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ISS-Nachtaufnahmen : Leuchtende Städte

  • -Aktualisiert am

Bild: NASA/ESA

Bis vor kurzem fotografierten die Astronauten auf der ISS die Erde mit der Kamera in der Hand - und der üblichen Unschärfe. Jetzt haben sie ein High-Tech-Stativ. FAZ.NET zeigt beeindruckende Nachtaufnahmen von den Städten unserer Welt.

          Donnerstag, 5. April, 23.50 Uhr Bordzeit gleich Weltzeit. Der Esa-Astronaut André Kuipers aus den Niederlanden drückt rasch auf den Auslöser seiner Kamera, als die Internationale Raumstation mit einer Geschwindigkeit von mehr als sieben Kilometern pro Sekunde über das nächtliche London hinwegfliegt. 23.53 Uhr. Diesmal löst Kuipers die Kamera über Berlin aus, und dann noch einmal um 23.54 Uhr, jetzt schon über Warschau.

          Alle drei kurz hintereinander geschossenen Fotos werden nahezu perfekt – und fast ohne digitales Hintergrundrauschen dank eines erst seit einigen Monaten verfügbaren mechanischen Nachführsystems (Nightpod), das längere Belichtungszeiten ohne Bewegungsunschärfe gestattet.

          Der Astronaut richtet die Kamera auf sein Ziel aus, und beim Auslösen übernimmt ein Computerprogramm mit den Bahndaten und den Positionsdaten von Kamera und Ziel die Nachführung. Vor gut einem Jahr konnte der aus Italien stammende Esa-Astronaut Paolo Nespoli erst auf eine recht primitive manuelle Nachführhilfe zurückgreifen, die ihm allerdings auch schon zu guten Nachtaufnahmen verhalf. Bis dahin haben die Astronauten ausschließlich aus der Hand fotografiert.

          Astronautentraining für eine ruhige Hand

          Dass sich zuerst Nespoli zu einem guten Weltraumfotografen entwickelt hat und jetzt Kuipers sein würdiger Nachfolger ist, der mit dem 400-Millimeter-Objektiv oft gestochen scharfe Bilder erhält, obwohl er sie aus der Hand fotografiert, ist wohl auch dem 2009 eingeführten intensiven praktischen Training der europäischen Astronauten zu verdanken.

          Seit jenem Jahr üben die Raumfahrer in Russland an Bord eines kleinen Flugzeuges, die Erde aus dem Fenster eines beweglichen Gefährts heraus aufzunehmen. Das sperrige Nightpod-System ist in der Raumstation nur in der großen Kuppel („Cupola“) zu verwenden, deren zum Schutz der Astronauten Strahlung schluckende Fenster ausschließlich bei geringerer Kamerabrennweite (85 Millimeter) voll befriedigende Ergebnisse zulassen.

          Städte an der Farbe erkennen

          Die vor allem neuerdings in ihrer Qualität überzeugenden Nachtaufnahmen bestechen gelegentlich durch ihre Farbenvielfalt, die unterschiedliche chemische Füllungen der Gasentladungslampen in den Städten signalisiert. Natriumlampen zum Beispiel leuchten gelb-orange, Quecksilberlampen blau und Neonlampen weiß.

          In Berlin lässt sich auf diese Weise vom Weltraum aus – immer noch – der Osten der Stadt vom Westen unterscheiden. In arabischen Städten wie Riad oder Kuwait variiert die Farbe von Stadtbezirk zu Stadtbezirk, aber auch in einigen Städten Brasiliens, etwa in São Paulo. Wenn die Astronauten bei ihrem Flug über die Erde Städte in einer charakteristischen blau-grünen Farbe sehen, wissen sie, wo sie gerade sind: über Japan.

          Grenzen der Nacht

          Früher berichteten die Astronauten oft, überwältigend sei, dass man auf der Erde keine politischen Grenzen erkenne – der ganze Planet steche als unsere gemeinsame Heimat hervor. Nachts gilt das allerdings überhaupt nicht. Auf den Nachtaufnahmen der Astronauten ist deutlich die innerkoreanische Grenze oder die Grenze zwischen Indien und Pakistan auszumachen, und auch die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko ist im Bereich der Städte hell beleuchtet.

          Von friedlicheren Aktivitäten der Menschen zeugen an einigen Küsten ganze Trauben von Schiffen, die gemeinsam in Parkzonen auf die Weiterfahrt zum Entladen in Häfen oder das Passieren von Kanälen warten – etwa vor dem großen Hafen von Rotterdam (Europoort) oder vor dem Panamakanal.

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