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Der Kampf um die IT-Plattformen

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Der Kampf um die IT-Plattformen

Von GEORG GIERSBERG

Die deutsche Industrie ist im Wandel. Die vierte industrielle Revolution, also die digitale Vernetzung der Wirtschaft (Industrie 4.0, autonomes Fahren) und darüber hinaus der gesamten Gesellschaft (smart home, smart cities, smart health) hält die Unternehmen in Atem.

Einige sind schon auf der Strecke geblieben (Brockhaus-Verlag, Kodak), andere schrumpfen (Energieerzeuger) und wieder andere profitieren. Die Tabellen über die größten Unternehmen Deutschlands, Europas und der Welt zeigen bereits Veränderungen. Noch ist Volkswagen das größte Unternehmen hierzulande, vom Umsatz wie auch von der Zahl der Arbeitsplätze. Aber ist das Unternehmen der Konkurrenz durch Tesla oder Google gewachsen? Auch andere Unternehmen fragen sich, wie ihr Geschäftsmodell in der digitalen Welt auszusehen hat.


Die 100 größten Unternehmen

Bereits zum 59. Mal veröffentlicht die Frankfurter Allgemeine Zeitung in diesem Jahr die größten Unternehmen Deutschlands, Europas und der Welt. Die detaillierte Übersicht aller Unternehmen finden Sie im E-Paper oder in der gedruckten Ausgabe. Gerne können Sie einzelne Tabellen auch beim Archiv der F.A.Z. unter archiv@faz.de bestellen.

Die Wirtschaft ist daher derzeit im Plattformen-Fiber. „Künftiges Wachstum kommt durch neue Geschäftsmodelle“, hat der Präsident des Branchenverbandes ZVEI Michael Ziesemer dieser Tage gesagt. Und der Global General Manager für Plattformen und Innovationen des Software-Riesen SAP, Rolf Schumann, drängt die industriellen Anwender zur Eile. Er lässt sich mit dem Satz „Lauf so schnell Du kannst“ zitieren. Aber das ist leichter gesagt als getan. Alle möchten es – aber die meisten können nicht. So könnte man die aktuelle Diskussion um IT-Plattformen im industriellen Bereich zusammenfassen. Die jüngste Veröffentlichung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) – sie hatte 2011 den Begriff Industrie 4.0 geprägt – kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Plattformen zwar von zentraler Bedeutung für die deutsche Industrie sind, das größte Hindernis für deren Nutzung im produzierenden Gewerbe aber „das mangelnde Know-how für Plattformgeschäftsmodelle“ seien.

Die neuen Geschäftsmodelle bauen auf der Auswertung von Daten auf und funktionieren nur über IT-Plattformen. Digitale Plattformen sind aus dem Konsumentenbereich längst bekannt. Die dortigen Großanbieter Apple, Google, Microsoft, Amazon oder Alibaba gehören inzwischen zu den am höchsten bewerteten Unternehmen der Welt – wie die Übersicht über die Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung eindrucksvoll bestätigt.

Die größten Unternehmen der Welt nach Börsenkapitalisierung
Platz (Vorj.) Land Börsenwert
in Mrd. Dollar
1 (1) Apple USA 761
2 (2) Alphabet USA 670
3 (3) Microsoft USA 543
4 (6) Amazon USA 479
5 (7) Facebook USA 446
6 (5) Berkshire
Hathaway
USA 418
7 (25) Alibaba CHN 367
8 (8) Johnson & Johnson USA 363
9 (4) Exxon Mobil USA 345
10 (21) Tencent CHN 339
11 (14) JP Morgan Chase USA 310
12 (31) Samsung Electronics ROK 272
12 (12) Nestlé CH 265
14 (11) Wells Fargo USA 265
15 (13) Ind. & Com.
Bank of China
CHN 256
16 (9) General Electric USA 241
17 (10) AT & T USA 235
18 (24) Anheuser-Busch
InBev
B 231
19 (45) Bank of America USA 230
20 (16) Wal-Mart Stores USA 230
21 (17) Procter &
Gamble
USA 229
22 (18) Roche Holding CH 225
23 (15) China Mobile CHN 220
24 (29) Visa USA 218
25 (20) Royal Dutch
Shell
NL 217
26 (22) Novartis CH 215
27 (33) China Construction
Bank
CHN 207
28 (23) Pfizer USA 202
29 (27) Chevron USA 198
30 (28) PetroChina CHN 197
31 (26) Coca-Cola USA 193
32 (40) Comcast USA 191
33 (32) Oracle USA 191
34 (35) Home Depot USA 187
35 (37) Philip Morris USA 187
36 (19) Verizon
Communications
USA 185
37 (48) TSMC TWN 184
38 (36) Merck & Co. USA 179
39 (49) United Health USA 178
40 (52) Citigroup USA 176
41 (50) HSBC Holdings GB 175
42 (30) Toyota Motor J 172
43 (41) PepsiCo USA 168
44 (46) Unilever NL 166
45 (34) Walt Disney USA 164
46 (38) Agricultural
Bank of China
CHN 164
47 (39) Intel USA 163
48 (43) Cisco Systems USA 159
49 (44) Bank of China CHN 153
50 (51) Altria Group USA 149
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Wie man den Namen entnehmen kann, teilen amerikanischen Anbieter den Markt fast unter sich auf, bevor asiatische Konkurrenten folgen. Europa hat hier einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Das kann und sollte bei industriellen IT-Plattformen anders aussehen. „Deutschland wurde bei Endkunden-Plattformen von den Wettbewerbern abgehängt. Bei industriebezogenen IT-Plattformen besteht nach Ansicht der Fachleute jedoch die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Das in Deutschland vorhandene Wissen über seine Abnehmerbranchen ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung industriebezogener IT-Plattformen und entsprechender Services“, schreiben die Acatech-Autoren in ihrer Studie „IT-Plattformen für die Smart Service-Welt“.

Viele Unternehmen sehen das auch so und arbeiten an eigenen Plattformen: die Deutsche Telekom, Trumpf, Siemens und SAP ebenso wie Bosch, MAN oder General Electric und natürlich auch die Klassiker aus dem Endkundengeschäft wie Microsoft. Über diese Plattformen sollen dann viele andere Unternehmen über eigene Applikationen (Apps) Zugang zur Cloud (externen Datenspeicherung) haben und digitale, datenbasierte Produkte ihren Kunden anbieten können. Das bekannteste Produkt ist heute die vorausschauende Wartung. Auf Car-Sharing-Plattformen werden heute auch schon Autos, Versicherungen und andere Leistungen angeboten.

Die größten Unternehmen Deutschlands nach Börsenkapitalisierung
Platz (Vorj.) Börsenwert 2017
in Mrd. Euro
Börsenwert 2016
in Mrd. Euro
1 (1) SAP 116,8 85,7
2 (2) Siemens 105,7 81,5
3 (3) Bayer 100,4 75,9
4 (8) Allianz 79,8 62,9
(5) BASF 78,8 64,6
6 (4) Deutsche Telekom 78,3 67,6
7 (7) Daimler 69,9 62,9
8 ) Volkswagen 67,1 64,0
9 (9) BMW 54,2 46,9
10 (10) Henkel 51,9 42,3
11 (11) Merck 47,2 38,7
12 (13) Fresenius 43,3 35,7
13 (12) Continental 39,5 38,2
14 (14) Deutsche Post 39,4 31,4
15 (16) Adidas 35,7 25,8
16 (18) Linde 32,6 23,7
17 (20) Deutsche Bank 31,3 20,8
18 (15) Audi 30,6 26,3
19 (17) Münchener Rück 27,6 25,4
20 (19) Fresenius
Medical Care
26,8 23,2
21 (21) Beiersdorf 24,4 20,3
22 (24) Infineon
Technologies
22,4 15,2
23 Innogy 20,4
24 (22) E,ON 19,9 18,2
25 (23) Deutsche Börse 18,5 15,4
26 (27) HeidelbergCement 17,2 14,0
27 (25) Vonovia 16,9 14,8
28 (26) Porsche Automobil 15,3 14,4
29 (28) MAN 13,9 13,5
30 (32) Thyssen Krupp 13,7 10,7
31 (29) Evonik Industries 13,6 12,6
32 (39) Covestro 13,5 8,6
33 (31) Telefónica
Deutschland
12,9 11,0
34 (30) Hannover Rück 12,9 11,7
35 (33) Deutsche Wohnen 12,2 10,0
36 (42) RWE 11,9 8,0
37 (38) Commerzbank 11,7 8,6
38 (44) Hochtief 10,9 8,0
39 (48) Zalando 10,5 6,5
40 (41) United Internet 10,1 8,0
41 (36) Kabel Deutschland 10,1 9,2
42 (34) Schaeffler 10,0 9,4
43 (35) Metro 9,4 9,2
44 (49) Deutsche Lufthansa 8,7 5,5
45 (37) ProSiebenSAT1
Media
8,7 9,2
46 (45) Symrise 8,5 7,4
47 (46) Talanx 8,4 7,2
48 (60) Kion 8,4 4,6
49 (47) Brenntag 8,0 6,9
50 (55) Osram Licht 7,6 4,9
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Wie man den Namen entnehmen kann, teilen Die IT-Plattform ist eine Zwischenstufe zwischen der reinen technischen Infrastruktur – also dem Framework wie MFC von Microsoft oder Ruby on Rails oder eines der 40 weiteren, häufig verwendeten – auf der einen Seite und der Anwender-Applikation (Serviceplattform) auf der anderen Seite. Die Plattform dazwischen ist eine „technologische Integrationsschicht, in der die von vernetzten Produkten stammenden Daten aggregiert, weiterverarbeitet, für die übergeordnete Schicht der Serviceplattformen aufbereitet und in Form von serviceneutralen Diensten bereitgestellt wird“, heißt eine etwas sperrige, aber von der Acatech empfohlene Definition. Alle Definitionen besagen umgangssprachlich, dass eine Plattform eine Art digitaler Marktplatz ist, auf dem sich viele Serviceanbieter tummeln. Und manchmal kann man den Marktplatzbetreiber und einzelne Aussteller nicht unterscheiden, weil große Konzerne wie General Electric, ABB oder Siemens sowohl Plattformen (Marktplatz) als auch eigene Service-Apps (einzelne Aussteller auf diesem Marktplatz) auf ihren Plattformen anbieten. SAP behauptet von sich sogar, der einzige Anbieter eines wirklich kompletten Ecosystems mit Infrastruktur (Software), Plattform (Hana Cloud Plattform), Applikationen und Service zu sein.

Die größten Arbeitgeber Deutschlands
Platz Arbeitgeber Beschäftigte
in 1000
Veränderung
in Prozent
1 Volkswagen 626,7 2,7
2 Deutsche Post AG 508,0 2,1
3 Schwarz-Gruppe 390,0 4,0
4 Robert Bosch GmbH 389,3 3,9
5 Edeka-Verbund 352,0 1,5
6 Siemens AG 351,0 0,9
7 Deutsche Bahn AG 329,4 3,0
8 Rewe Group 325,7 -0,2
9 Aldi-Gruppe
(geschätzt)
300,0
10 Daimler AG 282,5 -0,5
11 Fresenius
SE & Co. KGaA
232,9 4,8
12 Continental AG 220,1 5,9
13 Deutsche Telekom AG 218,3 -3,1
14 Metro AG 217,8 -2,5
15 ThyssenKrupp AG 156,5 1,0
16 Allianz Group 140,3 -1,5
17 ZF Friedrichshafen AG 136,8 -1,0
18 BMW Group 124,7 2,0
19 Lufthansa Group 124,3 3,0
20 Bayer AG 117,6 -1,1
21 Bertelsmann
SE & Co. KGaA
116,4 -0,7
22 BASF-Gruppe 113,8 1,2
23 Deutsche Bank AG 99,7 -1,3
24 Unternehmensgruppe
Tengelmann
88,0
25 Schaeffler AG 86,7 2,9
26 SAP SE 84,2 9,3
27 Leoni AG 79,0 6,8
28 Mahle GmbH 76,6 1,3
29 Würth-Gruppe 71,4 3,5
30 TUI AG 66,8 -12,2
31 Dussmann Group 63,5 0,5
32 Adidas AG 60,6 9,1
33 Heidelberg
Cement AG
60,4 32,9
34 Dräxlmaier Group 60,0 9,1
35 McDonald's
Deutschland (geschätzt)
60,0
36 Linde AG 59,7 -7,5
37 RWE AG 58,7 -1,9
38 B. Braun
Melsungen AG
58,0 4,2
39 dm-drogerie
markt Gruppe
56,5 2,5
40 Hochtief
Aktiengesellschaft
51,5 16,3
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Da im industriellen Einsatz branchenspezifische Kenntnisse eine große Rolle für die richtige Auswertung der Daten spielen, entstehen gerade eine Menge Plattformen. „Zurzeit werden mehr als 1000 Plattformen entwickelt“, weiß Frank Riemensperger, Vorsitzender der deutschen Geschäftsführung der Beratungsgesellschaft Accenture. Halten werden sich davon wahrscheinlich nur wenige. Riemensperger geht davon aus, dass 50 industrielle Internetplattformen eine langfristige Überlebenschance haben.

Zum einen ist der Aufbau einer Plattform nicht billig. „Unter 100 Millionen Euro Investitionssumme läuft da nichts“, ist Riemensperger überzeugt. Stephan Reimelt, Präsident und CEO von General Electric Europe, verweist gern darauf, dass sich General Electric (GE) seine Plattform bis heute eine Investitionssumme von 3 Milliarden Dollar habe kosten lassen. Dazu gehörten allerdings auch einige Unternehmensübernahmen. Aber ohne die geht es nach Reimelts Ansicht auch nicht: „Man kann heute nicht mehr alles allein machen.“ Denn dazu ist die Entwicklung zu schnell. Dabei sei der Bau einer Plattform allein noch nicht einmal ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Riemensperger. Alle brauchen technische Schnittstellen, um viele Nutzer zuzulassen, und alle müssen die Daten ausreichend schützen, die über sie fließen. Zudem muss eine Plattform auch Werkzeuge zur Verfügung stellen, zur Verarbeitung und Analyse von Daten (Big Data, Data Analytics). Alles nach dem Motto von SAP-Vorstand Bernd Leukert: „Wir helfen euch, eure Daten zu nutzen.“

Zum zweiten wohnt der Technik eine monopolistische Tendenz inne. „In Verbindung mit Netzwerkeffekten in der Plattformnutzung, wonach die Attraktivität einer IT-Plattform für neue Nutzer mit der Auswahl der bestehenden Nutzer zunimmt, begünstigt dies im Ergebnis die Entstehung von oligopolistischen beziehungsweise im Extrem sogar von monopolistischen Betreiberstrukturen“, schreiben die Acatech-Autoren. Das heißt, wer erfolgreich sein will, muss schnell sein. Wer als erstes eine kritische Masse an Applikationen auf seiner Plattform hat, wird sich langfristig durchsetzen.

Die umsatzstärksten Unternehmen der Welt
Platz (Vorj.) Land Branche Umsatz 2016
in Mrd. Dollar
Gewinn n. Steuern
in Mrd. Dollar
Nettoumsatz
Rendite %
1 (1) Wal-Mart Stores USA Handel 485,87 13,64 2,81
2 (2) Sinopec CHN Mineralöl 283,13 7,03 2,48
3 (6) Toyota Motor J Automobil 255,29 16,94 6,64
4 (3) PetroChina CHN Mineralöl 243,49 1,18 0,49
5 (7) Volkswagen D Automobil 240,48 5,94 2,47
6 (4) Royal Dutch Shell NL Mineralöl 233,59 4,58 1,96
7 (10) Berkshire Hathaway USA Mischkonzern 223,60 24,07 10,77
8 (8) Apple USA Computer 215,64 45,69 21,19
9 (11) McKesson USA Pharma 198,53 5,07 2,55
10 (5) Exxon Mobil USA Mineralöl 197,52 7,84 3,97
11 (16) United Health USA Gesundheit 184,84 7,02 3,80
12 (9) BP GB Mineralöl 183,01 0,12 0,06
13 (17) CVS Health USA Handel 177,53 5,32 3,00
14 (12) Samsung Electronics ROK Elektronik 174,08 19,33 11,10
15 (15) Daimler D Automobil 169,63 9,44 5,56
16 (18) General Motors USA Automobil 166,38 9,43 5,67
17 (22) AT & T USA Kommunikation 163,79 12,98 7,92
18 (19) Exor I Investment 155,03 0,65 0,42
19 (13) Glencore CH Rohstoffhandel 152,95 1,38 0,90
20 (20) Ford Motor USA Automobil 151,80 4,60 3,03
21 (14) Ind, & Com,
Bank of China
CHN Bank 147,65 41,90 28,38
22 (25) AmeriSource-Bergen USA Pharma 146,85 1,43 0,97
23 (26) China State
Construction Engineering
CHN Wohnungsbau 141,77 4,50 3,17
24 (42) Amazon USA Handel 135,99 2,37 1,74
25 (24) Hon Hai Precision
Industry
Taiwan Computer 135,27 4,61 3,41
26 (30) Axa F Versicherung 134,08 6,45 4,81
27 34) Honda Motor J Automobil 129,50 5,70 4,40
28 (23) Total F Mineralöl 127,93 6,20 4,84
29 (21) China Construction
Bank
CHN Bank 127,60 34,86 27,32
30 (28) Verizon
Communications
USA Kommunikation 125,98 13,13 10,42
31 (35) Japan Post Holdings J Kommunikation 123,28 -0,27 -0,22
32 (31) Fiat Chrysler NL Automobil 122,88 2,00 1,62
33 (47) Cardinal Health USA Pharma 121,55 1,43 1,17
34 (38) General Electric USA Mischkonzern 119,69 8,83 7,38
35 (37) Costco Wholesale USA Handel 118,72 2,35 1,98
36 (36) Allianz D Versicherung 118,71 7,62 6,42
37 (45) Walgreens
Boots Alliance
USA Pharma 117,35 4,17 3,56
38 (39) Ping An Insurance CHN Versicherung 116,83 9,40 8,04
39 (27) Agricultural Bank
of China
CHN Bank 116,54 27,70 23,77
40 (41) Kroger USA Handel 115,34 1,98 1,71
41 (33) Bank of China CHN Bank 113,41 24,78 21,85
42 (44) Saic Motor CHN Automobil 112,77 4,82 4,27
43 (50) Nissan Motor J Automobil 108,42 6,14 5,66
44 (40) Fannie Mae USA Bank 107,16 12,31 11,49
45 (43) China Mobile CHN Kommunikation 106,68 16,38 15,35
46 Legal & General Group GB Versicherung 105,68 1,71 1,61
47 (51) JP Morgan Chase USA Bank 105,49 24,73 23,45
48 (55) NTT J Kommunikation 105,37 7,40 7,02
49 (48) BMW D Automobil 104,22 7,60 7,29
50 (32) Chevron USA Mineralöl 103,31 -0,50 -0,48
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Hier sind jetzt jene Plattformanbieter im Vorteil, die selbst viele eigene Anlagen bei Kunden stehen haben. Sie können schon aus dem eigenen Datenbestand heraus viele Informationen erzeugen und diese sich und anderen zur Verfügung stellen. „Basierend auf unserer installierten Basis von mehr als 70 Millionen angeschlossenen Geräten und mehr als 70 000 digitalen Kontrollsystemen, werden wir in Partnerschaft mit Microsoft (Microsoft Azure) eine der weltweit größten industriellen Cloud-Plattformen aufbauen", kündigte Ulrich Spiesshofer vor einem halben Jahr an. Spiesshofer ist Vorsitzender der Konzernleitung der schweizerischen ABB, eines globalen Konzerns, der seine Umsätze in der Industrieautomation und in der Energietechnik macht. Auch Reimelt sieht die Stärke der GE-Plattform in dem großen Fundus eigener Daten aus der Stromerzeugung und dem Flugzeugbau. Siemens-Vorstand Klaus Helmrich verweist auf den Vorteil des eigenen Flottenbestandes im Markt. Jeder, der viele Anlagen bei Kunden stehen hat, habe auf Anhieb eine große Datenmenge. Diese wiederum ist notwendig, um Big-Data-Lösungen oder solche mittels künstlicher Intelligenz anbieten zu können.

Zu dem Angebot gehört aber auch die Verknüpfung mit frei verfügbaren Daten, zum Beispiel Geodaten oder Wetterdaten. Je mehr Nutzer eine Plattform hat und je mehr Service sie bietet, desto attraktiver ist sie. Die alte Befürchtung, dass ein Plattformanbieter selbst die Daten seiner Kunden nutzt, „kann man heute so gut wie ausschließen“, ist sich Riemensperger sicher. Und er denkt dabei nicht nur an Plattformen wie Device Insight aus München, eine Internetplattform, hinter der (mal) kein Großkonzern steht. Diese Plattform wird heute beispielsweise von großen Mittelständlern wie Kärcher oder Viessmann genutzt. Auch konzernnahe Plattformen gelten aber als sicher vor Datendiebstahl.

Deutschlands größte Unternehmen in Zahlen
Platz (Vorj.) Umsatz Mill.€ Umsatzveränd.
in Prozent
Jahresüberschuss
in Millionen €
Beschäftige
in 1000
Umsatz
Berechnung
1 (1) Volkswagen 217,267 1,9 5379,0 626,7 Konzern
2 (2) Daimler AG 153,261 2,5 8784,0 282,5 Konzern
3 (4) BMW Group 94,163 2,1 6910,0 124,7 Konzern
4 (5) Schwarz-Gruppe 90,200 5,3 390,0 Sonst.
5 (7) Siemens AG 79,644 5,3 5584,0 351,0 Konzern
6 (6) Aldi-Gruppe 77,000 300,0 Welt
7 (8) Robert Bosch
GmbH
73,129 3,6 2374,0 389,3 Sonst.
8 (10) Deutsche
Telekom AG
73,095 5,6 3104,0 218,3 Konzern
9 Uniper SE 67,285 -27,0 -3234,0 13,1 Konzern
9 Audi AG 59,317 1,5 2066,0 88,5 Konzern
10 (12) Metro AG 58,417 -1,4 657,0 217,8 Konzern
11 (9) BASF-Gruppe 57,550 -18,3 4255,0 113,8 Konzern
12 (11) Deutsche Post
AG
57,334 -3,2 2781,0 508,0 Konzern
13 (13) Rewe Group 54,140 4,9 463,0 325,7 Sonst.
14 (14) Edeka-Verbund 49,600 2,5 367,3 352,0 Sonst.
15 (17) Bayer AG 46,769 1,5 4826,0 117,6 Konzern
16 (16) RWE AG 43,590 -4,9 -5484,0 58,7 Konzern
16 Innogy SE 41,549 -4,4 1786,0 40,6 Konzern
17 (19) Deutsche
Bahn AG
40,557 0,4 716,0 329,4 Konzern
18 (20) Continental AG 40,550 3,4 2882,0 220,1 Konzern
19 (18) ThyssenKrupp AG 39,263 -8,2 261,0 156,5 Konzern
20 (3) E.ON SE 38,173 -67,2 -16007,0 43,1 Konzern
21 (22) ZF Friedrichshafen AG 35,166 20,6 924,0 136,8 Konzern
22 (21) Lufthansa Group 31,660 -1,2 1803,0 124,3 Konzern
23 (15) BP Europa SE 31,347 -16,3 995,0 10,2 Sonst.
24 (23) Fresenius SE & Co. KGaA 29,471 5,3 2676,0 232,9 Konzern
25 (25) Phoenix Group 24,436 5,1 142,8 34,1 Konzern
25 Porsche AG 22,318 3,6 2640,0 27,6 Konzern
26 (24) Hochtief
Aktiengesellsch.
22,292 -6,9 433,5 51,5 Konzern
27 (28) SAP SE 22,062 6,1 3634,0 84,2 Konzern
27 Media-Saturn
Gruppe
21,869 0,6 65,7 Konzern
28 (46) Heraeus
Holding GmbH
21,516 66,4 12,4 Konzern
29 (38) Gasprom
Germania GmbH
21,141 26,4 188,3 2,0 Konzern
29 Daimler Financial Services 20,660 9,0 1179,0 12,1 Konzern
30 (26) Celesio AG 20,644 -2,6 963,9 35,7 Konzern
31 (34) Ford-Werke
GmbH
19,815 13,4 -1597,0 25,3 Einzel-Abschluß
32 (27) EnBW Energie
Baden-Württemberg AG
19,368 -8,5 -1672,5 20,4 Konzern
33 (36) Adidas AG 19,291 14,0 1020,0 60,6 Konzern
33 Volkswagen
Financial Services AG
19,127 6,2 1141,0 11,8 Konzern
34 (30) Thüga-Gruppe 19,000 -4,0 17,2 Sonst.
35 (31) Henkel AG
& Co. KGaA
18,714 3,5 2093,0 51,4 Konzern
36 (29) TUI AG 17,185 -1,9 1152,2 66,8 Konzern
37 (35) Bertelsmann
SE & Co. KGaA
16,950 -1,1 1137,0 116,4 Konzern
38 (33) Linde AG 16,948 -5,6 1275,0 59,7 Konzern
39 (37) GM Europe 16,910 0,3 -233,5 38,0 Konzern
40 (40) Tennet
TSO GmbH
16,754 8,7 -52,7 1,6 Einzel-Abschluß
40 Fresenius
Medical Care AG
16,570 7,2 1420,1 109,3 Konzern
41 (42) Boehringer
Ingelheim
15,850 7,1 1849,0 45,7 Konzern
42 (41) BayWa AG
München
15,410 3,2 52,7 16,7 Konzern
43 (44) Heidelberg
Cement AG
15,166 12,6 896,3 60,4 Konzern
43 DB Schenker 15,128 -2,1 68,4 Sonst.
44 (32) Shell Deutschl.
Oil GmbH
15,126 -15,9 3,1 Einzel-Abschluß
45 (47) Merck KGaA 15,024 17,0 1633,0 50,4 Konzern
45 Volkswagen
Leasing GmbH
14,681 4,9 0,0 1,0 Einzel-Abschluß
45 MAN SE 13,564 -1,0 -7,0 53,8 Konzern
46 (45) Schaeffler AG 13,338 1,2 872,0 86,7 Konzern
46 BSH Hausgeräte
GmbH
13,100 4,0 58,3 Konzern
47 (48) Lekkerland
Gruppe
13,003 4,2 60,0 4,8 Sonst.
48 (56) Amazon
Deutschland
12,782 20,0 12,0 Sonst.
49 (43) Evonik
Industries AG
12,732 -5,7 858,0 34,4 Konzern
50 (51) Amprion
GmbH
12,650 6,6 158,1 1,2 Einzel-Abschluß
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„Ich gehe davon aus, dass sich am Ende je Branche zwei oder drei Plattformen etablieren“, sagt Riemensperger, also je eine für Maschinenbau, Logistik oder die Lebensmittelindustrie. Eine Plattform über alle Industriebranchen hinweg werde kaum gelingen, ist er überzeugt. Dazu seien die Werkzeuge zu unterschiedlich, die die einzelnen Branchen zur Auswertung ihrer Daten brauchen.

Auch Reimelt ist sicher, dass nur wenige Plattformen überleben werden, zumal die großen Anbieter wie GE, ABB oder Siemens schon den Anspruch haben, branchenübergreifende Lösungen anbieten zu können – ja sogar über den bisherigen Kundenkreis hinaus tätig werden und sich so neue Märkte erschließen zu können.

Kleinere Anbieter werden auf diesen Plattformen Applikationen haben und dort ihre speziellen Dienstleistungen anbieten. Damit kann man erfolgreich sein, wenn man relevant ist. Auch Reimelt drängt bei der kaufmännischen Umsetzung von Industrie 4.0 zur Eile. Er habe große Angst, dass es Europa beim industriellen Internet wie bei den sozialen Netzwerken und dem privaten Internet ergehe: dass man nämlich am Ende mit leeren Händen dasteht, weil amerikanische Anbieter (Microsoft, Amazon, Google) das Rennen machen. Die deutsche Industrie müsse viel stärker kooperieren, fordert er. Die regionalen Cluster seien ein guter Ansatz, der aber schnellstens national oder sogar europaweit ausgebaut werden müsse. „Wir brauchen ein deutsches, besser ein europäisches Ecosystem“, fordert der deutsche GE-Chef.

Unter einem Ecosystem versteht man (abgeleitet aus dem biologischen Ökosystem für Lebensgemeinschaft) alle Akteure einer Branche oder eines geographischen Raumes. Selbst ein Weltkonzern wie GE – mit jahrelanger Erfahrung in der Wartung von Flugzeugturbinen und einem großen Erfahrungsschatz in der Energieerzeugung – ist nach Ansicht von Reimelt allein nicht groß genug, um eine Plattform ohne Zukäufe und ohne Partner aufzubauen.

Er warnt andere Unternehmen, zu zögerlich bei der Entscheidung über neue, datenbasierte Geschäftsmodelle zu sein. „Eine Transformation wie die derzeitige erfordert drastische Entscheidungen“, ist Reimelt überzeugt. Wir stünden zwar noch ganz am Anfang des industriellen Internets. Aber dieses werde sich schneller durchsetzen als das Verbraucher-Internet und uns keine 15 Jahre Zeit lassen, ist er überzeugt. GE zum Beispiel mache heute bereits die Hälfte seines Umsatzes mit Dienstleistungen und nur noch 50 Prozent mit reiner Hardware, also Maschinen und Anlagen.

Die großen deutschen Familienunternehmen
Platz (Vorj.) Branche Umsatz
in Mill. €
Beschäftigte
in 1000
1 (1) Volkswagen Automobil 217.267 626,7
2 (2) BMW Group Automobil 94.163 124,7
3 (3) Schwarz-Gruppe Handel 90.200 390,0
4 (4) Aldi-Gruppe Handel 77.000 300,0
5 (5) Robert Bosch GmbH Technologie 73.129 389,3
6 (6) Metro AG Handel 58.417 217,8
7 Continental AG Automobilzulieferer 40.550 220,1
8 (7) Fresenius SE
& Co. KGaA
Gesundheit 29.471 232,9
9 (8) Phoenix Group Pharmagroßhandel 24.436 34,1
10 Heraeus Holding GmbH Edelmetall/Technologie 21.516 12,4
11 (9) Henkel AG
& Co. KGaA
Konsumgüter 18.714 51,4
12 (10) Bertelsmann
SE & Co. KGaA
Medien 16.950 116,4
13 (11) Boehringer
Ingelheim
Pharma 15.850 45,7
14 (13) Merck KGaA Pharma 15.024 50,4
15 (12) Schaeffler AG Wälzlager 13.338 86,7
16 (15) Otto Group Handel 12.512 49,8
17 (16) Mahle GmbH Automobilzulieferer 12.322 76,6
18 (18) Würth-Gruppe Befestigungstechnik 11.836 71,4
19 (14) Oetker-Gruppe Mischkonzern 11.704 32,1
20 (17) Marquard & Bahls AG Mineralölhandel 11.546 8,1
21 (19) maxingvest AG Nahrung und Genuss 10.050 30,1
22 (22) dm-drogerie
markt Gruppe
Drogerie 9.708 56,5
23 (20) Liebherr-International Nutzfahrzeuge 9.009 42,3
24 (26) Dirk Rossmann GmbH Drogerie 8.400 50,5
25 (24) Warburg Gruppe Banken 8.400 1,2
26 (25) Unternehmensgruppe Tengelmann Handel 8.240 88,0
27 (31) Freudenberg Gruppe Mischkonzern 7.900 46,3
28 (27) Benteler Gruppe Stahl/Automobilzulieferer 7.423 27,9
29 (23) Helm AG Chemiehandel 6.935 1,5
30 (28) Beiersdorf AG Kosmetik 6.752 17,9
31 (32) Globus-Handelshof-
Gruppe
Handel 6.560 42,7
32 (30) Knauf Gruppe Baustoffe 6.513 26,0
33 (33) B. Braun
Melsungen AG
Gesundheit 6.471 58,0
34 (37) Hella KGaA
Hueck & Co.
Automobilzulieferer 6.352 33,7
35 (41) Tönnies Gruppe Nahrung und Genuss 6.350 12,5
36 (39) DKV Euro
Service GmbH + Co. KG
Dienstleistung 6.300 0,9
37 (35) Bauhaus-Gruppe Baumarkt 6.160 20,0
38 (34) Brose Fahrzeugteile
GmbH & Co. KG
Automobilzulieferer 6.149 24,7
39 (36) Remondis
SE & Co. KG
Recycling 6.100 33,0
40 (40) Dachser SE Logistik 5.706 27,5
41 (29) Unternehmensgruppe
Theo Müller
Nahrung und Genuss 5.600 27,0
42 (38) Knorr-Bremse AG Zulieferer 5.494 24,6
43 (42) Wacker Chemie AG Chemie 5.404 17,2
44 Carl Zeiss Gruppe Optik/Technologie 4.881 25,4
45 (44) Deichmann Gruppe Schuhhandel 4.800 38,3
46 (45) Rhenus SE & Co. KG Logistik 4.800 28,0
47 (50) Bartels-Langness
Handelsgesellschaft mbH & Co. KG
Handel 4.781 18,0
48 (43) Berenberg Bank Banken 4.716 1,5
49 (46) Enercon GmbH Windkraft 4.532 20,0
50 (47) Eberspächer-Gruppe Automobilzulieferer 4.324 9,1
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Deutschland habe gute Voraussetzungen, in der neuen Welt – der Verbindung von mechanischer Produktion mit der IT – eine wichtige Rolle zu spielen.

Von Produktion verstehe vor allem Deutschland sehr viel und habe auch bestens ausgebildete Mitarbeiter. Dieses exklusive Wissen müsse man jetzt aber zügig mit der Datenverarbeitung verbinden. Gerade hier zögern noch viele Unternehmen. Häufig fehlen Ideen für Plattformgeschäftsmodelle, und vor allem die Monetarisierungsansätze sind oft unklar, also wie man in der neuen Welt mit welchem Angebot Geld verdient. Im globalen Vergleich sieht Riemensperger Deutschland in Bezug auf das industrielle Internet derzeit vorn, gefolgt von den Vereinigten Staaten. „Wir müssen aber auf Japan und China achten“, warnt er.

Ein umfassender Überblick mit weiteren Angaben und Fußnoten zu den Unternehmen erscheint am 5. Juli 2017 in der F.A.Z. als Beilage mit dem Titel "Die 100 größten Unternehmen".

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 04.07.2017 18:11 Uhr