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IOC : Bach und das gekaufte Olympia

  • -Aktualisiert am

Rogge, Bach und die Ringe: Wem gehört Olympia? Bild: AFP

Der neue Präsident will die Spiele den Athleten zurückgeben - leicht wird das nicht werden. Schon in Sotschi wird er erleben müssen, wie das gekaufte Olympia wieder zum Spielzeug autoritärer Herrscher wird.

          Thomas Bach ist seit Dienstag nicht nur der erste deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), er ist mit seiner Mannschaftsgoldmedaille im Florettfechten aus dem Jahr 1976 auch der erste Olympiasieger an der Spitze der wichtigsten Sportorganisation der Welt - ein ehemaliger Athlet also, der am liebsten auch im Alter von 59 Jahren noch so denken würde wie ein Athlet.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Natürlich hat Bach mit der nichtsportlichen Welt Kompromisse machen müssen; der Weg bis ins höchste Ehrenamt des Sports ist hart und erfordert Allianzen. Doch sein Hintergrund als Olympionike macht den Sportlern, deren wichtigstes Karriereziel die Teilnahme an den Spielen ist, Hoffnung.

          Folgt man den ersten programmatischen Äußerungen, so tritt Bach sein Amt an mit dem Wunsch, die Spiele den Athleten zurückzugeben - falls die ihnen überhaupt jemals gehört haben. Dass die Sportler Sinn und Zweck von Sportveranstaltungen seien, beteuern zwar alle, die einen Wettkampf auf die Beine stellen. Aber gemeint ist es nur selten so.

          Die Konten wachsen im Rekordtempo

          Die immensen Einnahmen aus der Fernsehvermarktung, das millionenschwere Engagement der Sponsoren und der Missbrauch durch politische Systeme haben aus dem naiven Versuch des französischen Philanthropen Pierre de Coubertin, die Olympischen Spiele der Antike wiederzubeleben, ein ökonomisches Erfolgskonzept werden lassen. Obwohl das IOC einen Großteil der Einnahmen wieder in den Sport steckt, wachsen seine Konten im Rekordtempo.

          Unter Bachs Vorgänger Jacques Rogge wurde so viel Geld angehäuft, dass es das IOC kaum mehr ausgeben kann, es sei denn, es fielen einmal in einem olympischen Vier-Jahres-Zyklus die Spiele aus. Auch die für die Sport-Entwicklungshilfe vorgesehenen Millionen wachsen so schnell, dass das IOC mit guten Taten nicht mehr nachkommt. Ein Drittel dieses Geldes wird in diesem olympischen Zyklus für schlechtere Zeiten zurückgelegt.

          Dass das Motto „Schneller, höher, stärker“ auch fürs Geldscheffeln gilt, hatte Olympia-Neuerfinder Coubertin sicher nicht gemeint. Trotzdem gab sich das IOC in der Amtszeit Rogges dem lukrativen Geschäftsmodell weiter hin, das schon die Generation vor ihm entwickelt hatte und das mit dem Schmiergeldskandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 an Salt Lake City 1999 zu einem moralischen Desaster führte.

          Je länger Rogge im Amt war, desto mehr kokettierte er

          Rogge hat dem IOC durch sein staatsmännisches Auftreten, seine Entschlossenheit im Kampf gegen Doping und dem Einsatz für die Gleichberechtigung weiblicher Athleten zwar wieder zu Glaubwürdigkeit verholfen; die spiegelt sich übrigens auch in dem Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen. Aber je länger der Belgier im Amt war, desto deutlicher zeigte sich, wie heftig er mit Geld, Macht und gesellschaftlicher Geltung kokettierte, ohne sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen.

          Die Olympischen Spiele der kommenden Jahre wurden weniger nach den Bedürfnissen der Athleten vergeben als nach den Gesetzen des Marktes. Die Winterspiele in Sotschi 2014 hat das IOC dem russischen Machthaber Wladimir Putin zu Füßen gelegt, weil der der Wintersport-Industrie neue Absatzmöglichkeiten in Aussicht stellte. Zwei Jahre später sollen die Sommerspiele in Rio de Janeiro stattfinden, das sich mit den teuren Olympia-Bauten übernommen hat.

          Der Grund: Die Lage der brasilianischen Stadt ermöglicht dem amerikanischen Fernsehsender NBC, Hauptgeldgeber des IOC, Live-Übertragungen zur attraktivsten Sendezeit. Die Spiele 2018 gingen an die Wintersport-Neulinge nach Pyeongchang, obwohl Mitbewerber München mit seiner gewachsenen Tradition die bessere Option gewesen wäre, wenn man einfach die Interessen der Sportler berücksichtigt: Sie wollen optimale Spiele.

          In Sotschi wieder ein Spielzeug

          Südkorea bedeutet(e) aber wieder einmal: Marktexpansion. Tokio, das mit der Austragung der Sommerspiele 2020 beauftragt worden ist, bietet das größte Fernsehpublikum der Welt innerhalb derselben Zeitzone. Da wollte niemand mehr etwas wissen von Naturkatastrophen und atomaren Risiken.

          Geld, so hat Bach während seines Wahlkampfs um das Präsidentenamt beteuert, könne für Olympia nur Mittel zum Zweck sein, um den Sport zu fördern. Es dürfe aber nicht das Ziel Olympischer Spiele sein, genauso wenig, wie die Spiele Plattform politischer Propaganda sein dürften. Doch schon im kommenden Februar wird er erleben müssen, wie das gekaufte Olympia in Sotschi wieder einmal zum Spielzeug autoritärer Herrscher wird - wie zuletzt die Spiele 2008 in Peking.

          Anders als Rogge gesteht Bach immerhin ein, dass Olympische Spiele nicht unpolitisch sein könnten, weil sie politische Auswirkungen hätten. Olympia müsse aber politisch neutral sein, um die Sportler zu schützen. Die Athleten hätten das Recht, ungestört ihren Sport auszuüben, sie wollten in ihren Unterkünften oder an den Wettkampfstätten keine politischen Kontroversen austragen. Er hat ja recht: Hochleistungssportler trainieren nicht, um die Welt zu verbessern. Und auch nicht, um andere reich zu machen. Sie treten an, um zu gewinnen. Sofern sie können.

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