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Junger Unternehmer Eine Limo namens Herbert

Ein junger Frankfurter hat mit einer Limonade Erfolg. Ein eigenes Unternehmen war schon immer sein Traum. Die Geschichte einer Idee.

© Fiechter, Fabian Vergrößern Der Chef schenkt selbst aus: Martin Göttelmann an einem Probierstand.

Als er zur Tür hereinkommt, hält Martin Göttelmann in der einen Hand einen Kasten seiner Limonade, in der anderen eine schwarze Aktenmappe mit Reißverschluss. Die klappt der junge Mann entschlossen auf, als er sich an den Konferenztisch setzt. Zum Vorschein kommen ein beschriebener Collegeblock und viele Visitenkarten, die in der anderen Hälfte der Mappe stecken. Er trägt ein hellblaues Hemd. Nur der oberste Knopf ist geöffnet. Darunter blitzt ein weißes T-Shirt hervor. Das sieht schon alles ziemlich professionell aus.

Göttelmanns Gesichtszüge sind filigran. Mit seiner blassen Haut und dunklen Haaren wirkt er jungenhaft. Seit der ersten Klasse wollte er eine eigene Firma besitzen. „Das habe ich dann konsequent durchgezogen“, sagt der gebürtige Frankfurter, der aus einer Unternehmerfamilie stammt. Sein Vater betrieb eine Werbeagentur. Auch beide Großväter waren Fabrikanten in Ostdeutschland. Der eine produzierte Keilriemen, der andere Dachziegel. „Weil mein Vater früh gestorben ist, konnte ich seine Agentur leider nicht übernehmen“, sagt Göttelmann. Nach der Wende war klar, dass auch die Betriebe seiner Großeltern nicht überdauern würden.

Es klingt nicht abgehoben

So musste sich der heute Achtundzwanzigjährige etwas Eigenes einfallen lassen. Schon während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften ließ ihn der Gedanke an das eigene Unternehmen nicht los. „Ich wollte die erste Transrapid-Strecke durch Deutschland bauen.“ Er nahm Kontakt zu Thyssen-Krupp auf und ging zur Bank, um einen Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu beantragen. Da war er im vierten Semester.

“Natürlich hat das nicht geklappt“, sagt er, und so, wie er diese Episode erzählt, klingt es gar nicht abgehoben. Trotzdem lacht er über sich selbst. „Danach habe ich nach etwas Realistischerem gesucht.“ Er erinnerte sich an seine Abiturfahrt nach Malta. Damals entwickelte er eine Vorliebe für eine bestimmte Bitterlimonade, die es in Deutschland aber nicht zu kaufen gab. Göttelmann rief den Hersteller an und fragte, ob er auch nach Deutschland liefere. Erst als er einverstanden war, mindestens eine Euro-Palette abzunehmen, konnte er bestellen. Aber auch nach Wochen kam die Ware immer noch nicht bei ihm an. In der Cargo City des Frankfurter Flughafens stand seine Palette und kam nicht durch den Zoll. „Zu viel für den Eigenbedarf - so lautete die Erklärung“, erzählt Göttelmann. „Ich musste 900 Euro Steuern nachzahlen.“

Einen Tag nach der Bachelor-Arbeit ging es los

Das ärgerte ihn so sehr, dass er beschloss, seine eigene Limonade nach Vorbild der maltesischen Bitterlimonade herzustellen. Der junge Mann recherchierte im Internet, „wie man Limonade macht“, besorgte sich erste Zutaten. Schließlich stand in seiner Küche am Herd, bereit, im Kochtopf seine eigene Limo zu brauen. Doch der erste Versuch ging schief.

Die Idee ließ ihn freilich nicht los. Einen Tag nach der Abgabe seiner Bachelor-Arbeit fing Göttelmann an, nach einem Lebensmittelchemiker zu suchen. Nach vier Monaten stieß er in Darmstadt auf die Firma Döhler. „Der Regionalleiter hat mich beim ersten Treffen gefragt, ob ich das wirklich durchziehen will“, erzählt er. „Die Leute nehmen mich nicht ernst, das war immer mein Problem“, fügt er an.

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Veröffentlicht: 08.09.2013, 00:06 Uhr

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Von Jan Grossarth

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