforzheim

Vor mir sitzt ein Mann, der vom Oberlandgericht Stuttgart zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er zusammen mit fünf Komplizen Gold im Wert von 1,7 Millionen Euro geraubt hat. Als Polizisten getarnt, stoppten sie in der Nähe der schwäbischen Kreisstadt Ludwigsburg einen Goldtransporter, der ungereinigtes Zahngold zur Wiederaufarbeitung nach Pforzheim bringen sollte. Die vermeintlichen Polizisten winkten den Transporter heraus, erklärten den beiden Fahrern, dass gegen das Unternehmen eine Hausdurchsuchung wegen Steuerhinterziehung im Gange sei, der Wagen deshalb beschlagnahmt würde und die beiden Fahrer festgenommen seien. In dem Moment, als die Handschellen klickten, meinte später einer der Fahrer, habe es auch bei ihm Klick gemacht, doch da sei es bereits zu spät gewesen. Die falschen Polizisten fuhren Fahrer und Transporter in ein nahegelegenes Waldstück, wo man die Fahrer aussetzte und die Räuber mitsamt dem Gold verschwanden.

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Veröffentlicht: 14.12.2012, 16:00 Uhr

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Von Jasper von Altenbockum

Der Forderung, die Zahl der Bundesländer zu verringern, liegt meist ein ökonomisch verbrämter Hang zum Zentralismus zugrunde. Der jetzige Vorschlag aus dem Saarland hat aber einen ganz anderen Grund. Mehr

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