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Internetüberwachung Digitale Erste Hilfe gegen Geheimdienstspionage

Die Politik wird noch viele Jahre brauchen, ehe sie den Rechtsstaat auf den „Cyber-Raum“ ausdehnt. Es gibt jedoch schon jetzt wirksame Strategien der digitalen Ersten Hilfe gegen Geheimdienstspionage - anwenden muss sie jedoch jeder selbst.

© REUTERS Man muss nicht, wie diese Künstlergruppe aus Warschau, bis in die Welt der Nullen und Einsen eintauchen, um seine digitalen Daten zu schützen.

Die Unsicherheit in der Bevölkerung wegen der Internetüberwachung ist groß, ebenso die Sorge der Regierung, mit der Thematisierung der Überwachungsvorwürfe gegen mehrere Geheimdienste diplomatische Beziehungen zu trüben. Innenminister Hans-Peter Friedrich sah in der Bundestagsdebatte am Mittwoch zur „Internationalen Internetüberwachung“ keine Hinweise darauf, dass in Großbritannien und den Vereinigten Staaten ein anderes Rechtsverständnis gelte als hierzulande. Fragen bleiben dennoch.

Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding verlangt derzeit in einem Brief von dem britischen Außenminister William Hague Stellungnahmen zu dem Geheimdienstprogramm „Tempora“. Die Bundesjustizministerin  Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bekam bereits Antwort auf ihren Brief an den britischen Premierminister: „Wie Sie wissen, nehmen britische Regierungen grundsätzlich nicht öffentlich Stellung zu nachrichtendienstlichen Angelegenheiten“, lautet die knappe Antwort.

Vertraulichkeit von E-Mails lässt sich wahren

Zwar scheint es absehbar, dass die politischen Entscheidungen, die das Internet in den Rechtsstaat integrieren, erst in vielen Jahren getroffen werden. Dennoch lassen sich elementare Bürgerrechte auch heute schon in der digitalen Kommunikation umsetzen. Die Vertraulichkeit von E-Mails lässt sich auch heute wahren, wie auch digitale Einkaufsbummel verschleiern – wenn entsprechende Technologien genutzt werden.

Als Standard für E-Mail-Verschlüsselungen hat sich ein Programm etabliert, das Nachrichten samt Dateianhängen auf ihrer Reise durch das Internet verschlüsselt. Nur der Absender und der Empfänger können die Nachrichten entschlüsseln - wenn sie zuvor nicht nur ihre E-Mail-Adressen, sondern auch dazu gehörende öffentliche Datenschlüssel ausgetauscht haben.

Das Prinzip der  „asymmetrischen Verschlüsselung“ - bei der der zur Entschlüsselung notwendige private Datenschlüssel nicht weitergegeben werden muss -, wurde bereits 1991 von dem Amerikaner Phil Zimmermann für E-Mail-Verschlüsselungen entwickelt. Das „PGP“-Programm gilt heute als Standard. Es gehört zwar einem privaten Unternehmen, ist allerdings mit seinem Open-Source-Pendant „GnuPG“ kompatibel und in allen gängigen E-Mailprogrammen ohne großen Aufwand oder Kosten einsetzbar.

Die Crux allerdings ist, dass Sender und Empfänger einmalig ihre öffentlichen Datenschlüssel austauschen müssen. Dieser Vorgang ist minimal komplizierter als die Bestätigung einer Facebook-Freundschaft – kommt aber trotzdem bedeutend seltener vor. Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Verschlüsselung von E-Mails haben seit den Offenlegungen der Geheimdienstprogramme „Prism“ und „Tempora“ allerdings im Internet Konjunktur.

Hilfe bieten Veranstalter von „Krypto-Partys“

Vielen der Anleitungen folgen zudem Einladungen zu „Krypto-Partys“. Bei diesen privaten Veranstaltungen lässt sich Verschlüsselung lernen und erfahren, was es mit der verfassungsrechtlich verbrieften informationellen Selbstbestimmung auf sich hat, die das Recht einräumt, niemanden beweisen zu müssen, dass man nichts zu verbergen hat.

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